Das Amtsgericht Wolfratshausen.
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Vor dem Amtsgericht Wolfratshausen musste sich eine 54-Jährige wegen Ladendiebstahls verantworten.

Wolfratshauserin wegen Diebstahls angeklagt

Medikamenten-Überdosis zum Tatzeitpunkt: So entscheidet Amtsrichter

  • vonRudi Stallein
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Eine Ladendiebin (54) stand zum Zeitpunkt der Tat unter Medikamenteneinfluss. Das wertete das Amtsgericht Wolfratshausen zu ihren Gunsten.

Wolfratshausen – Mit zwei Tüten in der Hand wollte eine Kundin den Supermarkt verlassen. Doch nicht durch die Kasse, sondern durch die Eingangstür. Daran erinnerte sich der stellvertretende Filialleiter, dem die Stammkundin am 26. Juni vorigen Jahres um die Mittagszeit aufgefallen war. „Sie hat nicht viel gesagt. Aber sie war komisch“, berichtete der Zeuge.

Es tut mir leid, ich bereue das.“

Die Angeklagte vor Gericht

Mit seiner Vermutung lag der Mann richtig. „Ich war nicht klar im Kopf“, erklärte die Wolfratshauserin (54), die sich jetzt wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht verantworten musste. Sie habe an jenem Tag viel zu viel Beruhigungsmittel geschluckt, dass sie gegen Panikattacken und Angstzustände verschrieben bekommen habe. Deshalb stand bei der Verhandlung die Frage nach ihrer Schuldfähigkeit im Vordergrund. Denn den Diebstahl von Salat, Fetakäse, Schokolade, Wienern und einer Tüte Obst im Wert von insgesamt rund 18 Euro räumte die Frau unumwunden ein: „Es tut mir leid, ich bereue das.“

Diebin wirkte auf Polizistin „verwirrt“

Eine Polizistin berichtete: „Sie wirkte verwirrt und leicht abwesend.“ Ein Nervenarzt, der die Angeklagte begutachtet hatte, kam zum Schluss, dass das Handeln der 54-Jährigen zum Tatzeitpunkt zwar vermutlich „unheimlich verlangsamt“ gewesen sei. „Aber die Einsichtsfähigkeit war mit Sicherheit nicht aufgehoben, ebenso nicht die Steuerungsfähigkeit“. Eine verminderte Schuldfähigkeit sei dennoch nicht ausgeschlossen.

Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt

In der Verhandlung machte die Frau einen konzentrierten Eindruck. Nach dem Gespräch mit dem Gutachter habe sie das Medikament abgesetzt. „Da hat es Klick gemacht“, sagte die Wolfratshauserin. Wegen ähnlicher Vorfälle, mutmaßlich ebenfalls durch falsche Medikamentendosierung beeinflusst, war sie in den vergangenen Jahren bereits drei Mal jeweils zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Nun verließ sie das Gericht mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, die Richter Helmut Berger für zwei Jahre zur Bewährung aussetzte. (rst)

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