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Am Boden: Löwen-Keeper Stefan Ortega nach der Niederlage gegen Regensburg.  

TSV 1860 München hat auch im Landkreis Fans

Das Löwen-Herz ist wund

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    Volker Ufertinger
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„Total geschockt“, „fertig“: Die Löwen-Fans im Landkreis wissen kaum, wie sie nach dem Abstieg in die dritte Liga ihre Gefühle beschreiben sollen. Zur Trauergemeinde zählen auch einige Lokalpolitiker. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der wohl prominenteste Löwe im Landkreis ist der CSU-Stimmkreisabgeordnete Martin Bachuber. Er hat das Spiel am Dienstagabend mit anderen Politikern im Maximilianeum am Fernsehen verfolgt. „Die Nicht-Sechzger hatten Mitleid mit uns“, berichtet Bachhuber. „Das ist ja fast die Höchststrafe.“ Seine Gefühlslage am Tag danach? „Ein wundes Herz“, sagt er traurig, bevor der Zorn über das Schlamassel aus ihm herausbricht. Das Ganze sei das Ergebnis von jahrelanger Misswirtschaft, einer unfähigen Geschäftsführung und einer dubiosen Finanzpolitik. Die Verantwortlichen hätten sich nicht um das gekümmert, was hinter dem Traditionsverein steckt: unglaublich viel Jugend- und Ehrenamtsarbeit. Den Anfang der Misere macht der 61-Jährige am gemeinsamen Bau der Allianz-Arena fest. „Das war finanziell nicht zu stemmen. Das hat 1860 München das Genick gebrochen.“ Die sportliche Leistung der „Söldnertruppe“ im entscheidenden Spiel am Dienstag sei letztlich nur das Resultat von alldem: „Wenn du jahrelang an einer Ohrfeige entlanggehst, dann bekommst du sie auch irgendwann.“

Eine „spielerische Katastrophe“ hat der Vorsitzende des Löwenfanclubs Isar-Loisach, Reinhard Schwerdtner aus Heilbrunn im TV gesehen: „Da hat keiner gekämpft.“ Er ärgert sich maßlos über die Reaktionen der Führungsetage. Etwa den unrühmlichen Abgang von Sportdirektor Ian Ayre und den Rücktritt von Präsident Peter Casalette. Es sei eine „Frechheit, nach Spielende alles der Pressesprecherin zu überlassen“. Und Investor Hasan Ismaik? „Der soll sich schleichen“, meint Schwerdtner kurz und bündig.

Alfred Stangler hat von einem 60er-Profi Kicken gelernt

Für den Königsdorfer Altbürgermeister Alfred Stangler ist der Abstieg der Löwen in die dritte Liga kein Schock. „Es geht doch schon seit Jahren bergab“, sagt er. Das Spiel gegen Regensburg hat seine düsteren Ahnungen nur bestätigt. Stangler ist von Kindesbeinen an Sympathisant der 60er – und zwar buchstäblich. Als Aussiedler landete er im heutigen Bad Heilbrunner Ortsteil Unterbuchen. Dort kickte der kleine Stangler, etwa acht oder neun Jahre alt, im Sommer barfuß mit einem gewissen Helmut Seemann, zu diesem Zeitpunkt Spieler des TSV 1860 München. „Wahnsinn, was ich von dem alles gelernt habe“, so Stangler. „Zum Beispiel hat er mir beigebracht, den Ball nie frontal anzunehmen.“ Seither ist Stangler Löwen-Fan, aber kein Vereinsmitglied.

In den vergangenen Jahren ist die Leidensfähigkeit des Königsdorfers schwer geprüft worden. Ob er dem TSV unter diesen Umständen die Treue hält? „Sie machen es einem jedenfalls schwer“, sagt Stangler. Dass man die Löwen bald wieder in der Zweiten, geschweige Ersten Bundesliga sieht, glaubt er nicht. „Es wird schwer, sich wieder nach oben zu arbeiten.“

Was die Zukunft bringt, weiß auch Schwerdtner nicht. Er zitiert den Wahlspruch seines Fanclubs: „Sempre, sempre 1860.“ Bachhuber und Schwerdtner verurteilen die „Fan“-Krawalle gegen Ende der Partie in der Allianz-Arena unisono scharf: „Die Idioten gehören eingesperrt“, sagt Bachhuber.

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