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Umgesattelt: Der Wolfratshauser Raumausstatter Heiduk (li. Stefanie Will, re. Alina Heiduk) produziert jetzt auch Atemschutzmasken – in fröhlichen bunten Farben.

Akzeptanz in der Bevölkerung nimmt zu

Der Landkreis deckt sich mit Schutzmasken ein

  • Volker Ufertinger
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Eine Zeit lang wusste man nicht, wie man an Schutzmasken kommen soll. Doch das ist vorbei: Die Lieferengpässe scheinen überwunden - und so mancher hat eine kreative Idee.

Bad Tölz-Wolfratshausen Am Anfang war es ein kleiner Service für die Kunden: Wer beim Raumausstatter Heiduk in Wolfratshausen einen Vorhang bestellte, bekam einen Mundschutz aus demselben Stoff gratis dazu. Das hat sich offenbar herumgesprochen. „Inzwischen sind die Anfragen riesig“, erzählt Chefin Alina Heiduk. An die 400 farbenfrohe Masken sind in den vergangenen Wochen genäht worden. „Wir wollen dieser angespannten Situation etwas Farbe und Lebenslust verleihen“, sagt sie. Der Stoff ist Baumwolle. Er wird doppelt genäht und kann bei 60 Grad gewaschen werden. Die Kosten liegen bei zehn Euro, wovon ein Euro an das Rote Kreuz geht. Hier, an der Wolfratshauser Bahnhofstraße, wird das Schöne mit dem Nützlichen verbunden.

Gut denkbar, dass der Bedarf an Mundschutz in den nächsten Tagen und Wochen weiter steigt. Ministerpräsident Markus Söder hat der Bevölkerung am Donnerstag nochmals das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit dringend empfohlen. Damit liegt er ganz auf der Linie von Dr. Stephan Gebrande, Leiter des Gesundheitsamts Bad Tölz-Wolfratshausen. „Man verteilt mit einer Mund- und Nasenbedeckung die Tröpfchen schlichtweg weniger, wenn man hustet oder niest.“ Das hilft, das Coronavirus einzudämmen. Und je mehr sich daran halten, desto besser. Verwenden kann man laut Gebrande gewöhnlichen Baumwollstoff. Mit Anleitungen aus dem Internet kann man die so genannten „Community-Masken“ selbst nähen. „Die medizinischen Masken müssen dem Personal in der Versorgung von Patienten vorbehalten bleiben“, so Gebrande. Eines sollte trotz allem in keinen Fall vernachlässigt werden: „Wir alle müssen weiter auf zwei Meter Abstand bleiben und uns regelmäßig und gründlich die Hände waschen.“

Helmut Ratzeck von der Kurapotheke in Lenggries hatte anfangs wie viele seiner Kollegen Probleme, Masken zu besorgen. Die Zeiten sind gottlob vorbei, die Lieferengpässe sind weitgehend behoben. „Ein lokaler Hersteller ist an uns herangetreten“, berichtet er. „Meine Masken sind made in Lenggries.“ Die Exemplare, die Ratzeck anbietet, sind zweilagig, waschbar, wiederverwendbar und passen auf jeden Kopf. Der Preis liegt bei 14,75 Euro. „Mein Rat ist: Tagsüber tragen und abends waschen“, sagt Ratzeck. Das Thema Corona wird die Menschen nach seiner Einschätzung sicher bis ins Jahr 2021 beschäftigen. „Vorher werden kein Impfstoff und kein Medikament da sein“, vermutet er.

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Der sanfte Zwang zur Maske wird auch das Bild in den Supermärkten verändern – etwa bei Rewe in Wolfratshausen. Pressesprecherin Ursula Egger geht davon aus, dass „in nächster Zeit mehr Kunden als zuvor eine Maske tragen werden“. Wobei regelmäßige Besucher wissen, dass es zuletzt immer mehr geworden sind. Anders als in Österreich, wo eine gesetzliche Maskenpflicht besteht, wird in Bayern an den Eingängen der Supermärkte kein Mundschutz verteilt. Was die Mitarbeiter angeht, werden ihnen laut Egger ab nächster Woche OP-Masken und Gesichtsvisiere zur Verfügung gestellt. „Das Tragen wird freiwillig sein.“

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Inzwischen sind auch die vom bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger angekündigten Stoffe fürs Nähen von Mund- und Nasenbedeckungen im Landkreis angekommen. Pro Kommune wurden über das Landratsamt Pakete mit mindestens 50 Laufmetern ausgegeben – so auch nach Egling. Im aktuellen Gemeindeblatt ruft Bürgermeister Hubert Oberhauser Freiwillige auf, ehrenamtlich Masken zu nähen. Wer Interesse hat, möge sich per E-Mail an gemeinde@egling.de wenden. Der Rathauschef nutzt unter Berufung auf das Gesundheitsamt die Gelegenheit, daran zu erinnern, wie man Masken richtig trägt: Sie muss eng anliegend sein, auch über der Nase getragen werden und, ganz wichtig: Gewechselt werden, sobald sie durchfeuchtet ist. Das gilt für jede Art von Mundschutz. Sei er aus der Apotheke, selbst gemacht oder ein kleines, aber feines Modeaccessoire à la Heiduk. 

Mundschutz-Pflicht ab Montag (27. April): Wo gibt es Masken zu kaufen? Das Angebot in der Region im Überblick.

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