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Die Isar: Die Reißende und ihre Uferbereiche waren das Arbeitsgebiet des Isar-Rangers aus Wolfratshausen, der im Oktober 2015 im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Er hinterließ seine Ehefrau und fünf Kinder. Ein guter Geist hat es sich zur Aufgabe gemacht, der Familie wieder ein neues Lebensfundament zu geben. Aber das schafft der 56-jährige Familienvater, der anonym bleiben möchte, nicht alleine.

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Nach Tod des Wolfratshauser Isar-Rangers: Wie ein „Engel“ der Familie hilft

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Nach kurzer, schwerer Krankheit starb 2015 der Wolfratshauser Isar-Ranger. Seine Familie stand vor dem Nichts. Doch in der Situation „hat uns jemand einen Engel geschickt“, sagt die Witwe. 

Wolfratshausen – Die Diagnose war niederschmetternd: Nach kurzer, schwerer Krankheit starb im Oktober 2015 der Isar-Ranger aus Wolfratshausen im Alter von 49 Jahren. Er hinterließ seine Ehefrau und fünf Kinder. Sie standen von heute auf morgen vor dem Nichts. Doch in der scheinbar ausweglosen Situation „hat uns jemand einen Engel geschickt“, sagte die Witwe im vergangenen Jahr in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Wir haben uns mit dem „Engel“ getroffen. Der hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Haus der Familie zu sanieren, um ihr „ein neues Lebensfundament zu geben“, wie er sagt.

Sie wollen Ihren Namen partout nicht preisgeben?

Nein.

Aber ein bisschen über sich persönlich verraten Sie uns doch bitte.

Gerne. Ich bin 56 Jahre alt, verheiratet, habe zwei Söhne und bin Geschäftsführer eines Unternehmens im Großraum München.

Wie sind Sie auf das Schicksal der Familie des Wolfratshauser Isar-Rangers aufmerksam geworden?

Es waren die beiden Wörter „Isar-Ranger“ in einer online erschienenen Zeitungsschlagzeile. Ich konnte mir unter diesem Begriff nichts vorstellen, deshalb habe ich diesen Artikel angeklickt und gelesen. So habe ich von seinem plötzlichen Tod und seiner sechsköpfigen Familie erfahren. Dieses schwere Schicksal hat mich sehr betroffen gemacht. Ich habe an meine Frau und meine beiden Jungs gedacht und mir überlegt, wie es für sie wäre, mich so plötzlich zu verlieren. Diese Vorstellung hat mir sehr weh getan und mich tief berührt. Mit diesem Gefühl habe ich eine Brücke zu seiner Familie gebaut: Wie muss es seiner Frau und ihren fünf Kindern jetzt gehen? Das hat mich sehr beschäftigt. Deshalb habe ich den Artikel ausgedruckt und auf meinen Schreibtisch gelegt. Ich wollte von mir wissen: Hat mich dieses Schicksal einer mir völlig fremden Familie nur in diesem Moment so berührt – oder ist es tiefer gegangen?

Das Ergebnis?

Es ist tiefer gegangen – es hat mich tagsüber immer wieder und manchmal auch nachts beschäftigt. Da es mich nicht mehr losgelassen hat, habe ich beschlossen, dieser Familie zu helfen. Ohne zunächst zu wissen wie – und ob meine Hilfe überhaupt willkommen ist.

Den Kontakt zur Witwe stellte die Zeitung her. Wie ging’s weiter?

Nach ersten Telefongesprächen hat sie mich kurz vor Weihnachten 2015 zu sich nach Hause eingeladen. Mit der ausdrücklichen Bitte, meine Frau mitzubringen. Sie dürfen nicht vergessen: Bis zu diesem ersten persönlichen Treffen kannte sie mich überhaupt nicht.

Wusste Ihre Frau, warum Sie sie unbedingt begleiten sollte?

Natürlich. Nach meiner Entscheidung habe ich ihr den Zeitungsartikel zum Lesen gegeben – und als ich ihr gesagt habe, dass ich dieser Familie helfen will, hat sie sofort gesagt: „Ja, das machen wir.“

Wie war dieses erste Kennenlernen für Sie?

Es war ein sehr freundliches und offenes Gespräch. Ab Januar 2016 haben wir immer wieder miteinander telefoniert, bis das Vertrauen auf beiden Seiten so angewachsen war, dass wir beginnen konnten. Wir haben uns alles angesehen und dann zusammengesetzt und besprochen, wo sie überall Hilfe und Unterstützung benötigen. Daraus haben wir ein Konzept geformt und eine Dringlichkeitsliste erstellt. Bei allen Punkten dieser Liste sind wir auf Spenden und Mithilfe von außen angewiesen, um sie zu finanzieren und dann durchführen zu lassen. Als erstes habe ich einen Spendenaufruf geschrieben und ihn an Freunde, Bekannte und Geschäftspartner geschickt. Dabei war und ist mir sehr wichtig: Es geht um Mitgefühl und Unterstützung für diese Familie und nicht um Mitleid. Mitgefühl stärkt, Mitleid schwächt.

„Schnapsidee? Auf den ersten Blick mag das so aussehen.“

Bitte entschuldigen Sie: Die Sanierung eines Hauses, Baujahr 1926, einer fremden Familie, das noch mit Holz geheizt wird – das klingt nach einer Schnapsidee und einer Mammutaufgabe zugleich...

...auf den ersten Blick mag das so aussehen, aber glauben Sie mir bitte: Es ist keine Schnapsidee und ja, es ist eine Mammutaufgabe.

Sie hätten doch auch 1000 Euro für die Familie spenden können und das war’s.

Ja, das hätte ich machen können. Aber dieses Geld hätte der Familie nur kurzfristig weitergeholfen. Mir war und ist es wichtig, für diese Familie etwas Tragfähiges und Stabiles zu schaffen, dass Bestand hat und ihr dauerhaft weiterhilft. Und das braucht seine Zeit.

Was ist – in groben Zügen – bis heute geschehen?

Im Herbst 2016 wurde die gesamte Wärmeversorgung, das heißt, Heizung und Warmwasser, die bislang mit Holz betrieben wurde, auf Erdgas umgestellt. Im Sommer 2017 bekamen drei Wohnräume, die nicht unterkellert sind, ein neues Bodenfundament und eine Isolierung. Gleichzeitig haben wir sie komplett entkernt und völlig neu aufgebaut. Im Herbst 2017 wurde die neue Küche eingebaut.

Wurden und werden alle Entscheidungen in enger Abstimmung mit der Familie getroffen?

Ja, selbstverständlich. Dies war von Anfang an eine der Grundvoraussetzungen für meine Hilfe. Alle Anregungen, Ideen, Vorschläge und Veränderungen wurden und werden erst nach dem Einverständnis der Familie umgesetzt.

Ist Ihr Engagement unterm Strich Hilfe zur Selbsthilfe?

Ja, denn nur so macht meine Hilfe Sinn. Nur die Hilfe zur Selbsthilfe ist ein tragfähiges Konzept für die Zukunft. Ich möchte mit meinem Einsatz und mit allem was hier geschieht die Voraussetzung schaffen, dass sich alle Familienmitglieder auf ihrem weiteren Weg so leicht wie möglich tun.

Wie sind die weiteren Pläne?

Unser nächstes großes Ziel ist der dringend benötigte Anbau, der das große Platzproblem der Familie lösen wird. Erst wenn wir das erreicht haben, legen wir die nächsten Ziele fest.

Hat die begonnene Sanierung der Immobilie und die Unterstützung der Familie auch Neider auf den Plan gerufen?

Ja. Mich selbst hat noch niemand angesprochen. Aber ich weiß, dass es leider sehr wohl Anfeindungen und Neider gab und gibt. Das ist für mich erschreckend, sehr traurig und überhaupt nicht nachvollziehbar. Wie kann man neidisch sein und diese Familie anfeinden, wenn man weiß, welch einen Schicksalsschlag diese Familie erlitten hat? Ich verurteile diesen Neid und diese Anfeindungen auf das Allerschärfste. Ich frage mich, was in den Köpfen und Herzen dieser Menschen vor sich geht, die anscheinend nur sehen, dass diese Familie Hilfe und Unterstützung bekommt – die dringend notwendig ist. Diese Familie hat einen Verlust erlitten, der nie wieder zu ersetzen ist. Wo ist das Mitgefühl dieser Menschen? In dieser Situation braucht die ganze Familie offene Herzen, helfende Hände und positiven Zuspruch, damit sie ihren Lebensweg weiter gehen kann.

„Ich danke allen Spenderinnen und Spendern herzlich.“

Die Neider sind in der Unterzahl...

... ja, Gott sei Dank. Die Hilfsbereitschaft der Menschen hat mich sehr beeindruckt, gefreut und vor allem die bisher erreichten Ziele überhaupt erst möglich gemacht. Unser Gespräch mit Ihnen heute gibt mir die Möglichkeit, Danke zu sagen. Im Namen der Familie und in meinem Namen bedanke ich mich ganz herzlich beim Küchenstudio Elektro Huber aus Bad Tölz, Innenausbau Jeschke aus Buchendorf, Zimmerei Kerschbaumer aus Wolfratshausen, Müro Werkstätten aus Gräfelfing, dem Ingenieurbüro Josef Wehbe aus Wolfratshausen, Dekorationsmalerei Wiegerling aus Bad Tölz, einer Elektrofirma aus Eurasburg, die namentlich nicht genannt werden möchte sowie allen Leserinnen von Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur und Tölzer Kurier für ihre Spenden. Nicht zu vergessen meine Frau, die meinen großen zeitlichen Einsatz immer unterstützt und mitgetragen hat – auch wenn es manchmal nicht leicht für sie war.

War Ihnen bewusst, dass Ihre Hilfe für die Familie langfristig angelegt werden muss und dass Sie dafür einen langen Atem benötigen?

Ja. Wir gehen jetzt ins dritte Jahr. Nach der Erstellung der Dringlichkeitsliste wusste ich, was auf mich zukommt und welche Verantwortung ich damit übernehme. Ich habe mir vorher auch genau überlegt, ob ich dazu wirklich bereit bin. Da alle Punkte ausschließlich über Spenden finanziert werden, war klar, dass die Sanierung nur in Etappen möglich ist. Und ja: Den langen Atem dafür habe ich.

Würden Sie diese Herausforderung noch einmal annehmen?

Sie hat zwei Seiten. Die eine ist die Zeit, die ich bisher gerne gegeben habe. Wenn ich diese Zeit in meine Firma oder in meine Familie investiert hätte...Wenn ich aber auf der anderen Seite sehe, was mein Einsatz und das bisher Erreichte für die Familie bedeutet, sage ich Ihnen ganz klar ja – ich würde diese Herausforderung noch einmal annehmen.

Eines Tages werden Sie sich von der Wolfratshauser Familie verabschieden...

...ja, das werde ich. Aber ich kann Ihnen heute natürlich noch nicht sagen wann. Die Aufgabe, die ich übernommen habe, ist auch mit einem Anspruch an mich selbst verbunden. Erst wenn ich den erfüllt habe, kann ich mich mit einem guten Gefühl verabschieden.

Wie kann man Ihnen bei Ihrer Arbeit helfen?

Ganz einfach: Ich bitte alle Menschen, diese Familie mit einer Spende tatkräftig zu unterstützen! Bei Firmen und Unternehmen, die uns helfen wollen, bin ich gerne bereit, die einzelnen Ziele vorzustellen und alle Fragen zu beantworten. Der Kontakt zu mir wird über Ihre Zeitung hergestellt. Ganz besonders wünsche ich mir, Spender zu finden, die uns über mehrere Jahre kontinuierlich begleiten, um damit eine tragfähige Spendenbasis zu schaffen. Es geht mir darum, dass so viele Menschen wie möglich zusammenstehen, um dieser Familie zu helfen.

Spenden

Wer im Rahmen der Weihnachtsaktion „Leser helfen helfen“ von Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur und Tölzer Kurier zweckgebunden für die Wolfratshauser Familie spenden möchte, vermerkt auf dem Überweisungsträger bitte das Stichwort „Isar-Ranger“. Auf Wunsch werden Spendenquittungen ausgestellt.

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