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Über die Magie von Adventskalendern schreibt Pastoralreferentin Dr. Martina Eschenweck.

Gastkommentar

Die Magie der Adventskalender

Dr. Martina Eschenweck, Katholische Pastoralreferentin, im Pfarrverband Schäftlarn hat sich Gedanken über einen Begleiter im Advent gemacht.

Adventskalender sind eine wunderbare Sache. Ich staune jedes Jahr, welche Vielfalt angeboten wird. Die Zeiten, in denen ich einen mit Süßigkeiten gefüllten Adventskalender bekommen habe, nicht warten konnte und spätestens am Nikolaustag alle Türchen geöffnet hatte, um an die Schokolade zu kommen, sind längst vorbei. Heute fasziniert mich ein Adventskalender, der mir für jeden Tag vom ersten Advent bis zum Dreikönigstag ein ausgefallenes Bildmotiv und einen inspirierenden Text bietet.

Dr. Martina Eschenweck, Katholische Pastoralreferentin im Pfarrverband Schäftlarn

„Perspektivwechsel“ ist ein solcher Text überschrieben und beginnt: „Advent heißt Warten.“ Dann stimmt der Text in die Klage ein, dass Advent eine unruhige und gehetzte Zeit sei statt einer ruhigen. Gott sei längst verloren, es werde immer schwieriger, ihn zu finden. Ein resignativer Grundton zieht sich durch den Text. Spricht er mich an? Ja, schon, denn ich kann diese Erfahrungen teilen.

Heute gehört es zum guten Ton, mit einem ironischen Lächeln zu sagen: „Ja, ja, der Advent – die staade Zeit. Wir haben alle fast nichts zu tun…“ Das Wort von der stillsten Zeit im Jahr stammt aus Zeiten, in denen Elektrizität und Automobil tatsächlich noch Fremdworte waren. Die Kürze der Tage und der Schnee verlagerten das Leben von draußen nach drinnen. In der Landwirtschaft gab es neben der Stallarbeit weniger zu tun. Da war der Advent mit seinen vielfältigen Gebräuchen eine Atempause im Jahreslauf.

Heute, im technischen und digitalen Zeitalter, stehen im letzten Monat des Jahres der Feiertage wegen weniger Arbeitstage an. Die sind aber genauso, wenn nicht noch mehr, gefüllt wie üblich. Dazu die verschiedenen Weihnachtsfeiern, die Besorgungen, die Einkäufe… Im Advent gibt es viel zu viel zu tun. Bis Heiligabend oder vor dem Weihnachtsurlaub muss alles erledigt sein. Zum Warten ist keine Zeit.

Noch einmal lese ich den Text in meinem Adventskalender. Warum heißt er „Perspektivwechsel“? Die Überraschung kommt zum Schluss: „Und jetzt lesen Sie diesen Text noch einmal. Dieses Mal von unten nach oben.“ Und siehe da – auch das gibt einen Sinn. Und einen positiven, dieses Mal. Alle Verneinungen werden aufgehoben. Ja, Gott lässt sich finden, er fehlt nicht. Die Hektik des Advents lässt sich abbremsen durch Zeiten des Innehaltens.

Spricht der Text mich immer noch an? Ja, schon, denn auch ich kann diese Erfahrungen teilen. Sie sind wesentlich rarer als die alltäglichen Wahrnehmungen im Advent. Sie steigen auf, wenn ich mir die Zeit nehme, ein paar Minuten still vor dem Adventskranz zu sitzen, das Zimmer nur durch eine Kerze oder auch zwei, drei, vier Kerzen erleuchtet. Sie steigen auf, wenn ich mir Zeit nehme im Advent – für den Advent: beim Konzert, im Gottesdienst. Advent heißt Warten. Die Zeit dafür ist kostbar. Ich werde sie mir nehmen.

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