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Heißes Teil: Guido Keller vor seinem künftigen Rennwagen. Mit seinem „absoluten Traumauto“ will er Deutscher Amateur-Bergmeister werden.

Automobil-Rennsport

Leicht ist schwer was

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Guido Kellers Herzensprojekt, ein ultraleichtes Rennauto, ist fast fertig. Mit dem Wagen will er Deutscher Bergmeister werden.

Wolfratshausen – Als das Auto im Jahr 2003 im lothringischen Hambach vom Band rollte, stand Smart drauf. Ein Roadster, silber, 82 Pferdestärken kräftig, 790 Kilo schwer, etwa 20 000 Euro teuer. Etwa zwölf Jahre später war von ihm nur der Grundrahmen übrig – mit einer Delle vorne.

450 Euro zahlte Guido Keller 2015 für das „verunfallte Teil“, das die Basis seines ehrgeizigsten Projekts werden sollte: ein extrem leichter, brutal schneller Hill-Climb-Racer. Mit ihm will der 47-jährige Kfz-Meister die im kommenden Juli beginnende Serie um die Deutsche Amateur-Bergmeisterschaft in der leichtesten Fahrzeugklasse gewinnen. Er entschied sich für einen Smart, „weil der erstens cool ausschaut und zweitens vorne und hinten kaum Überhanghat“. Letzteres hilft, ein Auto schnell um die Kurve zu steuern.

Die Basis: Guido Kellers Bruder Christian, Karosseriebauer, flext den Grundrahmen des Hill-Climbers.

Übrig geblieben vom Original sind in den rund zwei Jahren (Um-)bauzeit „nur noch die Türgriffe“, sagt Keller. Alles andere ist ein Prototyp, der „mit Geld eigentlich gar nicht mehr zu bezahlen“ ist: Schlappe elf Kilo wiegt das Karosserie-Kit, das nun komplett aus Carbonfaser besteht. Der 200-PS-Motor hinter dem mittig im Auto positionierten Sitz stammt aus einem Superbike, einer BMW S 1000 RR. Die Pedale, das Lenkrad – alles ist perfekt auf Kellers Ergonomie abgestimmt – wie ein passgenauer Schuh vom Orthopädie-Meister. Der Wagen ist so leicht, dass der Eglinger zuladen muss, um das Mindestgewicht von 630 Kilo in der angestrebten Klasse zu erreichen. „Extremer kannst du ein Auto nicht bauen.“

Dass es so kam, ist auch ein wenig tragisch: Hans Pfeffer, Spezl und Mitstreiter, starb im November 2016 mit nicht einmal 50 Jahren an Krebs. Der Konstrukteur hatte mit Keller den Umbau begonnen. Ob und wie es nach dessen plötzlichem Tod weitergehen sollte, war zunächst unklar. Doch über sein großes Netzwerk, Keller ist seit 31 Jahren Motorsportler, fand er Christian Allkofer, einen ehemaligen Lehrling Pfeffers. Der „tickt wie ich, baut genial und ist extrem auf seinem Gebiet“. Der Eglinger und der Regensburger trieben sich gegenseitig an, befeuerten sich mit neuen Ideen – bis ein Rennwagen herauskam, der, „so traurig und makaber es jetzt klingt, viel brutaler ist, als wenn der Hans und ich ihn fertiggebaut hätten“.

Trotzdem: Das kongeniale Trio Keller, Pfeffer und Allkofer hätte dieses Auto allein nicht so auf die Räder stellen können. Ein französischer Rennwagen-Konstrukteur entwarf die Fahrwerks-Geometrie. Kellers Bruder Christian, gelernter Karosseriebauer, schnitt das Bodenblech heraus, um Platz zu machen für ein Pendant aus Kohlestoff. Das fertigte Peter Floßmann in seinem Geltinger Betrieb – wie sämtliche anderen Carbonteile. „Alle Leute, die an diesem Auto beteiligt sind, sind Profis und Spezialisten auf ihrem Gebiet, sagt der Eglinger. „Sie sind mit Herzblut dabei und genauso positive Spinner wie ich. Anders würde es nicht funktionieren.“

Wenn Guido Keller nun vor seinem „absoluten Traumauto“ steht, freut er sich „wie wahnsinnig“. Das Herzensprojekt hat ihn „noch einmal so richtig motiviert“. Er weiß, dass es das letzte dieser Größenordnung ist, aber auch, dass es mit den ersten Testfahrten im Frühjahr und den Rennen nicht zu Ende sein wird. „Die Reise geht weiter. Verbessern kann man immer wieder etwas.“

Was er noch nicht weiß: Welche Lackierung der Hill-Climber erhält. Anfangs war Schwarz der Favorit. Mittlerweile tendiert er zu Weiß mit blauen Elementen. Der helle Untergrund ist lesefreundlicher. Smart wird nicht mehr auf dem Wagen stehen, sondern die Namen sämtlicher Helfer und Sponsoren.

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