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Sturzbach: Aus dem Wolfratshauser Bergwald schossen Wasser, Schlamm und Geröll hinab in den Untermarkt. Zu größeren Schäden kam es nicht.

Murenabgang und überflutete Straßen

„Das Wasser kam schussartig“

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Bad Tölz-Wolfratshausen - So verheerende Folgen wie in einigen Regionen Niederbayerns hatte der Starkregen im Landkreis bislang nicht. Aber in Wolfratshausen und einigen umliegenden Gemeinden mussten die Einsatzkräfte am Wochenende mehrfach ausrücken.

In Wolfratshausen bereitete der Bergwald den Feuerwehrkräften die größten Sorgen und die meiste Arbeit. Vom heftigen Starkregen in den Nacht- und frühen Morgenstunden aufgeweicht, stürzte am Sonntag eine Mure den Berg hinab über den Birnmühlplatz in den Untermarkt. „Der Bergwald hat sich komplett vollgesogen, speziell beim Wasserreservoir“, erklärte Andreas Spohn, Kommandant der Wolfratshauser Feuerwehr, im Gespräch mit unserer Zeitung. „An der Frauenkapelle haben sich rund 15 Kubikmeter Geröll und Kies gelöst und sind am Untermarkt 47 runter.“ Mit Sandsäcken und Holzbierbänken versuchten die rund 40 Einsatzkräfte, die Wassermassen „in geordnete Bahnen“ (Spohn) zu lenken. Der Untermarkt musste am Sonntag von 10 bis 13 Uhr für den Verkehr gesperrt werden.

Kleine Kapelle bleibt unbeschädigt

Größere Schäden habe er vor Ort unmittelbar nicht feststellen können, sagte Spohn, nachdem sich gegen Mittag die Situation wieder einigermaßen normalisiert hatte. Die kleine, 1643 erbaute Kapelle, die 1845 um den westlichen Betraum ergänzt wurde, oder Fahrzeuge seien durch den Murenabgang nicht beschädigt worden. „In schätzungsweise fünf bis acht Keller ist teilweise Wasser reingelaufen“, berichtet Spohn. „Aber das haben die Besitzer überwiegend selbst wieder rausgeschafft.“

Ebenfalls für kurze Zeit gesperrt werden musste laut Spohn die Münsinger Straße hinauf zum Bergkramer Hof, weil dort an verschiedenen Abschnitten Kies ausgespült worden war.

Bereits am Freitagabend war die Wolfratshauser Wehr mit einem Fahrzeug zu einem Einsatz nach Peißenberg (Landkreis Weilheim-Schongau) gerufen worden. Gemeinsam mit Kameraden aus Geretsried und Bad Tölz habe man an einem Bach, der schon eine Woche zuvor übergelaufen sei, einen Sandsackverbau angebracht. „Aktuell gibt es wieder Katastrophenalarm im Kreis Weilheim-Schongau, aber heute haben wir genug damit zu tun, unsere eigene Stadt zu schützen“, so Andreas Spohn am Sonntag.

Münsinger Feuerwehr im Dauereinsatz

Sieben Einsätze zählte die Freiwillige Feuerwehr Münsing bis Sonntagmittag. „Vor allem am Bach in der Hacklgasse und am Kellererberg mussten wir verhindern, dass Wasser in die Keller läuft“, schilderte Kommandant Thomas Sellmeier die Lage. Vom Hauserweg war außerdem Kies auf die Hauptstraße gespült worden, weshalb die Attenkamer Straße bis zum Gasthaus Limm kurzzeitig gesperrt worden war. „Aber das läuft dort relativ gut ab“, nahm Sellmeier den Einsatz verhältnismäßig gelassen.

Nicht wirklich zum Lachen zu Mute war Günter Stroka-Gerer vom Gasthaus Gerer im Münsinger Ortsteil Ammerland. „Der Hof war komplett überschwemmt. Wir haben es im letzten Moment geschafft, größere Schäden zu vermeiden“, sagte der Gastwirt, für den solche Überschwemmungen nicht ungewohnt sind. „Das Wasser kam schussartig. Es hätte nicht viel gebraucht, und wir wären abgesoffen“, meinte Stroka, der als aktiver Feuerwehrmann anschließend mit der Ammerlander Wehr noch vier, fünf Einsätze hatte. „Dank der Feuerwehr haben wir hier Schlimmeres verhindern können“, so der Gastwirt. „Wer jetzt noch nicht kapiert hat, das wir dringend einen Hochwasserschutz brauchen...“

„Die Lage war angespannt, aber jederzeit unter Kontrolle“

„Die Lage war angespannt, aber jederzeit unter Kontrolle“: So lautet das Fazit von Münsings Bürgermeister Michael Grasl. „Unser Kreisbrandmeister Josef Limm hatte schon vor Monaten fast eine Vorahnung: Er ließ frisch befüllt Sandsäcke liefern, da die alten ausgehärtet und unbrauchbar waren. Diese Maßnahme war goldrichtig“, betonte der Rathauschef. Grasl bescheinigte den Gemeindefeuerwehren: „Sie haben vorbildlich gearbeitet.“

Einen entspannten Sonntag verbrachten die Feuerwehrkräfte in der größten Stadt im Landkreis. „Bei uns in der Stadt war alles ruhig, wir mussten nicht einmal ausrücken“, hieß es gegen Abend auf Nachfrage aus der Zentrale der Feuerwehr Geretsried.

Rudi Stallein und Carl-Christian Eick

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