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Um lange Sitzungen zu überstehen, werden in Münsing Gummibärchen gereicht. 

Auf das leibliche Wohl wird geachtet

Anders als im Bundestag: Hungern muss im Stadtrat niemand - Im Notfall helfen Gummibärchen

Im Deutschen Bundestag sind kürzlich zwei Politiker zusammengebrochen, wegen des dortigen Ess- und Trinkverbots. In den hiesigen Gremien ist für diesen Fall vorgesorgt. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Schwächeanfälle zweier Politiker im Bundestag haben kürzlich Debatten über die dortigen Arbeitsbedingungen angestoßen. In den hiesigen Stadt- und Gemeinderäten wird hingegen sehr genau auf das Wohl der Volksvertreter geachtet – speziell bei langen Sitzungen. Die gute Nachricht: „Neue Gemeinderäte brauchen keine Angst zu haben“, versichert Bürgermeisterin Leni Gröbmaier. Nach zwei Amtsperioden weiß die Dietramszeller Ratshauschefin, wovon sie spricht. Rund 70 Gemeinderatssitzungen hat sie in dieser Zeit geleitet. „Bisher hatte noch niemand Unterzucker“, verrät die 62-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Damit spielt die Dietramszellerin auf das Ess- und Trinkverbot im Berliner Plenarsaal an. Eine solche Einschränkung gibt es in Dietramszell nicht. Ganz im Gegenteil: Zur Stärkung der Ehrenamtlichen ist der Tisch im Rathaus reich gedeckt. Neben ausreichend Getränken gebe es eine Pause zwischen dem öffentlichen und dem nichtöffentlichen Sitzungsteil. „In dieser Zeit werden Butterbrezen und belegte Brote angeboten.“

In der Regel tagt der 20-köpfige Gemeinderat einmal im Monat von 19.30 Uhr bis 22.30 Uhr. „Manchmal müssen wir überziehen“, gibt die Bürgermeisterin zu. Anders als im Parlament haben die Sitzungsteilnehmer hier aber die freie Wahl. „Die Anwesenden müssen der Zeitüberschreitung zustimmen“, erklärt Gröbmaier. Für die Ehrenamtlichen sei das meist in Ordnung. „Verschieben heißt eben auch zusätzliche Zeit und Arbeit in der nächsten Sitzung“, weiß die Rathauschefin. Absehbare Verlängerungen werden aber meist im Vorfeld vermieden. „Bei Ortsterminen oder einem besonders straffen Zeitplan treffen wir uns einfach schon um 18 Uhr“, sagt Gröbmaier.

Ähnlich halten es die umliegenden Städte und Gemeinden. In Münsing leitet Bürgermeister Michael Grasl die Sitzungen. Zwar gibt es hier keine regelmäßigen Essenspausen, aber meistens „Gummibärchen von einer großzügigen Kollegin“, erzählt der Rathauschef und lacht. Bei längeren Sitzungen gibt es zur Stärkung zusätzlich Häppchen.

Um den Zeitplan macht man sich in Münsing ebenfalls keine Sorgen: „Die Sitzungen sind bei uns sehr straff geplant, dauern aber nie länger als bis 22.30 Uhr“, erklärt der 51-Jährige. Im Gemeinderat folgt man außerdem einer ganz besonderen Tradition: „Nach Sitzungsende geben Mitglieder, die Geburtstag hatten, häufig noch ein Feierabendbier aus“, verrät Grasl. Das sei – soweit es das Autofahren erlaube – der gemeinsame Ausklang der Ehrenamtlichen.

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Mit fast doppelt so vielen Mitgliedern muss sich der Geretsrieder Stadtrat mehr Gedanken um das zeitliche Limit machen. In der größten Stadt im Landkreis treffen sich die Gewählten bereits um 17 Uhr. Geschäftsleiterin Ute Raach zufolge ist um 21 Uhr Sitzungsende. „Wenn es zu viele Tagesordnungspunkte gibt, kündigen wir manchmal eine verlängerte Sitzung an“, erklärt die 46-Jährige. Dann müssen die Anwesenden bis 22 Uhr durchhalten.

„Spezielle Themen, wie das Hallenbad oder die Neue Mitte, erfordern auch mal eine Zusatzsitzung“, sagt die Geretsriederin. Solche Projekte würden sonst den Rahmen sprengen. „Insgesamt“, resümiert Raach, „läuft in Geretsried alles nach den Regeln, die in der Geschäftsordnung festgelegt sind“. Was sich nach wenig Spaß anhört, entlastet die Mitglieder. „Angestrengte Diskussionen erfordern Pausen“, betont die Geschäftsleiterin. Diese kleinen Auszeiten gebe es natürlich, genauso wie Müsliriegel, Süßigkeiten und Getränke für alle.

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Auch in Wolfratshausen folgt man solchen strikten Regeln. Bürgermeister Klaus Heilinglechner beruft die Stadträte regelmäßig von 18 bis 22 Uhr in das Rathaus ein. „Wenn die Sitzung bis 22 Uhr nicht zu Ende ist, wird sie getreu der Geschäftsordnung am nächsten Tag fortgeführt“, sagt Heilinglechner. Die Ehrenamtlichen werden vom Bürgermeister mit Keksen und Schokolade versorgt, Getränke seien ebenfalls selbstverständlich, betont der 52-Jährige. Vorfälle wie im Bundestag dürften sich in unserem Landkreis also nicht wiederholen. Michael Grasl resümiert: „Wir lassen niemanden zusammenklappen.“ Ehrenamt soll schließlich Spaß machen. Jonas Napiletzki

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