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Mit dem Abflauen der Infektionszahlen normalisiert sich der Betrieb in der Kreisklinik wieder.

Interview mit dem Geschäftsführer der Kreisklinik

Ingo Kühn: „Es geht wieder in Richtung Normalität“

  • Clara Wildenrath
    vonClara Wildenrath
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Nach Wochen des Ausnahmezustands normalisiert sich der betrieb in der Wolfratshauser Kreisklinik langsam. Geschäftsführer Ingo Kühn zieht Bilanz. 

Wolfratshausen Wochenlang herrschte in der Wolfratshauser Kreisklinik – wie in allen deutschen Krankenhäusern – der Ausnahmezustand. Der reguläre Betrieb wurde heruntergefahren, um Platz für Corona-Patienten zu schaffen. Inzwischen gibt es im Landkreis nur noch einzelne Infizierte. Zeit für eine Corona-Bilanz: Wir sprachen mit Ingo Kühn, dem Geschäftsführer der Kreisklinik.

Ingo KühnGeschäftsführer der Kreisklinik

Herr Kühn,  ist die Kreisklinik inzwischen wieder zum Normalbetrieb zurückgekehrt?

Nein, wir unterliegen noch bis Ende Juli der Allgemeinverfügung des Bayerischen Staatsministeriums. Das heißt, wir müssen gewisse Kapazitäten für mögliche Corona-Patienten freihalten.

Wie viel ist das zur Zeit?

Das sind 15 Prozent unserer Betten. In den Hochphasen der Pandemie war die halbe Klinik leergeräumt.

Wie viele Covid-19-Patienten hatten Sie denn?

Es wurden bei uns 33 Patienten mit Covid-19 behandelt. Davon mussten vier beatmet werden.

Gab es Todesfälle?

Darüber möchte ich keine Auskunft geben. Alle Patienten hatten Begleiterkrankungen, die auch ohne das Coronavirus zum Tod führen konnten.

Gab es auch Infektionen beim Klinikpersonal?

Ja, zwei Mitarbeiter sind an Corona erkrankt. Ob sie sich im privaten Umfeld oder in der Klinik angesteckt haben, ist nicht bekannt.

Das ist im Vergleich zu anderen bayerischen Kliniken wenig. Worauf führen Sie das zurück?

Wir hatten sehr strenge Schutzmaßnahmen, die über die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts hinausgingen. Jeder neu aufgenommene Patient wurde zunächst in einem Einzelzimmer isoliert und erst nach sechs Tagen und zwei negativen Testergebnissen auf die Normalstation verlegt. So konnten wir unsere Mitarbeiter bestmöglich schützen. Als Geschäftsführer der Klinik bin ich ja nicht nur für das Wohl der Patienten verantwortlich, sondern auch für das des Personals.

Gab es Phasen, in denen die Schutzkleidung knapp war?

Nein, wir hatten zu jedem Zeitpunkt genügend Schutzmasken, Gesichtsvisiere, Handschuhe und alles, was man zum Infektionsschutz sonst noch braucht. Von der Firma Tyczka haben wir zum Glück eine größere Spende an FFP-2-Masken bekommen. Weil wir aber aufgrund der veränderten Logistik Angst vor Engpässen und italienischen Verhältnissen hatten, haben wir die Mitarbeiter trotzdem angewiesen, die vorhandene Schutzkleidung so sparsam wie möglich zu tragen. Das war aber alles hygienisch abgeklärt und entsprach den Empfehlungen des RKI.

Planbare Operationen mussten wochenlang verschoben werden. Wie ist die Situation jetzt?

Mit dem Eintreten des Katastrophenfalls mussten wir alle elektiven, also planbaren OPs absagen. Die werden jetzt sukzessive nachgeholt. Dabei stehen natürlich diejenigen Patienten an erster Stelle, die einen großen Leidensdruck haben und die schon lange auf ihre OP warten.

Ging auch die Zahl der Notaufnahmen zurück?

Ja, aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und der Angst vor einer Ansteckung haben weniger Menschen die Notaufnahme aufgesucht. Die Zahl ging um etwa zwei Drittel zurück. Inzwischen sind wir noch nicht ganz auf dem alten Niveau, aber es geht wieder Richtung Normalität. Nach wie vor kommen Patienten, die Symptome haben oder Kontakt zu einem Infizierten, zunächst in einen Corona-Verdachts-Bereich und werden getestet.

Welche Schutzmaßnahmen gibt es bei neu aufgenommenen Patienten?

Bei planbaren OPs muss der Patient ein negatives Testergebnis nachweisen, das höchstens vier Tage alt ist, und er darf keine Symptome haben.

Stehen der Kreisklinik jetzt mehr Intensivbetten und Beatmungsmöglichkeiten zur Verfügung als vor der Pandemie?

Ja, die Schaffung zusätzlicher Intensivbetreuungsmaßnahmen wurde ja finanziell gefördert. Von den bestellten acht Beatmungsgeräten haben wir bisher aber nur drei bekommen. Auf den Rest warten wir noch.

Wurden die Besuchsmöglichkeiten wieder gelockert?

Wir bleiben vorerst bei unserer Regelung, dass zwischen 11 und 16 Uhr ein Besucher pro Patient kommen darf. Das werden wir entsprechend der aktuellen Situation anpassen.

Welche Lehren haben Sie für die Kreisklinik aus der Corona-Krise gezogen?

Zunächst einmal hat sich erwiesen, dass unser Gesundheitssystem gar nicht so schlecht aufgestellt ist. Auch in der Kreisklinik haben unsere Mitarbeiter zusammengestanden und sich in der Krise bewährt. Es hat sich aber auch gezeigt, dass durch die Globalisierung der Produktionsstätten Lieferengpässe entstehen können. Deshalb werden wir in Zukunft zum Beispiel mehr Schutzkleidung bevorraten.

cw

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