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Vorlaut selbstbewusster Niederbayer: Martin Wichary alias „Wiggerl“ präsentierte im Hinterhalt sein drittes Soloprogramm „Leb’n und Leb’n lassen“. 

Kabarett im D'Amato

Ansichten eines vorlauten Niederbayern

Wolfratshausen - Extrem unterhaltsam verlief der Abend mit dem Kabarettisten "Wiggerl" im D'Amato. Die Anekdoten aus dem niederbayerischen Alltag rissen das Publikum hin. 

Der Abend vor Karfreitag sollte noch ein ausgesprochen unterhaltsamer werden. Das jedenfalls versprach ein fröhlich feixender, vorlaut selbstbewusster Niederbayer, der kurz nach 20 Uhr die vordere Bühne in der Wolfratshauser Bar D’Amato bestieg. Und er sollte recht behalten. „Wiggerl“, bürgerlich Martin Wichary aus Berglern (Landkreis Erding), entführte sein Publikum mit seinem dritten Soloprogramm „Leb’n und Leb’n lassen“, einem nach eigenen Aussagen immer noch unpolitischen Kabarett-Programm, in eine Welt der schrägen Typen, die einem bei näherer Betrachtung gar nicht mehr so schräg vorkamen. Je länger der Wiggerl in breitestem Niederbayerisch seine Figuren zitierte und sezierte, je länger und lauter sich die Zuschauer vor Lachen bogen, je mehr erkannten sie darin vielleicht ihre Nachbarn, ihre Freunde und – im schlimmsten Fall – gar sich selber.

Die schrägen Typen wirken plötzlich nicht mehr schräg

Im richtigen Leben Techniker bei einem großen Automobil-Hersteller begann der Wiggerl wohl schon im Kindergarten damit, den anderen Leuten Witze zu erzählen und stand im Alter von 16 Jahren bereits auf der Theaterbühne. Das freie Erzählen bunt gemischter Anekdoten aus dem Alltag, scheinbar mühelos hintereinander weg, wirkte authentisch und teilweise gar autobiografisch. Bei seinem Streifzug durch seine Heimat erzählte er von seiner ruhmvollen eigenen Vergangenheit als Vereinsfußballer – inklusive ausführlicher Schilderung damit verbundener sonstiger Vergnügungen. Er machte sich über die „Hungerhaken“-Models wie Kate Moss („Moss, Kathl“) lustig und stellte seine „Tante Elfriede“ vor, über 20 Jahre schon Witwe und seitdem wie eine hungrige Kreuzspinne beständig auf der Lauer nach „frischem Fleisch“, mit nicht immer erfreulichen Folgen.

Eine Liebeserklärung auf niederbayerisch

Bei der nicht ganz freiwilligen „niederbayerischen Liebeserklärung“ des 85-jährigen Bauern an seine 80-jährige Gattin nach 60 Jahren Ehe und dem anschließenden Versuch einer vielleicht letzten gemeinsamen Liebesnacht („kummst Du oder gehst Du?“) kannte die Erheiterung des Publikums dann keine Grenzen mehr. Gegen Ende waren sich alle einig, dass diese niederbayerische Einstimmung auf ein langes Wochenende besser kaum hätte sein können. Dabei tat es weder der Stimmung in der Bar noch der Laune des Künstlers irgendwie Abbruch, dass das D’Amato leider nicht vollkommen ausverkauft war.

Ein nachdenklicher Appell am Schluss

Nach einer mit vielen „Bravo“-Rufen erklatschten Zugabe entließ der Wiggerl seine Zuschauer mit dem wohl an einem solchen Abend eher unerwarteten Appell, doch gegenüber den Umtrieben der Mitläufer der Pegida und ähnlicher Vereinigungen jetzt und künftig immer wachsam zu bleiben und diesen üblen Anfängen zu wehren. Dieses nachdenklich stimmende Ende schmälerte die Vorfreude auf ein nächstes Mal mit Wiggerl allerdings in keinster Weise. Assunta Tammelleo

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