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Wenn der Dachstuhl brennt, muss der Feuerwehrler mit schwerer Ausrüstung hinauf. Dabei kommt es auf die Fähigkeiten an, nicht auf das Alter. 

Feuerwehren im Landkreis

„Langjährige Erfahrung ist enorm wichtig“

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Für die bayerischen Feuerwehren gilt seit 1. Juli ein neues Gesetz: Die Altersgrenze für die Aktiven wurde von 63 auf 65 Jahre angehoben. Die Wehren im Landkreis begrüßen diese Änderung.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die neue Regelung soll dem Personalmangel in der Feuerwehr entgegenwirken, erklärt ehemaliger Kreisbrandinspektor Hermann John. Weil er selbst heuer 63 Jahre alt geworden ist, musste er den aktiven Dienst bei der Tölzer Wehr aufgeben. Da nun die Gesetzesnovelle gilt, trat er wieder in den aktiven Dienst, um seine Kameraden tagsüber zu entlasten. „Ich sehe es als meine Pflicht, meine Heimatwehr zu unterstützen.“ Ob die Anhebung des Höchstalters um zwei Jahre den Wehren tatsächlich hilft, bezweifelt er. „Die meisten Aktiven hören schon früher auf.“ Das Problem entwickle sich aus der anderen Richtung. „Immer weniger Jugendliche interessieren sich für dieses Ehrenamt“, sagt John. „Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.“

Thomas Sellmeier, Erster Kommandant von rund 70 Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Münsing, teilt Johns Meinung – obwohl der Altersdurchschnitt seiner Wehr bei knapp 30 Jahren liegt. Weil das nicht dauerhaft so bleiben werde, „freuen wir uns über jeden, der noch lange mitmacht“, sagt der 35-Jährige. In den vergangenen Jahren seien immer wieder Kollegen mit 63 Jahren ausgeschieden. Obwohl es nun erlaubt ist, wollen sie nicht wieder eintreten. „Das ist in Ordnung. Je nach körperlicher Fitness soll das jeder selbst entscheiden“, sagt Sellmeier.

An und für sich begrüßt er die Gesetzesänderung. Nicht nur wegen ihrer Erfahrung seien die Älteren wichtig für die Wehr. „Die Tatsache, dass man für 90 Prozent unserer Fahrzeuge einen Lkw-Führerschein braucht, ist nicht zu unterschätzen“, sagt Sellmeier. „Den haben die meisten Jungen nicht, weil er enorm teuer ist – die Älteren schon.“

Die Freiwillige Feuerwehr Wolfratshausen ist von der neuen Regelung derzeit noch nicht aktiv betroffen. „Wir sind schlichtweg zu jung dafür“, sagt Erster Kommandant Andreas Spohn. Inklusive der Jugendgruppe leisten in der Flößerstadt 90 Ehrenamtliche aktiven Dienst. „Unser Durchschnittsalter liegt bei 35 bis 40 Jahren“, schätzt der 38-Jährige. Die Anhebung des Höchstalters ist seiner Meinung nach einerseits von Vorteil. „Die langjährige Erfahrung der älteren Mitglieder ist enorm wichtig.“ Andererseits stelle der Feuerwehrdienst psychisch wie physisch eine hohe Belastung dar. „Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden, ob er noch weitermachen kann und möchte.“

Sein Kollege Dirk Winterhalter aus Eurasburg berichtet ähnliches. Weil der Altersdurchschnitt der 60 Aktiven derzeit bei 35 Jahren liegt, sei die Regelung noch nicht interessant. Trotzdem erachtet sie der 42-Jährige als sinnvoll. Sein Argument ist der Renteneintritt. „Wer arbeiten muss, bis er 67 Jahre alt ist, sollte er doch auch entsprechend lang bei der Feuerwehr tätig sein dürfen – sofern er denn möchte.“

In Lenggries freut sich Erster Kommandant Hans Willibald über die Neuregelung. Ein paar seiner rund 100 aktiven Kameraden kommen demnächst in das kritische Alter. „Ich hoffe, dass sie alle weitermachen wollen“, sagt der 40-Jährige. Weil viele von ihnen schon in Rente und deshalb tagsüber zuhause seien, könne so vor allem die Tagesbereitschaft gesichert werden.

Bei der Eglinger Feuerwehr verhält es sich ähnlich. Erster Kommandant Erich Zengerle ist froh, dass seine Wehr durch die Anhebung des Alters insbesondere tagsüber entlastet wird. „Sechs der 75 Aktiven werden demnächst 63 Jahre alt“, sagt der 49-Jährige. Einer habe schon vier Wochen pausieren müssen, durfte aber zum 1. Juli wieder eintreten. „Wir sind froh, dass sie alle ihren Dienst noch zwei Jahre länger ausüben können und wollen.“

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