„Die Rentnerschwemme sind wir“

Der Landkreis wird älter: Mit diesen Ideen geht‘s einfacher

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen wächst – und immer mehr Senioren leben hier. Wie die Politik darauf reagieren soll, wurde im Vortrag „Vom Rock‘n zum Rollen – ein Landkreis wird älter“ angesprochen.

Wolfratshausen – Bis zum Jahr 2028 wird der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Prognosen zufolge von rund 125 000 auf rund 134 000 Einwohner anwachsen. Es werden junge Familien zuziehen, aber es wird auch mehr Senioren geben. Die Babyboomer, also die zwischen 1955 und 1969 geboren wurden, kommen ins Rentenalter. „Die Rentnerschwemme, von der oft abfällig geredet wird, sind wir“, sagt die 51-jährige Christiane Bäumler. Zudem werden die Menschen immer älter. Ein heute geborenes Mädchen habe eine durchschnittliche Lebenserwartung von 93 Jahren.

„Vom Rock’n zum Rollen – ein Landkreis wird älter“: Unter dieser Überschrift sprach Christiane Bäumler kürzlich im Demenz-Zentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Wolfratshausen. Trotz der Brisanz des Themas konnte die Fachbereichsleiterin Senioren am Landratsamt in Bad Tölz nur eine Handvoll Zuhörer zu ihrem Vortrag begrüßen.

Wie kann die Politik darauf reagieren? 

„Vom Rock’n zum Rollen – ein Landkreis wird älter“: Zu diesem Thema referierte Christiane Bäumler (51), Fachbereichsleiterin Senioren am Landratsamt.

Im Landkreis werden Bäumler zufolge zwei Altersgruppen ansteigen: die Gruppe der 60- bis 79-Jährigen – „Sie birgt ein großes Potenzial an rüstigen, oft ehrenamtlich engagierten Senioren“ – und die Gruppe der über 80-Jährigen, die in vielen Fällen Unterstützung bräuchten. 30 Prozent der 85- bis 90-Jährigen benötigten ambulante oder stationäre Pflege. Bei den über 90-Jährigen seien es 51 Prozent.

Wie kann die Politik darauf reagieren? Die Themen der Zukunft seien Prävention in Form von Beratung über gesunde Ernährung und Bewegung, ein gesellschaftliches Umdenken (Wertschätzung etwa durch die Ehrenamts-Card) und strukturelle Maßnahmen. Dazu gehören die Förderung von Wohnformen wie Senioren-WGs, die Schaffung von Begegnungsstätten, Barrierefreiheit beim Bauen und die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs.

Eine „Mitfahrerbank“ könnte ein Beitrag sein

Die in einigen Kommunen geplante „Mitfahrerbank“ könnte ein Beitrag sein. „Ich wohne auf dem Land, wo die Busverbindungen besonders schlecht sind. Würde ich einen älteren Menschen auf der Mitfahrerbank warten sehen, würde ich ihn gerne mit meinem Auto mitnehmen“, sagte Bäumler.

Mit seinem seniorenpolitischen Gesamtkonzept arbeitet der Landkreis seit 1991 an Verbesserungen für die ältere Generation. 4,7 Vollzeit-Fachkräfte kümmern sich am Landratsamt um den Bereich Senioren. An konkreten Projekten nannte die Fachbereichsleiterin die allgemeine Beratung und die Wohnberatung, die Schulung Ehrenamtlicher zu Helfern, die Angehörige bei der Pflege zuhause entlasten können, eine Palliativausbildung in Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft sowie die Hilfe zur Pflege.

Der Kreistag habe erst kürzlich beschlossen, ambulante Pflegemaßnahmen, vor allem in abgelegenen Orten wie der Jachenau, ab 2019 mit jährlich 90.000 Euro zu bezuschussen und den Ausbau der Tagespflege bis 2020 mit 219.000 Euro zu fördern. Mit neun Millionen Euro will der Kreis bis 2020 die Einrichtung von 200 neuen vollstationären Pflegeplätzen sowie die Modernisierung bestehender Plätze finanziell unterstützen.

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg

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