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261 Kinder kamen 2016 in der Kreisklinik zur Welt: „Wir sind stolz auf das, was da geleistet wird“, sagt der Geretsrieder Gerhard Hasreiter, Vorsitzender des Vereins „Freunde der Kreisklinik“.

Geburtshilfeabteilung Wolfratshausen

„Freunde der Kreisklinik“ stehen hinter Hebammen und Gynäkologen

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Mit der Aktion „Born in WOR“ will die Geburtshilfeabteilung der Kreisklinik wie berichtet auf sich aufmerksam machen. Gerhard Hasreiter, Vorsitzender des Vereins „Freunde der Kreisklinik“, steht voll dahinter.

Wolfratshausen – „Wir sind stolz auf das, was da geleistet wird“, sagt er. Der Einsatz der Ärzte und Hebammen sei enorm. Nicht ohne Grund hätten sich die Zahlen (2016 kamen am Moosbauerweg 261 Kinder auf die Welt) in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, die Tendenz gehe klar in die richtige Richtung. „Es ist diese spezielle, sehr familiäre Atmosphäre, die immer mehr geschätzt wird“, sagt er. „Eine 08/15-Abfertigung wie anderswo gibt es hier nicht.“

Hasreiter: Gedankenspiel „nicht nachvollziehbar“

Da Hasreiter aber auch Kreisrat für die CSU ist, bekommt er die aktuelle politische Debatte um die Tölzer Geburtshilfe und die möglichen Konsequenzen für die Wolfratshauser Abteilung aus nächster Nähe mit. Das Gedankenspiel, einen privaten Betreiber – nämlich die Asklepios-Klinik – mit den Mitteln des Landkreises zu unterstützen, damit die Tölzer Geburtshilfe erhalten bleibt, hält der Geretsrieder Altbürgermeister für „nicht nachvollziehbar“.

Private Betreiber betrachtet Hasreiter mit Misstrauen

Private Betreiber von Kliniken betrachtet Hasreiter grundsätzlich mit Misstrauen: „Die sind vor allem renditeorientiert und schauen vor allem auf die Zahlen, auch auf Kosten der Mitarbeiter.“ Asklepios speziell traut Hasreiter nicht mehr über den Weg, seit das Unternehmen von einem Tag auf den anderen die Schließung der Lenggrieser Reha-Klinik verkündet hat. Ein jüngst im Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erschienener Artikel über Asklepios hat ein Übriges getan, um Hasreiter in seinem Misstrauen zu bestärken. Sein Fazit: „Warum soll man einem privaten Betreiber Geld nachwerfen, während man sich bei der eigenen Klinik damit ziert?“ Er räumt zwar ein, dass die Wolfratshauser Geburtshilfe keine schwarze Null schreibt (ihr jährliches Defizit liegt im sechsstelligen Bereich). „Aber in der Kreisklinik läuft alles transparent ab.“

Fehlende Kinderklinik laut Hasreiter kein Manko

Dass eine Kinderklinik fehlt – angeblich ein Wolfratshauser Manko –, findet Hasreiter nicht so schlimm. Zum einen gebe es auch in Bad Tölz keine angeschlossene Kinderklinik. Und zum anderen sei ein Notfall, der eine Verlegung in eine speziell ausgestattete Klinik wie Starnberg notwendig macht, sehr selten. Auch seien die Gynäkologen in der Kreisklinik erfahren genug, um mögliche Probleme im Vorfeld abschätzen zu können.

Immense Versicherungssummen seien ein gewaltiges Hindernis

Schuld an der grundsätzlichen Misere ist in Hasreiters Augen die große Politik. Die immensen Versicherungssummen von jährlich um die 50 000 Euro, die von medizinischen Neueinsteigern verlangt werden, seien ein gewaltiges Hindernis. Doch der politische Wille, daran etwas zu ändern, fehle. „Da liegt der Hund begraben.“ Unter den gegebenen Umständen könne er Ärzte verstehen, die es sich nicht vorstellen können, als Belegarzt in einer Klinik zu arbeiten. „Gynäkologen gibt es genug“, sagt er. „Aber vor solchen Summen schrecken eben viele zurück.“

Privatisierung ist für Kreisrat Hasreiter keine Option

Akut ist eine Schließung der Wolfratshauser Geburtshilfe laut Hasreiter nicht. „Es sind keinerlei Beschlüsse gefasst worden“, versichert er auf Nachfrage unserer Zeitung – und tritt damit Gerüchten entgegen, die in der vergangenen Woche in der Loisachstadt die Runde machten. Auch in den nächsten Jahren dürfte der Bestand gesichert sein. Aber: Die beiden Belegärzte werden auch nicht jünger. Irgendwann könne eine Situation eintreten wie derzeit in Tölz, wo man keinen Nachfolger findet. Nur eines ist für Hasreiter klar: „Eine Privatisierung wird keine Option sein.“

Lesen Sie auch diese Artikel zum Thema Geburtshilfeabteilung in der Wolfratshauser Kreisklinik:
Die Hebammen sind extrem beunruhigt und Aktion: Born in Wor

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