Eine Demonstration.
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Belegschaft, Bürger und Politiker quer durch alle Parteien demonstrierten auf dem Marienplatz in Wolfratshausen für den Erhalt der Kreisklinik in kommunaler Trägerschaft.

„Dialogformat zur Zukunftssicherung“

Kreisklinik: Landrat verlangt neue Strategie und langfristigen Investitionsplan

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Wie geht‘s weiter mit der Kreisklinik Wolfratshausen? Landrat Niedermaier kündigt ein „Dialogformat zur Zukunftssicherung“ an.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Eigentlich hätte der Kreistag kürzlich einen Beschluss zur künftigen Gesundheitsversorgung im Landkreis fassen sollen. Doch aufgrund der kontroversen Debatte, die sich am Thema Kreisklinik entzündete, folgten die Kreisräte dem Vorschlag von Landrat Josef Niedermaier (FW). Er plädierte für ein vorgeschaltetes „Diskussionsmoratorium“ – und konkretisiert das weitere Vorgehen jetzt: Niedermaier kündigt in einer Pressemitteilung ein „Dialogformat zur Zukunftssicherung der Kreisklinik“ an.

Wir wollen und müssen handeln, gerade weil wir die Kreisklinik langfristig sichern wollen.“

Josef Niedermaier, Landrat

Geplant war, dem Kreistag vorzuschlagen, „ein formalisiertes wettbewerbliches Verfahren einzuleiten, um zur langfristigen Sicherung der Kreisklinik die besten Kooperationsmöglichkeiten konkret auszuloten“, erklärt Niedermaier. Als Hauptziel sei die Sicherung der Kreisklinik „mit akut-stationärem Leistungsangebot von hoher Qualität, einschließlich Innere Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe und 24/7 Notaufnahme“ festgelegt worden. Zudem eine „bessere Abstimmung der stationären Versorgung in der Region mit Kooperationspartnern bei Erhalt der Arbeitsplätze und der Gemeinnützigkeit“. Um einen Verkauf des Krankenhauses am Wolfratshauser Moosbauerweg, „um die Aufgabe von kommunalem Einfluss oder gar die Schließung der Kreisklinik ging es nie“, beteuert der Landrat und Vorsitzende des Aufsichtsrats der Kreisklinik gGmbH. Niedermaier unterstreicht: „Wir wollen und müssen handeln, gerade weil wir die Kreisklinik langfristig sichern wollen.“ Die Einrichtung benötige „konkrete Zukunftsoptionen“. Der Landrat gibt zu bedenken, dass sich „alle denkbaren Partner nur anstrengen und uns ein gutes Kooperationsangebot machen werden, wenn sie wissen, dass sie nicht unsere einzige Option sind.“

Rückblickend auf die Ereignisse seit Bekanntwerden der Vicondo-Analyse Anfang Mai stellt Niedermaier fest: „Wir hätten der Kreisklinik aktuell allerdings auch keinen Gefallen getan, wenn wir den erarbeiteten Beschlussvorschlag trotz der aufgewühlten Gemüter mit Kampfabstimmung quer durch Fraktionen durchgepeitscht hätten.“ Gute Zukunftsoptionen könnten in einem „Konzeptwettbewerb“ nur gefunden werden, „wenn der Weg verstanden und von einer breiten Mehrheit grundsätzlich mitgetragen wird“.

Landrat verlangt langfristigen Investitionsplan von Klinik-Geschäftsführung

Sobald die Corona-Bestimmungen es möglich machen, werde der Landkreis ein Dialogformat zur Zukunftssicherung der Kreisklinik vorbereiten und durchführen. Erst danach würde der 60-köpfige Kreistag beschließen, „wie die Zukunftssicherung der Kreisklink konkret angegangen wird“. Darüber hinaus werde er dem Aufsichtsrat der Klinik vorschlagen, die Geschäftsführung der gemeinnützigen GmbH zu bitten, „spätestens mit dem jährlichen Geschäftsplan im Herbst auch eine aktualisierte Strategie als Alleinklinik – gegebenenfalls mit Vorüberlegungen zu punktuellen Kooperationen –, einer detaillierten, fünfjährigen Planungsrechnung und einer langfristigen, umfassenden Investitionsplanung vorzulegen“. Strategie und Zahlenwerk sollen eine „fundierte Grundlage“ für die Wirtschaftlichkeitsplanung des Trägers der Einrichtung sein, den Landkreis.

Kreisklinik Wolfratshausen schreibt seit Jahren Verluste

In seiner Pressemitteilung weist Niedermaier erneut darauf hin, dass „die politischen und strukturellen Rahmenbedingungen insbesondere für kleinere Krankenhäuser seit Jahren schwieriger werden“. Rechtliche Vorgaben und qualitative Anforderungen „nehmen kontinuierlich zu und lassen sich aus dem System heraus immer weniger refinanzieren“. Wie viele andere „Alleinkrankenhäuser“ in Deutschland sei die Kreisklinik „strukturell defizitär“. Seit 2013 betrug der Verlust laut Landrat rund zehn Millionen Euro. Niedermaier: „Darüber hinaus trägt der Landkreis seit 2018 zusätzlich die Kosten für den Betrieb der Geburtshilfe in Wolfratshausen durch das Klinikum Starnberg in Höhe von jährlich 1,5 Millionen Euro.“ In diesem Kontext dürfe man nicht vergessen: „Nur etwa ein Viertel der Landkreisbevölkerung nimmt das medizinische Angebot der Kreisklinik aktuell tatsächlich in Anspruch.“ (cce)

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