Kreisklinik Wolfratshausen
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Die Zukunft der Kreisklinik Wolfratshausen steht weiterhin in den Sternen. Landrat Josef Niedermaier möchte einen „strategischen Partner“ ins Boot holen.

Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH bekundet Interesse

Kreisklinik Wolfratshausen: Potenzieller Partner stellt knallharte Bedingung

  • Carl-Christian Eick
    VonCarl-Christian Eick
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  • Sebastian Tauchnitz
    Sebastian Tauchnitz
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Landrat Niedermaier will einen „strategischen Partner“ für die Kreisklinik Wolfratshausen suchen. Ein Interessent hebt jetzt die Hand - stellt aber eine knallharte Bedingung.

Weilheim-Schongau/Wolfratshausen – Es ist kein Geheimnis, dass die Bundesregierung ein Problem mit den kleinen Krankenhäusern auf dem Land hat. Genau jenen Kliniken, die während der Corona-Pandemie von unschätzbarem Wert waren, und die doch immer mehr Probleme haben zu überleben. Jüngstes Sorgenkind ist die Kreisklinik Wolfratshausen, der Träger ist der Landkreis. Und der stellt unter dem Motto „Künftige Gesundheitsversorgung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen“ unter anderem die Zukunft der Kreisklinik in Frage.

Das mehrheitlich formulierte Ziel des extra eingesetzten Lenkungsausschusses: „Der Landkreis wird einen Träger/Betreiber von Krankenhäusern suchen, der gewillt und geeignet ist, operative und strategische Verantwortung bei Führung und Betrieb der Kreisklinik Wolfratshausen gGmbH zu übernehmen (einschließlich ggf. Übernahme Mehrheitsanteil).“ Das Grundstück und die Gebäude am Moosbauerweg „verbleiben dabei im zivilrechtlichen Eigentum des Landkreises. Die Interessen und Belange des Landkreises, der Arbeitnehmer und der Landkreisbevölkerung bleiben gewahrt und werden gefördert“. Zwar hat der Kreistag auf Vorschlag von Landrat Josef Niedermaier (in Personalunion Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kreisklinik) die Suche nach einem „strategischen Partner“ zwischenzeitlich auf Eis gelegt, vom Tisch ist das Thema aber nicht. Und einige Krankenhausbetreiber im Umkreis grübeln, ob man sich in Wolfratshausen engagieren möchte.

Aufgrund der mangelhaften finanziellen Ausstattung haben wir in Wolfratshausen eine Klinik ohne Konturen, die keine medizinischen Highlights und keine Alleinstellungsmerkmale anzubieten hat.“

Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH

Auch bei der Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH? Deren Geschäftsführer Thomas Lippmann spricht erstaunlich offen über das Thema: „Es hat uns bisher noch niemand gefragt. Aber wenn eine entsprechende Anfrage aus Bad Tölz kommt, werden wir das genau prüfen.“ Lippmann betont: „Fakt ist, dass das, was in Wolfratshausen passiert, ein Beispiel für die Politik des Bundes ist, der alles daran setzt, kleine Krankenhäuser finanziell unter Druck zu setzen.“ Die Situation sei ähnlich derjenigen, die er vor sieben Jahren vorfand, als er Geschäftsführer in Weilheim und Schongau wurde. „Das Krankenhaus wurde in den vergangenen Jahren schwachgespart“, so Lippmann.

Das Ergebnis seiner Ferndiagnose: „Aufgrund der mangelhaften finanziellen Ausstattung haben wir in Wolfratshausen eine Klinik ohne Konturen, die keine medizinischen Highlights und keine Alleinstellungsmerkmale anzubieten hat.“ Der Landkreis habe versäumt, kräftig zu investieren, um das Krankenhaus in der Loisachstadt zukunftsfähig aufzustellen.

Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH zu Gesprächen bereit

Genau das wäre der Vorschlag, den Lippmann dem Nachbar-Landkreis unterbreiten würde: Wenn gewünscht, würde die Krankenhaus Weilheim-Schongau GmbH in Wolfratshausen einsteigen, „um die Kommunalität in der Region zu stärken“. Sprich, um zu verhindern, dass sich private Träger wie Asklepios, der schon das Krankenhaus in Bad Tölz betreibt, weiter ausbreiten. Dazu bedürfe es allerdings eines klaren Bekenntnisses des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen: „Die starke medizinische Entwicklung im Landkreis Weilheim-Schongau hat einzig allein der Landkreis ermöglicht“, lobt Lippmann. Daher gelte auch in Wolfratshausen: Es gehe darum, das bestmögliche medizinische Angebot umzusetzen. Und wenn dann am Ende des Jahres keine schwarze Null oder ein Gewinn steht, springt der Landkreis ein und übernimmt das Minus, so seine simple Rechnung.

Im Landkreis Weilheim-Schongau schießt der Kreis Jahr für Jahr zwischen 7,5 und 10 Millionen Euro zu – zuzüglich einer Investitionskostenpauschale von rund fünf Millionen Euro pro Jahr. Die Kreisklinik Wolfratshausen machte laut Landrat Niedermaier seit 2013 summa summarum zehn Millionen Euro Verlust. Nicht zu vergessen: Seit 2018 betreibt das Klinikum Starnberg die Geburtshilfe in der Kreisklinik, der Landkreis hat den Starnbergern einen jährlichen Defizitausgleich von bis zu 1,5 Millionen Euro zugesagt.

Verkauf der Penzberger Klinik „war der größte Fehler“

Fürchtet Lippmann aufgrund seines Vorstoßes Kritik aus dem Penzberger Raum? Schließlich hat der Landkreis vor rund zehn Jahren das Krankenhaus Penzberg an das Klinikum Starnberg verkauft – und nun will man sich stattdessen in Wolfratshausen engagieren? „Der Verkauf von Penzberg war der größte Fehler, den man machen konnte“, sagt Lippmann. Das sei vor seinem Dienstantritt über die Bühne gegangen, „ich hätte dringend davon abgeraten“. Die Konsequenzen könne man jetzt schon sehen: Das Krankenhaus in Penzberg habe nach dem Verkauf an Starnberg mittlerweile Investitionsbedarf, der Landkreis Weilheim-Schongau habe aber im Kaufvertrag festschreiben lassen, dass es bei Investitionen am Standort Penzberg keine Zuschüsse gibt – die müssten vom Klinikum Starnberg übernommen werden.

Über kurz oder lang könnte das zum Problem für Penzberg werden, so Lippmann. Denn das Wettbewerbsumfeld mit den Krankenhäusern in Weilheim, Starnberg, Bad Tölz, Wolfratshausen und Murnau sei extrem hart. Das wiederum sieht der Geschäftsführer des Klinikums Starnberg, Dr. Thomas Weiler, anders: „Das Krankenhaus in Penzberg läuft sehr gut.“ 4000 Patienten seien im vergangenen Jahr in dem 100-Betten-Haus betreut worden. „Das ist eine recht gute Auslastung, die übrigens über der in Weilheim und Schongau liegt“, so Weiler. Und weiter: „Als wir vor etwa zehn Jahren Penzberg vom Landkreis Weilheim-Schongau übernommen haben, waren die Operationssäle in einem katastrophalen Zustand.“ Seither habe man etwa 15 Millionen Euro in den Standort Penzberg gesteckt, allein 10,5 Millionen Euro seien für die Sanierung der OPs geflossen.

„Wir wollten den Vormarsch der privaten Träger verhindern“

Die Entscheidung für Penzberg sei eine strategische gewesen, blickt der Geschäftsführer des Klinikums Starnberg zurück. Weiler: „Wir wollten den Vormarsch der privaten Träger verhindern. Und das ist auch weiterhin unser Ziel.“ Aus diesem Grund beobachte man die Entwicklungen in Sachen Kreisklinik Wolfratshausen sehr genau. Weiler wörtlich: „Wenn diese am Ende an Asklepios gehen würde, wäre das ein Fehdehandschuh in unsere Richtung, den wir nicht unbeantwortet lassen würden.“ Er verweist in diesem Kontext auf die Kooperation in Sachen Geburtenstation in Wolfratshausen.

„Wir behaupten uns gut im Wettbewerb in der Region, die Konkurrenz aus Weilheim ist nicht allzu schlimm“, urteilt der Klinik-Geschäftsführer. Zudem hätten die Penzberger einen großen Einzugsbereich – sehr viele Patienten aus Geretsried würden nach Penzberg kommen, statt sich im nur wenige Kilometer entfernten Wolfratshausen behandeln zu lassen. Diese Tatsache blieb auch der Unternehmensberatung Vicondo Healthcare GmbH nicht verborgen. In der unter Verschluss gehaltenen Analyse, die die Berliner im Auftrag des Landkreises durchgeführt hatten und die unserer Zeitung vorliegt, findet sich der Satz: „Die Kreisklinik Wolfratshausen verliert seit Jahren Fälle und Erlöse in einem zunehmend stagnierenden und kompetitiven Marktumfeld.“

Kreisklinik schöpft „Marktpotenzial“ bei Weitem nicht ab

Die Unternehmensberater haben recherchiert: Das Gros der Patienten, die die Einrichtung am Moosbauerweg nutzen, stammt aus dem Norden des Landkreises. 35 Prozent kommen aus Geretsried, gut 29 Prozent aus Wolfratshausen, knapp fünf Prozent aus Egling, 3,7 Prozent aus Eurasburg, dazu kommen Patienten aus München (3,4 Prozent), Icking (2,6), Münsing (2,4) sowie aus der Gemeinde Dietramszell (2,2). Fazit: Das gesamte „Marktpotenzial“ im Landkreis, gemeint sind Patienten, betrug 2019 laut Vicondo 20 674 Männer, Frauen und Kinder. Nur etwas mehr als ein Viertel von ihnen (26,4 Prozent) entschied sich für eine Behandlung in der Kreisklinik. Ein Fakt, auf den Landrat Niedermaier in den kontroversen Diskussionen über die Zukunft der Kreisklinik immer wieder hingewiesen hat.

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