+
Zilla Fagner, die Seniorchefin des traditionsreichen Gasthaus‘ Humplbräu in Wolfratshausen, ist im Alter von 83 Jahren verstorben.

Seniorchefin des Humplbräu verstorben

„Kumm hoam“: Wolfratshausen trauert um Vollblutwirtin

  • schließen

Sie war Vollblutwirtin und die erste Stadträtin in den Reihen der Wolfratshauser CSU: Zilla Fagner ist im Alter von 83 Jahren verstorben.

Wolfratshausen – Das Laufen fiel Zäzilia „Zilla“ Fagner in den vergangenen Wochen zunehmend schwerer. Doch mit eisernem Willen und stets lächelnd stieg sie die 70 Stufen zwischen ihrem Wohnhaus und dem Gasthaus Humplbräu hinab und wieder hinauf. Herzlich begrüßte die Seniorchefin die Gäste an den Tischen, erkundigte sich nach deren Wohlbefinden und hakte natürlich nach: „Hat’s gemundet?“ 

Hier und da blieb Zeit für einen Plausch über die Geschehnisse, die sich in der Flößerstadt zugetragen haben – oder sich mutmaßlich bald ereignen werden. Nicht nur die treuen Stammtischbrüder werden sie nun vermissen: Zilla Fagner ist am Dienstag im Alter von 83 Jahren in der Wolfratshauser Kreisklinik verstorben.

„Vollblutwirtin“: Dieser Begriff sei für ihre Schwiegermutter erfunden worden, sagt Luxi Fagner. Ja, pflichtet Humplbräu-Wirt Otmar Fagner seiner Frau bei, „die Mutter war ein Original“.

Zilla Fagner begann mit 14 Jahren als Biermadl

Zilla Fagner erblickte am 15. Juni 1936 in Taufkirchen das Licht der Welt. Als sogenanntes Biermadl kam sie als 14-Jährige in München mit der Gastronomie in Berührung. 1951 erfuhr sie durch eine Zeitungsanzeige, dass in Wolfratshausen, beim heute nicht mehr existierenden Gasthaus „Perras“ an der Sauerlacher Straße, eine Mitarbeiterin gesucht wird. Sie pendelte fortan mit der Bahn in die Loisachstadt – und es dauerte nicht lange, bis Gastronom Ludwig Fagner auf die fesche junge Dame aufmerksam wurde. 1956 gaben sich die beiden das Ja-Wort, aus der Ehe gingen zwei Kinder, Marlene und Otmar, hervor. 1962 übergaben die Wirtsleute Magdalena und Johann Fagner dem jungen Ehepaar das traditionsreiche Wirtshaus in der Altstadt.

Die Arbeit in der Gastronomie war und ist kein Zuckerschlecken. Seine Mutter – Vater Ludwig starb 2003 – habe „von früh bis spät in der Nacht gearbeitet“, sagt ihr Sohn. Für ihn, Otmar, und seine Schwester Marlene hatte die Mama häufig nur wenig Zeit. Doch es gab Rituale: Jeden Abend am Kinderbettchen ein gemeinsames Gebet, ein zärtliches Streicheln über die Köpfchen – und Zilla Fagner eilte wieder in die Küche oder den Schankraum des Familienbetriebs.

Die Wirtin trug ihr Herz auf der Zunge

„Ja, sie trug ihr Herz auf der Zunge“, stellt Otmar Fagner mit einem Lächeln fest. Seine Mutter habe stets gesagt, was sie denkt. Auch im hohen Alter nahm Zilla Fagner, 1984 die erste Frau in den Reihen der Wolfratshauser CSU-Stadtratsfraktion, kein Blatt vor den Mund. „Sie hat sich akribisch auf einem Zettel notiert, was sie dem Bürgermeister bei nächster Gelegenheit sagen will“, erzählt Luxi Fagner. Jeder, der die Verstorbene kannte, weiß: Zilla Fagner hat’s dem Rathauschef gesagt. Unverblümt.

Termin für Beerdigung steht fest

Bis zur letzten Minute ihres Lebens war die Seniorchefin des Humplbräu geistig fit. „Das war ein großes Geschenk“, betonen Luxi und Otmar Fagner. Das Scheiden von dieser Welt haben die zwei sowie Zillas Tochter Marlene und ihr Mann Hans Gartner in dem Text für die Traueranzeige so formuliert: „Ois da Herrgott g’seng hod, dass da Weg z’lang, der Berg z’hoch und as Schnaufa z’schwer worn is, hod a sein Arm um die g’legt und g’sogt: ,Kumm hoam!’“

Zilla Fagner hinterlässt ihre zwei Kinder und deren Ehepartner, sechs Enkel und zwei Urenkel. Die Beerdigung findet am Dienstag, 4. Februar, um 10.30 Uhr auf dem Friedhof in Nantwein statt. An diesem Tag ist das Humplbräu geschlossen. cce

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trotz Corona-Krise: Arbeiten im Eisstadion laufen weiter
„Viele haben sich mit uns gefreut“, sagt Rico Lewald. Der Stadion-Chef und die Stadt sind mit der abgelaufenen Übergangssaison und dem Stand der Arbeiten im umgebauten …
Trotz Corona-Krise: Arbeiten im Eisstadion laufen weiter
Industrieausstellung im Geretsrieder Kunstbunker geplant 
Der Arbeitskreis Historisches Geretsried hat heuer ein großes Programm: Unter anderem arbeitet er an einer neuer Publikation und einer Ausstellung.
Industrieausstellung im Geretsrieder Kunstbunker geplant 
Corona-Krise: Wolfratshausen stundet Gewerbemiete
Der Bürgermeister appelliert in einer Videobotschaft an die Solidarität der Wolfratshauser. Die Stadt geht mit gutem Beispiel voran.
Corona-Krise: Wolfratshausen stundet Gewerbemiete
Kaffeeklatsch statt Party: Geretsrieder feiert 18. Geburtstag zu Hause
Auf eine große Party zum 18. Geburtstag musste der Geretsrieder Simon Hammerschmied wegen dem Coronavirus verzichten. Eine tolle Überraschung gab‘s an seinem Ehrentag …
Kaffeeklatsch statt Party: Geretsrieder feiert 18. Geburtstag zu Hause

Kommentare