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Nichts geht mehr: Mit dem Bau der zweiten Stammstrecke in München wird eine S 7-Verlängerung nach Geretsr ied „nicht mehr gehen“, fürchtet Dr. Martin Runge (Grüne).

Aus für S 7-Verlängerung ?

Martin Runge (Grüne) zweifelt S-Bahn-Finanzierung an 

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Wolfratshausen – Der ehemalige Landtagsabgeordnete Dr. Martin Runge (Grüne) hat Zweifel am Finanzierungskonzept der zweiten Stammstrecke in München. Folgen hat das auch für Wolfratshausen und Geretsried.

Der Bau der zweiten S-Bahn-Röhre in der Landeshauptstadt kostet gut 3,8 Milliarden Euro. Für den ehemaligen Landtagsabgeordneten Runge sind die Pläne eine „Luftnummer“. Sein Hauptvorwurf: Der Freistaat müsse den finanziellen Anteil des Bundes vorfinanzieren. Der hatte zugesichert, laut Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) gut 1,5 Milliarden Euro der Gesamtkosten zu übernehmen. Das Problem: Diese Summe fließt nicht auf einen Schlag, sondern wird in Tranchen von jeweils 55 Millionen Euro im Jahr überwiesen. Selbst bei einer Erhöhung der GVFG-Mittel wäre „der Bundesanteil an der Finanzierung erst in etwa zwei Jahrzehnten abfinanziert“, warnt Runge.

Gleisverlängerung „wird nicht mehr gehen“

Bei seiner Kritik wirft der Grünen-Politiker einen Blick über die Grenzen Münchens hinaus. Durch die einseitige Verwendung der GVFG-Mittel würden andere Projekte „kannibalisiert“. Statt die Bundesmittel allein in die zweite Stammstrecke zu pumpen, könnten damit nach seiner Meinung gut 20 andere Vorhaben realisiert werden. Darunter die seit vielen Jahren vorgesehene S-Bahn-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried. Knapp 94 Millionen Euro Zuschuss sind zu diesem Zweck beim Bund angemeldet. Runges Befürchtung: Mit den ersten Grabungen für die zweite Röhre seien die Bundesmittel langfristig futsch, eine Gleisverlängerung nach Geretsried „wird nicht mehr gehen“.

Dr. Martin Runge: ehemaliger Landtagsabgeordneter der Grünen.

Ähnlich äußert sich der Landesvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn in Bayern, Winfrid Karg. Pro Bahn sehe „mit großer Sorge“, dass der Freistaat durch die hohen Kosten für den Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke „in den nächsten 20 Jahren viele andere dringend notwendige Vorhaben im Öffentlichen Verkehr nicht realisieren kann“. Dazu zählt für den Chef des bayerischen Fahrgastverbandes der Ausbau zahlreicher bestehender Pendlerstrecken im Freistaat. 

Widerspruch kommt aus dem Bayerischen Staatsministerium des Inneren, Bau und Verkehr: „Die Realisierung der zweiten Stammstrecke hat ebenso wie die S 7-Verlängerung keine Auswirkungen auf das Anmeldeverfahren zum GVFG-Bundesprogramm“, beteuert eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage unserer Zeitung. Die Nichtanmeldung der geplanten Gleisverlängerung in die größte Stadt im Landkreis für 2016 bis 2019 habe nichts mit der zweiten Stammstrecke zu tun, „sondern es liegt allein daran, dass die Anmeldetabelle des Bundes nur Projekte mit Realisierungsbeginn bis spätestens 2019 umfasst“.

Kein Spatenstich bis 2019

Dieses Ziel ist laut eines Sprechers der Deutschen Bahn in München unmöglich zu erreichen. Bis 2019 erfolge „ganz, ganz sicher“ kein Spatenstich. Der Grund sei die notwendig gewordene Neuplanung im Bereich der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen. Wie berichtet hatte sich die Flößerstadt erfolgreich gegen die von der Bahn favorisierte Beibehaltung des beschrankten Gleisübergangs gewehrt. Nun soll dort ein rund 44 Millionen Euro (Preisstand 2009) teurer Tunnel beziehungsweise Trog entstehen. 27 Millionen Euro übernehmen Bund, Freistaat und Bahn, bleibt eine Finanzierungslücke von 17 Millionen Euro. Davon zahlt der Landkreis 70 Prozent, das sind rund 11,9 Millionen Euro. Die restlichen 30 Prozent teilen sich die Kommunen Wolfratshausen und Geretsried brüderlich – das beschlossen die jeweiligen Stadtratsgremien.

„Bayern wird weiterhin alle geeigneten Projekte zum Bundesprogramm anmelden“, kündigt die Sprecherin des Verkehrsministeriums an. Aber sie schränkt ein: „Projekte wie die S 7-Verlängerung, die erst nach 2019 zur Realisierung anstehen, werden natürlich erst dann angemeldet, sobald der Bund Anmeldungen auch für solche Projekte zulässt.“ Bisher sei für den eingleisigen Streckenbau bis nach Geretsried eine erste Finanzierungstranche für das Jahr 2019 vorgesehen. „Grundsätzlich ist aber hier die Deutsche Bahn AG Vorhabenträgerin und meldet das Vorhaben über das Eisenbahnbundesamt beim Bundesverkehrsministerium an.“

Spitzengespräch im Freistaat

Für diesen Mittwoch hat Ministerpräsident Horst Seehofer zu einem Spitzengespräch über wichtige Bahnthemen im Freistaat unter anderem Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Gruber, eingeladen. Schwerpunktthema ist laut Pressemitteilung die zweite Stammstrecke.

cce

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