Ein Polizeieinsatz.
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Polizei und Rettungsdienst waren am Samstag gegen Abend an der Gemeinschaftsunterkunft am Loisachbogen in Wolfratshausen, die die Bezirksregierung betreibt, im Einsatz. Der Grund: Ein Bewohner wurde positiv auf das Coronavirus getestet.

Kritik aus den Reihen des Asylhelferkreises Wolfratshausen

Corona-Fall in Gemeinschaftsunterkunft: Bezirksregierung weist Vorwürfe zurück

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Nach einem Corona-Fall in der Gemeinschaftsunterkunft am Loisachbogen in Wolfratshausen ist Kritik laut geworden. Die Regierung von Oberbayern weist die Vorwürfe aus den Reihen des Asylhelferkreises zurück.

Wolfratshausen – Nach dem Corona-Fall in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) am Loisachbogen war Kritik von Dr. Gisela Weber-Grunwald laut geworden (wir berichteten). Die stellvertretende Koordinatorin des Asylhelferkreises Wolfratshausen hatte unter anderem darauf hingewiesen, dass sie am Freitag (30. Oktober) in der GU angerufen und einen Mitarbeiter gebeten habe, die nach ihrer Einschätzung mutmaßlich mit dem Coronavirus infizierte Person, die in einem Mehrbettzimmer untergebracht war, sofort in ein Einzelzimmer umzuquartieren. Passiert, so Weber-Grunwald, sei nichts. „Weder Freitag, noch Samstag oder Sonntag.“

„Unverzüglich“ Verlegung in ein Einzelzimmer

Das stimme so nicht, stellt ein Sprecher der Regierung von Oberbayern, die die GU am Loisachbogen betreibt, fest. Als die Unterkunftsverwaltung am 30. Oktober die Nachricht vom Kontakt eines Bewohners mit einer positiv getesteten Person erreicht habe, „wurde er unverzüglich, das heißt, noch am 30. Oktober in ein für solche Fälle frei gehaltenes Einzelzimmer verlegt“. Zudem sei der als sogenannter Indexfall bezeichnete Afghane umgehend mit einer „Corona-Schutzausstattung, insbesondere Schutzmasken“ ausgerüstet worden. Sofort nach Bekanntwerden des positiven Testergebnisses bei der Regierung von Oberbayern „wurde in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt die Verlegung des Bewohners in eine Isolationsunterkunft veranlasst“, so der Regierungssprecher.

Reihentestung ist für Freitag vorgesehen

Der Afghane selbst hatte am Samstag (7. November) von seinem positiven Testergebnis erfahren. Die Einrichtung am Loisachbogen steht seit diesem Tag unter vollständiger Quarantäne. Die Reihentestung der 44 Bewohner erfolgt laut Landratsamt am kommenden Freitag direkt in der Unterkunft. (cce)

Der Bericht vom 10. November 2020: - Dr. Gisela Weber-Grunwald, stellvertretende Koordinatorin des Asylhelferkreises in Wolfratshausen, ist mehr als verwundert. Sie habe bereits seit Freitag, 30. Oktober, Grund zu der Annahme gehabt, dass sich ein Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft (GU) am Loisachbogen mit dem Coronavirus infiziert haben könnte. Doch laut Weber-Grunwald habe das Gesundheitsamt in Bad Tölz viel zu spät auf entsprechende Hinweise reagiert. Nun appelliert die Wolfratshauserin mit Nachdruck an die Behörde, die Reihentestung der 44 Bewohner der GU, die seit Samstag unter Quarantäne steht, „so rasch wie möglich“ durchzuführen. Geplant ist die Reihentestung laut Landratsamt für kommenden Freitag.

Weber-Grunwald hat die Chronologie in einer E-Mail zusammengefasst und am Montagmorgen dem Landratsamt geschickt. Sie wisse, dass ein Bewohner der GU in der Nacht auf den 29. Oktober bei einem Freund übernachtet habe – nicht in der Unterkunft am Loisachbogen. Der Freund „war corona-positiv“. Tags darauf (30. November) sei sie kontaktiert und um die Telefonnummer des Gesundheitsamts gebeten worden. Besagtem Freund hätte das Gesundheitsamt einen Rückruf zugesagt, „der leider nicht kam“, so Weber-Grunwald. Um 12.44 Uhr, das protokollierte die promovierte Ärztin, habe sie persönlich noch am selben Tag versucht, das Gesundheitsamt zu erreichen. Gelandet sei sie beim Anrufbeantworter: „Sie rufen außerhalb der Dienstzeit an.“

Wolfratshauserin nahm Heft selbst in die Hand

Weber-Grunwald wählte nach eigenen Angaben anschließend die Nummer der GU am Loisachbogen. Sie habe das Gegenüber gebeten, den „Verdachtsfall“, der in einem Mehrbettzimmer untergebracht sei, sofort in ein Einzelzimmer umzuquartieren. Parallel habe sie die Regierung von Oberbayern, die die GU betreibt, über ihre Vermutung informiert. Passiert sei nichts. „Weder Freitag, noch Samstag oder Sonntag.“

Die Wolfratshauserin nahm schließlich am Montag (2. November) das Heft selbst in die Hand. Sie vereinbarte für den GU-Bewohner, der symptomfrei gewesen sei, für die Mittagszeit einen Testtermin in einer Hausarztpraxis in Wolfratshausen. „Weil wir ihn nicht mit Corona-Verdacht mit dem Bus zur Teststation nach Bad Tölz schicken wollten“, erklärt Weber-Grunwald.

„Dann begann das Warten“, berichtet die Helferkreis-Koordinatorin. Mehrfach habe sie der Verwaltungsleitung der GU geschrieben, dass noch kein Testergebnis vorliege – und dabei erfahren, dass die getestete Person weiterhin in einem Mehrbettzimmer wohne. Erst am Donnerstag (5. November) sei die Person von der GU in eine Isoliereinrichtung gebracht worden.

Das positive Testergebnis sei dem Betroffenen am Samstag (7. November) um 10.10 Uhr mitgeteilt worden. Sie habe gegen 11 Uhr versucht, das Gesundheitsamt zu erreichen. Doch erneut sei nur der Anrufbeantworter angesprungen. Weber-Grunwald will nicht ausschließen, dass sich der GU-Bewohner bereits am 29. Oktober – bei der Übernachtung bei seinem Freund – infiziert hat. Ergo sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er seither weitere Bewohner der GU am Loisachbogen angesteckt habe.

„Man hätte das Ganze viel früher in den Griff bekommen können“, so Weber-Grunwald gegenüber unserer Zeitung. Nun sei es dringend erforderlich, alle 44 GU-Bewohner „so rasch wie möglich und nicht erst am 13. November zu testen“.  cce

Stellungnahme des Landratsamts

„Grundsätzlich ist das Vorgehen, sofort vorsichtig zu agieren und darüber zu informieren, dass man Kontakt zu einem positiven Fall hatte, absolut richtig“, stellt die Pressesprecherin der Kreisbehörde, Marlies Peischer, fest. Dennoch müsse man bedenken, dass das Gesundheitsamt Personen, „die sich melden, symptomfrei sind und sagen, sie hätten Kontakt zu einem positiven Fall gehabt, nicht sofort testen kann und soll“. Es müsse „ein Zusammenhang mit dem Indexfall auch von Seiten des Indexfalles“ hergestellt werden können. Rückblickend könne davon ausgegangen werden, „dass die Person vom Indexfall nicht als Kontaktperson 1 genannt wurde, sonst hätte es eine Benachrichtigung gegeben“, sagt Peischer zum konkreten Fall. Und: Wenn beim Gesundheitsamt niemand ans Telefon gehe, bestehe die Möglichkeit, eine E-Mail zu senden: „Diese werden sieben Tage die Woche gelesen und abgearbeitet.“

Zur geplanten Reihentestung der GU-Bewohner erläutert Peischer, dass den Termin das Gesundheitsministerium definiert habe: „Laut den Vorgaben sollen die Bewohner am Ende der Quarantäne getestet werden. Aus diesem Grunde findet die Testung am 13. November statt.“ Die Einrichtung am Loisachbogen steht nach ihren Worten bis 16. November unter Quarantäne, da der sogenannte Indexfall, das heißt, die infizierte Person am 2. November isoliert worden ist. (cce)

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