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Ein Jahr Arbeit umsonst? Trainer Nabil Habboubi hat die VSG-Volleyballer in die Relegation geführt. Doch diese fällt aus.

Volleyball

Landesliga-Aufstieg: VSG-Volleyballer hängen in der Luft

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Nach der abgebrochenen Bezirksliga-Saison hatte die VSG Isar-Loisach gehofft, auch ohne eine gewonnene Relegation  am grünen Tisch aufsteigen zu dürfen. Doch momentan sieht es so aus, als würde der Bayerische Volleyballverband anderen Vereinen den Vorzug geben.

Wolfratshausen – Man hat die VSG Isar-Loisach in den vergangenen zwei Wochen auf brutale Weise gequält. Erst diese Nachricht, die Hoffnung verbreitete: Der Spielerpass des Neuen traf ein. Alexander Beck (32), vormals Steller beim Drittligisten TSV Friedberg und zuletzt Spielertrainer beim TSV Aichach (Kreisliga), trainiert seit zwei Monaten mit dem Team, gehörte in der Jugend zur Bayernauswahl. „Nochmals eine Verstärkung“, sagt Teammanager Bernhard Wilhelm im Hinblick auf die Relegation.

Ein paar Tage danach übermittelte der Verband ein weiteres Schreiben, ein elektronisches. Die Lösung, die die Funktionäre im Zuge der Coronakrise erarbeitet und an die Vereine von der Regionalliga bis zur Kreisklasse verschickt haben, mag nett gemeint gewesen sein. Sie sieht viele Aufsteiger in ganz Bayern vor. Auch solche, die gar nicht damit gerechnet haben. Verkürzt ausgedrückt darf jeder nach oben, der – theoretisch – noch aufsteigen könnte. Nur ein kleines Grüppchen benachteiligt die Regelung grob: Vereine, die sich für die Relegation qualifiziert haben, aber nicht mehr Erster werden können. Ihnen verwehrt der Verband den Aufstieg und sendet eine symbolische Botschaft: „Pech gehabt.“ Zu ihnen zählt Isar-Loisach, Zweiter der Bezirksliga Ost Bezirk Oberbayern. Wilhelm, und der spricht die Enttäuschung stellvertretend für Trainer Nabil Habboubi, für die ganze Mannschaft, ja den ganzen Verein aus: „Wir haben die volle Arschkarte gezogen.“

Bernhard Wilhelm (Teammanager der VSG Isar-Loisach)

Der Weg in die Landesliga scheint verflucht. Wie anders sollte man sich diese Lkw-Ladung an Pech noch erklären? Zweimal in drei Jahren scheiterte die VSG in der Relegation. Bei beiden Turnieren fielen je zwei Stammkräfte aus. Voriges Jahr, ganz bittere Geschichte, befiel die Männer kurz vor dem Satzball zum entscheidenden 3:1 über Niederviehbach II Hektik, Panik, Nervosität. Sie verloren noch 2:3, stiegen nicht auf. Wilhelm wusste nicht, ob sich das Team je von den Ereignissen erholen würde. „Ich hatte massive Angst.“ Doch die Spieler verdauten das erstaunlich gut, legten wieder eine gute Saison hin, schlugen als einziger Klub den neuen Meister Mühldorf II, die Über-Mannschaft mit den Top-Talenten aus der Schmiede von Ex-Nationalspieler Michael Mayer (55 Länderspiele). Jetzt die Botschaft des Grauens. „Wir hatten nicht nur Pest, wir hatten Pest und Cholera“, sagt Wilhelm über die vergangenen 36 Monate.

Nicht einmal die guten Kontakte haben sich ausgezahlt, die die Loisachtaler in der Szene pflegen. Wilhelm rief Petra Stumpf an, die Spielwartin des BVV. Lukas von Stülpnagel, der Mittelblocker, versuchte es bei Tom Gailer, Mitarbeiter der BVV-Geschäftsstelle. Auch Bezirksspielwart Sebastian König aus Bad Tölz bekamen sie ans Telefon. Doch die Antworten der Funktionäre glichen sich – teilweise bis aufs Wort. „Das war ein einstimmiger Beschluss, wohlwissend, dass die Relegation runterfällt“, sagt der Teammanager. Der Verein habe alles versucht, könne jetzt nur noch auf den guten Willen der Verbandsoberen hoffen.

Ein paar Geheimgänge in die zweigeteilte Landesliga öffnen sich womöglich noch. Sollte eine Gruppe weniger als neun Teams umfassen, „werden sie uns bevorzugt berücksichtigen“. Wie wahrscheinlich dieses Szenario ist, lässt sich noch nicht abschätzen. Bis Ende April zieht sich die Warterei auf jeden Fall hin. Der BVV hat eine Flut an Eintrittskarten für die Landesliga ausgehändigt. In Niederbayern zwei, darunter eine für den VC Eitting, den die VSG vorige Saison in der Relegation mit 3:0 „vom Feld gefegt“ hatte, wie Wilhelm sagt. Alleine im Bezirk Schwaben erhalten vier Klubs ein Aufstiegsrecht. Man könne nur an die Vernunft der Teams appellieren, auf den Sprung in die Landesliga zu verzichten, sagt Wilhelm. „Die fallen auf die Nase.“ Vor einem Jahr hat die VSG ein Vorbereitungsturnier beim Aufsteiger der Schwaben bestritten und den Wettbewerb – samt Erfolg über die Gastgeber – gewonnen. Außerdem schlugen die Volleyballer diverse andere Landesligisten. „Wir können da mithalten“, betont der Mannschaftsmanager.

Noch ein weiteres Türchen sehen die VSG-Spieler. Der Verband hat die Abgaben für höherklassige Vereine enorm erhöht: Startgebühr, Strafzahlungen für fehlende Jugendteams, solche Dinge eben. 80 Prozent mehr verlangt der BVV, hat Wilhelm erfahren. Von zwei Landesligisten hat er bereits vernommen, dass ihre Zahlungsmoral nicht die beste ist, ihre Lust auf ein weiteres Landesliga-Jahr stark gesunken ist. Die VSG würde bereitwillig einspringen. „Wir sind sofort dabei. Die Zahlung ist kein Thema, die wird gestemmt“, versichert Wilhelm.

Falls all die Mühen nicht belohnt werden, startet die VSG ihren nächsten Angriff zur neuen Saison. Ihr Sprecher hat bereits eine „Jetzt-erst-recht-Mentalität“ ausgemacht. Aktuell trainiert das Team gemeinsam via Internettelefon. Wilhelm betont: „Die Jungs haben echt Lust.“

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