+
Begehrter Futterplatz: Die extreme Schneelage macht auch den Wildtieren derzeit zu schaffen. 

Tiere bleiben in Schneemassen stecken

Landratsamt: Die Jagd bitte einstellen

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
    schließen

Die Schneemassen mögen aus dem Straßenbild verschwunden sein, in den Wäldern ist dies nicht der Fall. Das bringt das Wild in eine bedrohliche Lage. Das Landratsamt reagiert. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Normalerweise wird das Wild im Winter von den Jägern gefüttert. Doch was ist schon normal in diesem Januar? Derzeit liegt der Schnee so hoch, dass Wildtiere größte Schwierigkeiten haben, bis zu den Fütterungen zu gelangen. Viele stecken im Schnee fest, manche verenden. Diese besondere Situation nimmt die Untere Jagdbehörde im Landratsamt zum Anlass, Bürger und Jäger zu erhöhter Rücksichtnahme aufzufordern.

Von Natur aus ist das Wild auf die Wintermonate gut vorbereitet: Es fällt in die sogenannte Winterstarre. „Hirsche und Rehe reduzieren im Winter ihre Körpertemperatur, um Energie einzusparen“, schreibt Sabine Schmid, Pressesprecherin des Landratsamts. Das Herz der Tiere schlägt nur noch 30 bis 40 Mal statt 60 bis 70 Mal pro Minute, die Reaktionsfähigkeit ist stark gemindert. Teilweise stehen die Tiere reglos in der Landschaft. Werden die Tiere gestört und zur Flucht gezwungen, fährt der Körper den reduzierten Stoffwechsel wieder hoch. Das Resultat: Das Wild verbraucht unnötig Energie und äst notgedrungen Knospen und Baumrinde – und richtet so Schäden im Wald an.

Deshalb appelliert die Kreisbehörde eindringlich an Wanderer, Schneeschuhgeher und Tourenskifahrer, ausschließlich die vorhandenen Wege, Pisten und Wege zu nutzen und die Bereiche von Wildfütterungen zu meiden. Hundebesitzer werden aufgefordert, darauf zu achten, dass ihre Tiere keinem Wild nachjagen. Schmid: „Hunde können sich auf dem verfestigten Schnee leicht fortbewegen, das schwerere Wild bricht ein und ist dann leicht zu greifen.“

Ein derzeitiger Abschuss verstößt gegen den Tierschutz

Das Landratsamt dankt ausdrücklich allen Jägern, die ordentliche Fütterungen betreiben. Das ist momentan angesichts der extremen Schneelage schwer genug. Und es klappt oft nur, wenn schon im Herbst ausreichend Vorrat zu den Fütterungen gebracht wurde. Es gibt aber auch Reviere, wo nicht gefüttert wird und wo die Jäger unbedingt möglichst viel Wild erlegen wollen, teils, um den Abschussplan zu erfüllen. Dieses Verhalten kritisiert die Behörde mit scharfen Worten: „Es ist ein grober Verstoß gegen den Tierschutz, wenn man jetzt bei dieser Schneelage auf Wildtiere schießt“, schreibt Schmid. Der Jagdberater des Landratsamts, Vollrad von Poschinger aus Eurasburg, ergänzt: „Die Abschusspläne sollen grundsätzlich so früh wie möglich im Jahr erfüllt werden, um dem Wild im Winter seine Ruhe gewähren zu können.“

Einen Sonderfall bilden die Kirrungen. Dabei handelt es sich um Stellen, wo Wild mit Futter angelockt wird, um es erlegen zu können. Sie sind problematisch, wenn sie zu lange betrieben werden. Denn: Stellt sich plötzlich, wie aktuell, sehr viel Schnee ein, ist der Weg zu den Fütterungen abgeschnitten. „Die an den Kirrungen verbliebenen Wildtiere werden im Wald großen Schaden anrichten, bevor ein Teil von ihnen verendet“, erklärt Anton Krinner, Leiter der Hochwildhegegemeinschaft Isarwinkel. Er ruft alle Revierinhaber auf, so weit wie möglich Kirrungen als Notzeitfütterung aufrecht zu erhalten.

Lesen Sie auch: Der Live-Ticker zur Schneekatastrophe

Auch interessant

Kommentare