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Wollen Asylbewerbern den Einstieg ins Berufsleben erleichtern: (v. re.) Landrat Josef Niedermaier, IHK-Gremiumsvorsitzender Reinhold Krämmel, der Tölzer Jobcenter-Leiter Andreas Baumann sowie Udo Kohnen, Geschäftsstellenleiter der Arbeitsagenturen in Bad Tölz und Wolfratshausen.

Asylbewerber auf dem Arbeitsmarkt

„Beschäftigung ist die beste Integration“

Wolfratshausen - Landrat Josef Niedermaier fordert eine rasche Eingliederung der Flüchtling in den Arbeitsmarkt. Das sagte er in einer gemeinsamen Infoveranstaltung von Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen, Industriegemeinschaft Geretsried und Wirtschaftsforum Oberland.

Eins vorneweg: Eine Patentlösung, wie die immer noch wachsende Zahl der Flüchtlinge schnell in Lohn und Brot gebracht werden kann, wurde in den gut zweieinhalb Stunden nicht gefunden. Dennoch appellierten Udo Kohnen, Geschäftsstellenleiter der Arbeitsämter Bad Tölz und Wolfratshausen, und Andreas Baumann vom Tölzer Jobcenter an die rund 60 Unternehmer, gemeinsam an einer Verbesserung der derzeitigen Situation zu arbeiten.

Die Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen, die Industriegemeinschaft Geretsried sowie das Wirtschaftsforum Oberland hatten für Montag zu einem Diskussions- und Informationsabend ins Krämmel-Forum eingeladen. Gekommen waren neben Landrat Josef Niedermaier und dem Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller auch Unternehmer sowie Vertreter von Asylbewerber-Helferkreisen.

Aktuell werden gerade einmal 220 der 1679 im Landkreis lebenden Asylbewerber von der Agentur für Arbeit betreut. Das Jobcenter kümmert sich derzeit um 228 Flüchtlinge. Dass eine langfristige Anstellung oft scheitert, liege laut Baumann vor allem an mangelnden Sprachkenntnissen und fehlenden Qualifikationen.

„Beschäftigung ist die beste Integration. Wir brauchen ein zusätzliches Qualifizierungssystem“, forderte deshalb Landrat Josef Niedermaier. Angesichts des demografischen Wandels in der deutschen Gesellschaft und eines wachsenden Bedarfs an Pflegekräften könnten Flüchtlinge durchaus eine Bereicherung für Deutschland sein. „Das Potenzial sollten wir nutzen“, unterstrich der Landrat.

Udo Kohnen verwies anschließend darauf, dass bereits nach Ablauf einer dreimonatigen Frist die Beschäftigung von sogenannten geduldeten Asylbewerbern möglich ist. Arbeitsagentur und Jobcenter helfen beispielsweise beim Anerkennungsverfahren und übernehmen zum Teil die Kosten für Übersetzungen und Gebühren, die die einzelnen Kammern erheben. Parallel dazu empfahlen Baumann und Kohnen sechswöchige „Erkundungspraktika“. So könnten Bewerber und Arbeitgeber in der Praxis testen, welche Kenntnisse ein Asylbewerber in der neuen Heimat einbringen kann. Zudem hätten die Asylbewerber die Möglichkeit, sich im Trainingscenter der Agentur für Arbeit fortzubilden und berufsorientiertes Deutsch zu erlernen. „Um diese Angebote bekanntzumachen, setzen wir auch auf die Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Helferkreisen“, bekräftigte Kohnen.

Anhand eines Kurzfilms wurde deutlich, dass die Arbeitsbereitschaft der meisten Flüchtlinge groß ist. „Wir sind nicht hier, um auf Kosten der deutschen Regierung zu leben“, sagte da ein syrischer Familienvater.

In der Diskussionsrunde wurde dennoch klar, dass die bürokratischen Hürden bei der Einstellung von Flüchtlingen oft noch zu hoch sind. So berichtete beispielsweise der Geretsrieder Bäcker Ludwig Schmid von einer Vielzahl von Anträgen, die er stellen musste, um eine talentierte ausländische Arbeitskraft langfristig zu beschäftigen.

IHK-Vorstandsmitglied Reinhold Krämmel forderte deshalb eine rasche Entbürokratisierung: „Die vom Arbeitsamt vorgeschlagenen Maßnahmen sind alle gut gemeint, aber oft zu kompliziert. Wir müssen weg von der Theorie und hin zur Praxis.“ Sein Bauunternehmen sei bereit, sechs Flüchtlinge zu beschäftigen. Ein kurzes sechswöchiges Praktikum reiche aber bei weitem nicht aus, um deren Fähigkeiten kennen zu lernen.

Sowohl Kohnen als auch Niedermaier gaben zu bedenken, dass sich die Bürokratie nicht mehr so einfach zurückschrauben lasse und gewisse Regeln allein deshalb notwendig sind, um Missbrauchsfälle zu vermeiden. „Wenn ein Arbeitgeber zum fünften Mal einen Flüchtling für ein von uns finanziertes Praktikum fordert, werden wir natürlich skeptisch“, erklärte Andreas Baumann. Dass Asylbewerber als unterbezahlte Arbeitskräfte ausgebeutet werden, gelte es unbedingt zu vermeiden.

ph

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