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Der Tod ist eine Frau: Lisa Richter überzeugte als Boandlkramerin, die den Brandner Kaspar (Wolfgang Roth) mit ins Jenseits nehmen will.

Loisachtaler Bauernbühne

So grandios war der „Brandner Kaspar“ beim Flussfestival

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Die Loisachtaler Bauernbühne spielte beim Flussfestival. Mit ihrer Inszenierung der Kultgeschichte vom „Brandner Kaspar und das ewig‘ Lebn“ füllte sie die Floßlände gleich zweimal.

Wolfratshausen – Nebelschwaden, Blitz und Donnergrollen und eine Boandlkramerin, die ihre Gott-hab-sie-selig-Fracht mit dem Ruderboot über die Loisach ins Paradies transportierte. Die eigens für das Flussfestival bearbeitete Fassung des „Brandner Kaspar und das ewig‘ Lebn“ der Loisachtaler Bauernbühne (LBB) war grandios gespielt und opulent ausgestaltet. Drei Kulissen, viel Blasmusik, junge Schuhplattler sowie ein beeindruckendes Geräusch- und Rauchspektakel: Das war eine Glanzleistung vor dem Herrn.

Ränge voll, Publikum begeistert

Zwei ausverkaufte Veranstaltungen, ein begeistertes Publikum – mehr geht nicht. Rund 70 Mitwirkende haben zu dieser spannenden und kurzweiligen Aufführung beigetragen. Ob in Haupt- oder Nebenrolle, alle waren sie voller Leidenschaft dabei. Humorig, traurig, frech, hinterfotzig und mit einem immer wiederkehrenden Bezug zu Wolfratshausen. Nicht nur, weil der Tod, in giftgrünes Licht getaucht, mit einem Ruderboot über die Loisach fuhr. Sondern weil man auch dem Schutzheiligen Nantovinus (Franz Foitzik) an der Himmelspforte ein Plätzchen zugewiesen hatte. 

Und Ludwig Gollwitzer als Portner war schauspielerisch wie immer einfach klasse. Musikalisch wirkten die Irschenhauser Musikanten, die Loisachtaler Jagdhornbläser, die Sängerinnen aus Achmühle und die jungen Nachwuchstrachtler des Gebirgstrachtenvereins Loisachtal mit.

Alles besetzt, auch der berühmte letzte Platz: Die Aufführungen der Loisachtaler Bauernbühne waren ausverkauft.

Monate hatte die LBB für die Aufführungen am Loisachufer geprobt. Hochachtung für eine Leistung, die sich durchaus messen lässt mit der langjährigen Aufführung unter der Regie von Christian Stückl im Münchner Volkstheater. Obwohl einige im Vorfeld skeptisch waren, da eine Frau den Boandlkramer mimte. Doch Lisa Richter überzeugte: Leichenblass geschminkt, in ein schwarzes Trachtenkleid gehüllt, spielte sie den Tod knöchern, kichernd, verschämt, aber auch gewollt feminin. Wolfgang Roth begeisterte als alter Haudegen und Wilderer Brandner. Beide textsicher und spontan, mimisch hervorragend wie aus dem Leben.

„Heit is der Dog, der dir aufgesetzet ist“

Die Handlung muss hier nicht vertieft werden. Jeder kennt sie. „Heit is der Dog, der dir aufgesetzet ist. Das Ende ist nah“, kichert die Boandlkramerin, als sie dem Kaspar in seiner Hütte erscheint. Auf der Jagd hatte ihn die tödliche Kugel als Streifschuss verfehlt. Ein Missgeschick der Boandlkramerin, das sie noch bereuen wird. Denn der Kaspar kartelt und schnapselt mit ihr und handelt weitere 15 Jahre Leben heraus. Doch dann stirbt seine geliebte Enkelin Marei (Christine Just) an seiner Stelle. 

Nicht zu überhören: die Loisachtaler Jagdhornbläser. 

Es kommt zum Deal. Die Boandlkramerin kehrt zu Kaspar zurück und überredet ihn „nur eine Stunde nei schaung ins Paradies“. Kaspar willigt ein, setzt sich ins Ruderboot und fährt mit hinauf zur Himmelspforte. Dort werden ihm die Sünden verziehen, ihm gefällt’s und er bleibt.

Bereits mehrfach hat die Loisachtaler Bauernbühne das Stück von Franz von Kobell aufgeführt: 1994 erstmals auf der Bergwaldbühne. 1998 ein zweites Mal. 2003 zur 1000-Jahrfeier Wolfratshausens und 2009 anlässlich der Wiedereröffnung der Loisachhalle.

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