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Auf dem Weg zur Dachsteinrunde: Gerhard und Gertrud Rottmeier waren heuer mit dem Radl im Salzkammergut unterwegs.

Rüstige Rentner

Warum Senioren so gerne auf Achse sind

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Sommerzeit ist Urlaubszeit: Das gilt auch für viele Senioren im Landkreis. Sie erkunden lieber die Welt als daheim zu bleiben. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Auf dem alten Römerweg die Alpen überqueren, mitten durch die Dolomiten, im Hintergrund schneebedeckte Gipfel: Dieses Abenteuer haben Gerhard (73) und Gertrud Rottmeier (70) vor ein paar Jahren selbst erlebt – und zwar auf dem Drahtesel. Seit etwa 25 Jahren unternehmen die Geretsrieder fast jedes Jahr Urlaubstouren mit dem Radl – am liebsten an Flussläufen entlang. „Wir haben noch nie eine geführte Tour gemacht“, sagt die ehemalige Finanzbeamtin stolz. Im Vorfeld jeder Reise erstellt das Paar einen groben Ablaufplan. Die Unterkünfte buchen sie spontan von Tag zu Tag. „Das ist einfach die große Freiheit“, schwärmt sie.

Eine Änderung gibt es allerdings seit vergangenem Jahr. „Nachdem wir 25 Jahre mit Muskelkraft gefahren sind, haben wir uns jetzt E-Bikes angeschafft“, sagt der 73-Jährige. Bei der jüngsten Reise ins Salzkammergut in Österreich war das von Vorteil: „Dort war es ganz schön bergig, die elektrischen Räder konnten wir gut gebrauchen“, sagt der Geretsrieder und muss lachen. Die Touren mit dem Drahtesel bedeuten dem Ehepaar viel. „Das Radln hält uns fit. Es gibt nichts Besseres für den Körper“, erklärt die 70-Jährige. „Außerdem hat man mit dem Fahrrad einen viel größeren Radius als beim Wandern und sieht mehr von der Landschaft“, schwärmt sie.

Dass die Rottmeiers mit ihrer Reisefreudigkeit keine Ausnahme sind, bestätigt Anna Maria Scheitterer, Geschäftsführerin des AS Reisecenters in Bad Tölz. „Die Reiselust von Senioren hat zugenommen.“ Beliebt sind bei den Ruheständlern laut Scheitterer vor allem Studienfahrten. Zum Beispiel eine einwöchige Reise in den Iran. „Viele Rentner kommen gut mit dem Smartphone oder iPad zurecht und haben sich im Vorfeld des Urlaubs bereits gut informiert. Das ist schon auffällig“, sagt Scheitterer. Bei den Studienreisen von einem Veranstalter ist stets ein Arzt „für Notfälle“ mit dabei. Aber dieser Service werde kaum genutzt.

Im Venedig des Nordens: Erika Werner machte bei ihrer Russlandreise auch in St. Petersburg Halt – hier auf dem Palastplatz vor der Eremitage.

Sabine Gus-Mayer, Seniorenreferentin der Stadt Geretsried, organisiert im Rahmen der Seniorenfreizeit Isar-Loisach jedes Jahr etwa 20 Ausflüge. „Die Leute sind zum Teil noch mit über 90 Jahren bei meinen Veranstaltungen dabei“, verrät sie nicht ohne Stolz. Denn eines hat sich laut der Geretsriederin bei den Rentnern definitiv verändert – die Gesundheit. „Die Leute sind heute mit 70 teilweise so fit wie früher mit 55“, sagt Gus-Mayer. Außerdem sei das Reisen günstiger geworden. Ein wichtiger Punkt ist bei ihren Ausflügen die Geselligkeit. „Wenn die Leute in Gesellschaft sind, vergessen sie ihre Alltagsprobleme und blühen richtig auf.“

Ganz ohne Reiseveranstalter zieht hingegen Erika Werner aus Lenggries los. Die 71-Jährige war diesen Sommer für zwei Monate alleine in Russland unterwegs – vorwiegend mit dem Zug. Schon vor zwei Jahren reiste Werner alleine durch das ehemalige Reich der Zaren. „Ich liebe die russischen Menschen“, schwärmt sie. „Die sind so liebenswert und gastfreundlich. Und dann die Schönheit der weiten Landschaft. Die großen Birkenwälder und Seen. An Russland fasziniert mich alles.“ Ihre jüngste unternommene Reise führte sie unter anderem nach St. Petersburg, Jekaterinburg, Moskau und Sotschi bis nach Sibirien. „Ich lerne zwar seit drei Jahren, aber mein Russisch ist noch nicht perfekt. In meinem Alter ist das nicht mehr ganz so einfach“, erklärt sie. Deshalb vermittelte ihr eine russische Freundin Kontaktpersonen vor Ort, falls Probleme auftauchten.

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Alleine zu verreisen, damit hat Werner kein Problem. Nur mit ihrem Mann habe sie früher gerne zusammen Urlaub gemacht. „Als ich damit nach seinem Tod wieder anfing, hat mir das neuen Auftrieb gegeben“, erzählt sie.

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Deswegen möchte sie noch mehr von der Welt sehen. Die Ziele werden ihr jedenfalls nicht ausgehen. Die Lenggrieserin möchte etwa mit dem Containerschiff nach Japan mit dem Containerschiff. Auch Israel, Kanada und Alaska stehen noch auf ihrer Liste. Allerdings gesteht Werner: „Jedes Jahr geht das natürlich nicht, da muss ich immer ein bisschen sparen.“

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