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Leidenschaftliche Feuerwerker: Enrico Enzmann und Ehefrau Silke aus Königsdorf.

Experten nennen es den „Greta-Effekt“

Bürger kaufen weniger Böller 

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Im Landkreis sind in den vergangenen Tagen spürbar weniger Feuerwerkskörper verkauft worden als früher. Die Branche führt das auf ein neues Umweltbewusstsein zurück. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wer immer im Landkreis Feuerwerk liebt, der kennt die Blumenstraße 39 in Geretsried. Hier verkauft Pyrotechniker Enrico Enzmann in den Tagen vor dem Jahreswechsel hochwertige Ware. „Wir haben viele Stammkunden, da sind auch echte Freaks dabei“, sagt Enzmann. Dennoch merkt er das, was Enzmann den „Greta-Effekt“ nennt. „Ich schätze, wir haben wegen der aktuellen Debatte um die zehn Prozent Einbußen.“ Seine Frau Silke, die im Verkauf steht, berichtet, dass manche Kunden heuer die Hälfte für Feuerwerk ausgeben und die andere Hälfte spendet.

Enzmann ist überzeugt, dass sich die Liebe zum Feuerwerk und zur Umwelt vereinbaren lassen. Er hat selbst eine der größten Solaranlagen in Königsdorf und ist Mitglied im Landesbund für Vogelschutz. Dennoch wird ihn von seiner Liebe zur farbenprächtigen Zündelei niemand so schnell abbringen. „In der Debatte wird oft vergessen, dass es die billigen Produkte sind, die den Feinstaub verursachen. Die teuren sind zum Teil nahezu feinstaubfrei.“ Und die Entwicklung sei noch längst nicht abgeschlossen. Wenn in China, wo die meisten Feuerwerkskörper hergestellt werden, festgestellt wird, dass es einen Bedarf an sauberen Produkten gibt, werde man dem sehr bald nachkommen. „Ich bin überzeugt, dass Feuerwerkskörper chemisch entschärft werden können, ohne dass die Effekte kaputt gehen.“ Die aktuelle Diskussion findet er ein wenig überzogen. „Man sollte sich den Spaß nicht total verderben lassen.“

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Den „Greta-Effekt“ hat man auch beim Hagebaumarkt am Tölzer Moraltpark zu spüren bekommen. Betreiber Georg Weniger stellt fest: „Im Zuge des Umweltbewusstseins ist die Nachfrage gesunken.“ Als Geschäftsmann wird er genau beobachten, was Bad Tölz in den nächsten Jahren plant. Denn wenn sie zum Jahreswechsel 2020/21 ein eigenes Feuerwerk für Bürger und Gäste veranstaltet, macht es wohl keinen Sinn, nächstes Jahr ein großes Sortiment anzubieten. Heuer, im möglicherweise letzten Jahr, sind besonders die so genannten Batterien beliebt, die nur einmal angezündet werden müssen, um 40, 60 oder noch mehr Raketen abzuschießen.

Ähnliche Überlegungen werden auch bei der BayWa an der Pfaffenrieder Straße in Wolfratshausen angestellt. „Heuer haben wir noch ein Sortiment da, ob es nächstes Jahr so sein wird, weiß ich nicht“, sagt der zuständige Mitarbeiter Christian Kerndl. Anfang des Jahres wird Bilanz gezogen – und dann entschieden, ob für das nächste Silvester noch Feuerwerkskörper geordert werden. Schließschlich beträgt die Vorlaufzeit für das Unternehmen ein Dreivierteljahr. Dass Feuerwerke hinterfragt werden, findet er als Privatmann legitim, wenn auch aus einem anderen Grund: „Ich bin bei der Feuerwehr, ohne Silvesterfeuerwerk gibt es da gleich weniger Einsätze.“

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Seit Rainer Knabner vom Lottogeschäft am Bahnhofplatz aufgehört hat, versorgt in Lenggries Andreas Zens von der Tankstelle Tölzer Straße die Leute mit allem, was sie für die Silvesternacht brauchen. Auch bei ihm sind die Batterien besonders beliebt. „Anzünden, zurücktreten und staunen“, sagt er. Die größte wiegt 13 Kilo und feuert weit über 100 Schuss in den Nachthimmel. Nachfragen wegen möglicher Umweltschädlichkeit hat er noch nicht zu hören bekommen.

Und die Enzmanns? Veranstalten ihr privates Feuerwerk. Neben Silvester feiern sie am 31. Dezember ihren Hochzeitstag. Die Umweltbelastung wird laut Enzmann verschwindend gering ausfallen, nicht nur wegen der speziellen Produkte, die sie verwenden. „Der Himmel wird klar sein“, sagt der Experte. „Da entwickelt sich viel weniger Feinstaub als bei Regen.“

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