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Luxus pur: Teure Parfums üben auf junge Mädchen teilweise große Wirkung aus. Eine Wolfratshauserin landete deshalb kürzlich vor Gericht. 

Es ging um teures Parfum

Krumme Tour in der Drogerie: Wolfratshauserin (19) zu Sozialstunden verurteilt

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Weil sie als Verkäuferin in einem Drogeriemarkt  Luxusartikel ein krummes Ding gedreht hat, wurde eine Wolfratshauserin (19) vom Amtsgericht zu Sozialstunden verurteilt. 

Wolfratshausen– Einen vermeintlich pfiffigen Plan hatten zwei junge Frauen ausgeheckt, um günstig an hochpreisige Kosmetikartikel zu kommen. Eine Wolfratshauserin (19) manipulierte die Kasse einer Münchner Parfümerie, in der sie als Verkäuferin jobbte. Eine Freundin (18) aus München agierte als Kundin. Für die 15 Artikel, die sie durch die Kasse schob, wären regulär 609 Euro zu zahlen gewesen, auf dem Kassenzettel standen jedoch nur 22,21 Euro. Die „Kundin“ kam damit jedoch nur bis zur Ladentür. Vier Monate später mussten sich die Damen vor dem Amtsgericht wegen Computerbetrugs sowie Diebstahls in Mittäterschaft verantworten.

Die Aktion war gründlich in die Hose gegangen. Einem anderen Verkäufer war nicht entgangen, dass die Kollegin an der Kasse etwas gestresst hantierte. Deshalb wurde die „Kundin“ noch vor dem Verlassen des Geschäfts aufgehalten. In ihrer Tasche fanden sich neben den 15 Parfüms und Cremes, die auf dem Kassenbon standen, noch drei weitere Artikel, die sie in der Hektik übersehen hatte.

„Es war ein großer Fehler“, zeigte sich die Münchnerin reuig. „Das waren alles Luxusartikel, eigentlich war das völlig sinnlos“, räumte die Wolfratshauserin ein. „Aber wir sind junge Mädels, man denkt, man braucht das.“ Das Prozedere an der Kasse sei einfach gewesen. Weil viele Produkte der Parfümerie online billiger angeboten würden als im Geschäft, bestehe die Möglichkeit, die Preise „runterzuscannen“. So könne von der Kassiererin händisch quasi jeder beliebige Preis eingegeben werden.

Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch hielt den Damen vor: „Wenn man die Mittel dazu nicht hat, muss man auf Luxusgüter verzichten. Deshalb fährt die Jugendgerichtshilfe keinen Ferrari.“ Als Ahndungsvorschlag empfahl er für die bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getretene Münchnerin 40 Stunden Sozialdienst. Für die Wolfratshauserin, die schon einmal wegen Schwarzfahrens mit dem Jugendgericht zu tun hatte, hielt er 100 Stunden für angemessen.

Lesen Sie auch: Andrea Titz verlässt das Amtsgericht Wolfratshausen

Richterin Friederike Kirschstein-Freund folgte dem Vorschlag der Jugendgerichtshilfe und stellte in Aussicht, dass Verfahren einzustellen, falls die Angeklagten ihre Sozialstunden fristgerecht ableisten. „Andernfalls sehen wir uns hier wieder, und dann gibt es für Sie auf jeden Fall Arrest“, gab die Richterin der Wolfratshauserin mit auf den Weg. 

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