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Blau-grüne Voralpenkulisse: Am vergangenen Samstag begannen Jugendliche damit, die Stützmauer an der B 11 legal zu bemalen. Ungebetene, sichtbar verliebt e Sprayerkollegen meinten aber schon, ihren Senf dazugeben zu müssen.

Legales Graffiti

Jugendliche Sprayer am Werk: B11-Stützmauer wird verschönert

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Junge Graffiti-Künstler sind derzeit dabei, die Stützmauer an der B11 Richtung Icking zu bemalen. Doch sichtbar verliebte Kollegen gaben schon ihren Senf dazu.

Wolfratshausen – Dem Verliebten verzeiht man ja einiges. Von Armors Pfeil getroffen, neigt der verknallte Mensch bisweilen zu Torheiten. Dann nämlich, wenn der Liebesgott mit seinem Bogen auf Hirn statt Herz gezielt hat. Ob die acht Jugendlichen, die am vergangenen Samstag damit begonnen haben, die Stützmauer am Wolfratshauser Berg zu verschönern, dem liebestollen Sprayerkollegen vergeben können? Wir werden sehen.

„Dagegen machen kannst du eh nichts“

„I love you, Alina“ prangt samt Herzchen und weiterer Vornamen in silberfarbenen Lettern über der blaugrünen Voralpenlandschaft, die die legale Sprayertruppe unter Federführung von Cordula Schnellbach an einem ersten von zwei Nachmittagen auf die mausgraue Betonwand gesprüht hat. Am kommenden Samstag wollen die jungen Leute im Alter zwischen 14 und 22 Jahren das Werk beenden. Was dann mit dem Liebesschwur passiert? „Vermutlich übersprühen wir ihn“, sagt Schnellbach, Sie nimmt den amourös begründeten Anschlag ansonsten gelassen. „Dagegen machen kannst du eh nichts.“

Dem Projekt – eine Kooperation der Mobilen Jugendarbeit Wolfratshausen mit der Stadt – ging eine akribische Vorbereitung voraus. In die Beratungen eingebunden war das Staatliche Bauamt in Weilheim, denn die Mauer ist Teil der Bundesstraße 11. Damit die Behörde das Graffiti genehmigt, mussten einige Bedingungen erfüllt werden. „Nach einem ersten Gespräch mit der Stadt und Frau Schnellbach konnten wir uns ein Bild an dieser Stelle schon vorstellen, sofern es die Verkehrssicherheit nicht gefährdet“, bestätigt Christoph Prause, Leiter der Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau in Weilheim. Deshalb sei ein „ruhiges Motiv“ Pflicht gewesen.

Kunstwerk darf nicht zu aufregend sein

Sämtliche Auflagen hielten Straßenbauamt und Stadtverwaltung schließlich in einer am 2. August unterzeichneten Verwaltungsvereinbarung fest. Ihr zufolge muss die Behörde das Bauwerk jederzeit auf Schäden prüfen können: „Veränderungen in der Mauerstruktur müssen trotz der Farbe erkennbar bleiben“, sagt Prause. Weitere Punkte des Papiers: Das Straßenbauamt übernimmt keine Haftung, sollte das Kunstwerk beispielsweise bei einem Verkehrsunfall oder durch den Einsatz von Streusalz beschädigt werden – Stichwort Urheberschutz. Sollte sich herausstellen, dass sich nach der Spray-Aktion die Unfälle dort häufen, hat die Behörde das Recht, das Gemälde wieder entfernen zu lassen. Auch für die Pflege des Graffitis ist das Straßenbauamt nicht zuständig. „Wir überlassen das Kunstwerk der Stadt. Sie muss sich selbst um Ausbesserungen kümmern, natürlich in Absprache mit uns“, sagt Prause.

Das Motiv stammt übrigens von einem mit Cordula Schnellbach bekannten Künstler aus München, „er hat die Skizze gezeichnet“. Was sich am kommenden Samstag noch zur blaugrünen Bergkulisse gesellt, möchte die Jugendarbeiterin nicht verraten: „Lassen Sie sich überraschen.“ Die Absicherung des an die viel frequentierte Straße grenzenden Freiluftateliers übernehmen wie in der Vorwoche Mitarbeiter des Wolfratshauser Bauhofs, damit den jungen Sprayern bei der Ausübung ihres Hobbys nicht passiert. Verletzte braucht bei der Aktion niemand. Ein liebeskranker Graffiti-Sprayer genügt vollkommen.

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