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Beeindruckendes Akustik-Konzert: Der starke Auftritt von Nick Flade (li.) und Stefan Weyerer hätte mehr Besucher verdient gehabt.

Weltverbesserer mit energischem Groove im D'Amato

Kupfer! und Do I smell cupcakes trotzen Mini-Kulisse

Wolfratshausen – Herausragende Musiker, kaum Interesse beim Publikum: Die Bands Kupfer! und Do I smell cupcakes lockten nur wenige Besucher in die Musikbar D'Amato.

Es scheint zum Verzweifeln: Trotz eines umfangreichen Vorberichts in einer renommierten Tageszeitung und euphorischer CD-Kritiken in einschlägigen Fachmagazinen verloren sich am Samstagabend weniger als zehn zahlende Gäste beim Konzert der Münchner Band „Kupfer!“. Wären nicht zudem vier Musiker der Berliner Formation „Do I smell cupcakes“ angereist, hätte man das Konzert auch in einem kleinen Wohnzimmer veranstalten können.

Doch Gitarrist Stefan Weyerer und Pianist Nick Flade von „Kupfer!“ nahmen’s mit Humor und präsentierten zunächst einen kompakten 40-minütigen Gig, der in seinen besten Momenten an Hamburger Bands wie „Fink“ oder „Kettcar“ erinnerte. Schon beim zweiten Song „Zug nach Donezk“ animierte der „Kupfer!“-Sänger die wenigen Zuhörer zum Mitklatschen. „Ja, wir wollen die Welt mit unseren Texten verbessern. Aber wir wollen es mit einem energischen Groove unter den Füßen tun“, räumte Weyerer ein.

Mit dem danach folgenden „Lametta-Bungee“ forcierte das Duo das Tempo noch einmal, ehe Weyerer mit den beiden Liebesliedern „Der Tor und das Mädchen“ und „Hamburg, Frühling im Herz“ etwas ruhigere Töne anschlug. Der musikalische und textliche Bezug zur norddeutschen Hafenmetropole taucht auch in anderen „Kupfer!“-Songs auf.

Einer in Hamburg lebenden Zuhörerin, die einen Abstecher nach Wolfratshausen machte, gefiel das besonders. Dass schon nach etwas mehr als einer halben Stunde die erste und einzige Zugabe zu hören war, bedauerte aber nicht nur sie. Denn die hervorragende aktuelle CD „Der fette Tanz des Lebens“ und das Frühwerk von Stefan Weyerer, der schon in diversen Bands mitmischte und einmal sogar einen Preis der Hamburger Stimmakademie gewann, hätte weitaus mehr Material hergegeben.

So überließ das Duo noch vor Sonnenuntergang der Berliner Gruppe „Do I smell cupcakes“ die Bühne. So gewöhnungsbedürftig wie der ungewöhnliche Bandname, der einem Zitat der Zeichentrickfigur Homer Simpson aus der Erfolgsserie „The Simpsons“ entstammt, war auch die Show von Sänger Can Monarc. Der äußerlich stark an den jüngst verstorbenen Musiker Prince erinnernde Frontmann sprang wie ein Derwisch über die Bühne und nippte zwischendurch immer wieder an seiner Colaflasche.

Fazit: Ein derart abwechslungsreiches Doppelkonzert hatte man im D’Amato schon lange nicht mehr gehört. Den Veranstaltern Michel Amato und Christoph Bühring-Uhle gebührt das Verdienst, dass sie das Konzert trotz der sich abzeichnenden geringen Nachfrage nicht abgesagt haben. Bei Konkurrenzveranstaltern heißt es in solchen Fällen meist nur schlicht: „Auftritt muss wegen Krankheit entfallen.“

von Peter Herrmann

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