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Der feierliche Gottesdienst zur Gründung der Stadtkirche in St. Andreas.

Dürre Worte mit Leben füllen

So lief die Gründung der Stadtkirche Wolfratshausen ab

Wolfratshausen - Er hat den Segen für eine weltoffene Stadtkirche erteilt: Weihbischof Wolfgang Bischof feierte in der Kirche St. Andreas zusammen mit 300 Gläubigen den Gründungsgottesdienst.

„So viel Weihrauch hatten wir selten in der Kirche“, flüsterte ein Gottesdienstbesucher seinem Banknachbarn zu. In der Tat schwenkten die Geistlichen vor allem zu Beginn der eineinhalbstündigen Messe die silbernen Gefäße so ausgiebig durch, dass der würzige Geruch am Sonntagvormittag auch die hinteren Reihen der mit etwa 300 Besuchern gefüllten Kirche St. Andreas erreichte.

Der Anlass war aber auch alles andere als alltäglich: Die Vereinigung der Pfarreien St. Andreas mit den Filialkirchen in Nantwein, Gelting und Dorfen sowie St. Josef der Arbeiter in Waldram war zwar bereits seit Anfang Januar vollzogen (wir berichteten), doch der geistliche und weltliche Festakt erfolgte erst am Sonntag.

Dekan Beham erklärt die Metapher mit dem Laib Brot

Dekan Gerhard Beham erinnerte zunächst an die Bedeutung des großen Brotlaibs vor dem Altar. Das Back-Erzeugnis soll das Zusammenwachsen der beiden Pfarreien und ihrer Filialkirchen symbolisieren. Der Teig enthielt Getreide aus Gelting, Wasser aus dem Wolfratshauser Bergwald und Salz aus Nantwein – gebacken wurde das Brot am Samstag im Backofen der Kolpingfamilie in Waldram, der mit Holz aus Dorfen befeuert wurde.

Das ganze Wochenende über wurde gefeiert

Bereits am Samstagabend fand ein Taizé-Gebet in St. Andreas statt, das Schüler vom Seminar St. Matthias in Waldram gestalteten. Am darauffolgenden Tag verlas Pastoralmitarbeiterin Andrea Martin zunächst das am 12. November 2015 ausgestellte Errichtungsdekret der neuen Stadtkirche Wolfratshausen. „Diese dürren juristischen Worte gilt es nun mit Leben zu füllen“, forderte der Weihbischof zu Beginn seiner Predigt. In Anbetracht vieler neuer gesellschaftlicher Herausforderungen wie der Integration von Flüchtlingen komme es für die Kirche verstärkt darauf an, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen. „Wir sind gerufen, die Blickrichtung zu ändern und unser Licht in die Welt zu tragen“, appellierte der Bischof. Die Strukturen der neugegründeten Stadtkirche würden gerade dazu einladen, herauszublicken und die christliche Botschaft überall zu verbreiten.

Der Geltinger Silvesterritt soll bleiben

Die Gemeinden haben gemeinsam ein Brot gebacken.

Direkt im Anschluss an den Gottesdienst, der von einem gemischten Chor musikalisch begleitet wurde, folgte im benachbarten Pfarrgemeindesaal die weltliche Feier. Bevor der Weihbischof das Brot segnete und gemeinsam mit Dekan Gerhard Beham anschnitt, sprach die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats St. Andreas, Cornelia Schrills, von einem „wunderbaren Miteinander“ der einzelnen Pfarreien. Gleichzeitig betonte sie, dass deren Eigenständigkeit nicht eingeschränkt werde. „Traditionelle Feierlichkeiten wie beispielsweise die Sebastianiprozession der Kirche St. Andreas, das Waldramer Frauentragen oder der Geltinger Silvesterritt werden weiterhin gepflegt“, versprach sie.
 
Der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller, der aufgrund seiner Verbundenheit zur „Muttergemeinde“ Gelting den Gottesdienst besuchte, hörte das gern. „Den Silvesterritt lassen wir uns nicht nehmen“, stellte er klar. Und für Wolfratshausens Dritten Bürgermeister Helmuth Holzheu, der den an diesem Tag verhinderten Ratshauschef Klaus Heilinglechner vertrat, sind Fusionen heutzutage ohnehin nicht nur im Wirtschaftsleben etwas Selbstverständliches.

Nachdem das vom Weihbischof angeschnittene Brot im Rahmen des Sektempfangs an die Festgemeinde verteilt wurde, erhielt auch er von Dekan Beham einen kleinen Laib Brot als Gastgeschenk. Dann schlüpfte der Würdenträger in die Rolle des Heiligen Petrus aus dem Stück „Der Brandner Kaspar“ und seufzte: „Ach, Wolfratshausen.“

ph

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