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Der Wolfratshauser Dienststellenleiter Andreas Czerweny hat im vergangenen Jahr den Fokus auf das Treiben in den Isarauen gelegt. 

Unruhe in den Isarauen, Trauer in der Geretsrieder Inspektion

So blicken die örtlichen Polizeichefs auf 2019 zurück

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Das Jahr 2019 war auch für die Polizeiinspektionen ein bewegtes. Wir haben nachgefragt, was sie im vergangenen Jahr besonders bewegt hat.

Wolfratshausen/Geretsried– Andreas Czerweny, Leiter der Polizeiinspektion in Wolfratshausen, muss nicht lange grübeln: „Was mich in 2019 besonders gefreut hat? Dass wir übers Jahr gesehen kaum verletzte Beamte und verletzte Mitarbeiter der Sicherheitswacht hatten“, antwortet der Erste Hauptkommissar. Zudem begeistere ihn die Teamarbeit der Kollegen, „das gegenseitige Helfen“, sagt der Dienststellenleiter.

In Erinnerung bleibt Czerweny der Fall eines vermissten Höhenkircheners im Oktober. Fieberhaft hatte ein Großaufgebot an Einsatzkräften nach dem 38-Jährigen aus dem Landkreis München gesucht. Der autistische Mann war zu einem Spaziergang am Deininger Weiher aufgebrochen, kehrte jedoch nicht wie vereinbart zurück nach Hause.

Der entscheidende Hinweis kam von zwei Beamtinnen der Polizeiinspektion Wolfratshausen, die laut ihrem Chef auf dem Weg zum Dienstsport waren. Ihnen war gegen Abend in der Pupplinger Au ein Fußgänger aufgefallen. Wie sich schnell herausstellte, war es der gesuchte Höhenkirchener. Der Rettungsdienst brachte den unterkühlten Mann in die Kreisklinik, nach der Versorgung konnte ihn sein Vater in die Arme schließen.

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„Vater und Sohn waren im Dezember bei uns in der Dienststelle“, berichtet Czerweny. Sie hätten sich noch einmal bei den Helfern bedankt. „Wenige Stunden vor unserer Weihnachtsfeier“, so der Hauptkommissar. Er habe diese Begegnung zum Anlass genommen, um am Abend im Kollegenkreis die rhetorische Frage in die Runde zu stellen: „Was ist richtig – und was ist wichtig?“

Apropos Pupplinger Au: „Hier haben wir heuer für Unruhe gesorgt“, stellt Cerweny mit einem zufriedenen Lächeln fest. In einer konzertierten Aktion zeigten Polizei, Bergwacht, Isar-Ranger und Sicherheitswacht in den als „Schnacksel-Treff“ verrufenen Isarauen in diesem Jahr verstärkte Präsenz. Die Folge: Der eine oder andere Übeltäter wurde erwischt, die Beschwerden der Bürger nahmen spürbar ab. „Wir werden 2020 an dem Thema dranbleiben“, kündigt Wolfratshausens Polizeichef an.

Gefreut haben ihn die positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung. „Dass jemand persönlich oder per Telefon Danke sagt, tut einfach gut“, gibt Czerweny zu. Was ihn dagegen wurmt, ist der raue Umgangston, den der eine oder andere Zeitgenosse an den Tag lege. „Manchmal ist es schon unverschämt, was sich meine Kollegen anhören müssen.“

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Franz Schöttl, Leiter der Geretsrieder Inspektion. 

Eine „Untugend“ sind in seinen Augen darüber hinaus die anonymen Anzeigen, die die Wolfratshauser Polizei erreichen. „Da wird manchmal Anzeige erstattet, weil der Nachbar angeblich hier oder dort widerrechtlich parkt.“ Czerweny würde sich wünschen, „dass die Menschen einfach mehr miteinander reden“. So ließen sich viele Probleme mutmaßlich ganz einfach aus der Welt schaffen – oder Probleme würden erst gar nicht zu Problemen.

Franz Schöttl, Leiter der Polizeiinspektion in Geretsried, hat heuer „der gute Zusammenhalt der Kolleginnen und Kollegen“ gefreut. Dazu geselle sich eine „hohe Motivation“, beides sei „nicht selbstverständlich“. Überschattet worden sei das Jahr vom Tod Andreas Gremlers. Der äußerst beliebte Beamte, der rund 30 Jahre in Geretsried seinen Dienst verrichtete, war im Alter von 57 Jahren im Oktober völlig überraschend gestorben (wir berichteten). „Das hat uns alle sehr getroffen und beschäftigt uns bis auf den Tag“, sagt Schöttl. Gremler war in der Inspektion für die Einsatzmittel verantwortlich und zudem Verkehrssachbearbeiter. Er hielt Kontakt zu Behörden, Gemeinden und Schulen. Vor allem die Schulwegsicherheit hatte der „Hightower“, wie der großgewachsene Beamte liebevoll genannt wurde, im Blick. Schöttl: „Er wusste enorm viel, war unwahrscheinlich gewissenhaft und zuverlässig.“

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