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Zerstört und in die Loisach geworfen: Die Bronzefigur „Der Saxophonist“ von Horst Wendland wurde während der zweiten Wolfratshauser Kunstmeile 2010 das Opfer von Vandalen.

Diese Fälle gab es zuletzt

Vandalismus: Gefährliches Pflaster für die Kunst

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Der Diebstahl zweier Hans-Kastler-Skulpturen im März, Josef Öttls „Oktaeder“ im September und die umgestürzte Brunnenfigur vom Karl-Lederer-Platz im November – das ist die traurige Vandalisbilanz an Kunstwerken 2015 - und noch lange nicht alles.

Wolfratshausen ist ein gefährliches Pflaster für Kunstobjekte im öffentlichen Raum. Denn eigentlich nehmen die Vandalismusvorfälle schon im Jahr 1990 mit der Brückenfigur „Maria mit Kind“ ihren Anfang. Damals erschafft der Penzberger Bildhauer Anton Ferstl die Bronzeskulptur einer selbstbewussten jungen Frau im kurzen Kleid mit munterem Kleinkind. Schon bald hagelt es die ersten Proteste aufgrund der ungewohnten Darstellung. Die Plastik wird als „Dirne“ und „Strandmieze“ diffamiert. Das Jesuskind als „schreckliche Missgeburt“ bezeichnet. Es werden Unterschriften gesammelt und Innenminister Dr. Edmund Stoiber und Ministerpräsident Max Streibl gebeten, einzuschreiten. Die Kontroverse spitzt sich zu, als die Figur über Nacht beschädigt und in die Isar geworfen wird – Sachschaden umgerechnet 15 000 Euro. Seither fristet die restaurierte Statue ein Nischendasein am westlichen Isarufer.

Zielscheibe von roher Gewalt

Fast zwei Jahrzehnte lang tut sich in Sachen Vandalismus an Kunstwerken nichts nennenswertes in der Loisachstadt. Erst zur 1000-Jahr-Feier haben es unbekannte Kunstbanausen auf eine arme Sau abgesehen. Einem Bronzeschwein des Mooseuracher Bildhauers Otto Süßbauer, das aufrecht am Sebastianisteg steht, werden die beiden Standbeine abgebrochen. Die Skulptur ist Bestandteil der ersten Wolfratshauser Kunstmeile „Mille Wor“ im Jahr 2003. Auch einige andere Kunstgegenstände im öffentlichen Raum werden während der „Mille Wor“ zur Zielscheibe von roher Gewalt.

Weiter geht’s mit der Zerstörungswut in Sachen Kunst erst wieder im Jahr 2009. Mit seiner eindringlichen, plakativen Bilderschau „Kein Frühling für Faschisten“ auf dem Sebastianisteg warnt der Ammerlander Künstler Gerhard Beham vor den Gefahren des Faschismus. Das Ende vom Lied: Zahlreiche seiner Plakate finden sich als Fetzen im Gebüsch oder nahe der Loisach wieder. Die damalige Dritte Bürgermeisterin Christine Noisser erstattet Strafanzeige.

Nicht zu retten: die „Vater-unser-Säule“ von Otto Süßbauer wurde ebenfalls in der Loisach versenkt.

Der Vandalismus erreicht erst mit der zweiten Wolfratshauser Kunstmeile im September 2010 seinen Höhepunkt: Die „Vater-unser-Säule“ des Mooseuracher Bildhauers Otto Süßbauer sowie die beiden Figuren die „Welle“ von Philip Hönicke und „Der Saxophonist“ von Horst Wendland fallen der mutwilligen Zerstörung von Unbekannten zum Opfer. Zwei der drei Kunstwerke werden zerstört in der Loisach gefunden – ebenso wie der „Oktaeder“ von Josef Öttl, der im Vorfeld der diesjährigen Kunstmeile als der „Hingucker“ galt. Auch dem „Sporty Dancer“ von Philip Hönicke, der im Rahmen der Kunstmeile 2014 vor der Loisachhalle aufgestellt wird, ergeht es nicht besser: Auch er wird von Unbekannten des nächtens demoliert. Vandalen reißen ihm einen Edelstahlarm ab.

Auch "Röschen Dorn" verschwindet

Anders ist es im Fall der Installation „Röschen Dorn“ mit dem Untertitel „Schlafstadt Wolfratshausen“. Gut eine Woche ist im Jahr 2013 die rothaarige Schaufensterpuppe, die in einem Holzbett liegt, das Stadtgespräch. Der Künstler Maximilan Fenzl aus Königsdorf hatte sie vor dem Wirtshaus Flößerei aufgestellt. Dann – plötzlich über Nacht – verschwindet der Stein des Anstoßes. Bis heute gibt es keinerlei Hinweise zum Verbleib von „Röschen Dorn“.

In Trümmern: eine der Wasserträgerinnen, die im Trio auf dem Karl-Lederer-Platz in Geretsried stand.

Ein weiterer Kunstfrevel ereignet sich im März dieses Jahres am Skulpturenpark des renommierten Eurasburger Bildhauers Hans Kastler: Von seinen 19 aufgestellten Bronze- und Steinfiguren fehlen über Nacht zwei. Auch sie sind bis heute nicht mehr aufgetaucht. Und auch der jüngste Fall der umgestürzten Brunnenfigur auf dem Karl-Lederer-Platz in Geretsried ergab bislang keinerlei Hinweise. Dem Künstler Josef Öttl aus Wegscheid konnten immerhin rund 1200 Euro „Schmerzensgeld“ für seinen kaputten „Oktaeder“ überreicht werden – gespendet von der Stadt Wolfratshausen, der LAW sowie von zahlreichen mitfühlenden Künstlerkollegen.

von Roswitha Diemer

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