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Brandwunden versorgen, Kompressen legen: All das gehört zu den Aufgaben von Lukas Widmann.

Entwicklungshilfe – mit Skalpell und Ball

Medizinstudent Lukas Widmann engagiert sich in Burkina Faso

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Wolfratshausen – Der Wolfratshauser Medizinstudent Lukas Widmann engagiert sich für Benefiz-Projekt in Burkina Faso. Er leistet dort Entwicklungshilfe mit einem ganz besonderen Projekt.

Lukas Widmann liebt den Fußball. Mit seinen erst 22 Jahren hat er schon eine Reihe von Vereinen abgeklappert. Er begann bei der JFG Wolfratshausen, wechselte zur FT Starnberg, danach zum TuS Geretsried, bevor er sich dem BCF anschloss – auch deshalb, weil er sich früh für den Trainerjob interessierte. „Gerhard Thanner hat mir angeboten, bei der JFG die D 2-Junioren zu übernehmen“, sagt Widmann. Zwischendurch rutschte er als Ergänzungskicker gelegentlich in den Landesliga-Kader der Farcheter. Mittlerweile spielt der Ball im Leben des jungen Wolfratshausers eine untergeordnete Rolle, Stift und Skalpell nahmen seinen Platz ein. Widmann studiert Medizin im französischen Poitiers. Das liegt etwa auf halbem Weg zwischen Paris und Bordeaux. Er ist im sechsten Semester und könnte sich vorstellen, später als Unfallchirurg zu arbeiten.

Trotz des zeitlichen Aufwands, den das Studium verschlingt, hat der 22-Jährige einen Weg gefunden, Fußball und Medizin zu vereinbaren. Dabei half eine Besonderheit des französischen Hochschulsystems. Jede Fachschaft dort wählt sich ein Feld, auf dem sie sich ehrenamtlich engagiert. Widmann und seine etwa 25 Mitstreiter entschieden sich für ein Hilfsprojekt in Burkina Faso und tauften es „Laafi Bala“, was in der dortigen Landessprache so viel heißt wie: „Geht’s Dir gut?“

Eine große Freude für arme Menschen: Der BCF Wolfratshausen hat Lukas Widmann mit Trikots, Bällen und Schuhen versorgt.

Die Frage hat ihre Berechtigung. Der westafrikanische Staat habe in der Theorie zwar das Gesundheitssystem seiner ehemaligen Kolonialmacht Frankreich adaptiert, sagt Widmann. „Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus. Eine Behandlung im Krankenhaus kann sich nur der leisten, der Geld hat.“ Und die Mehrheit der knapp 19 Millionen Einwohner ist sehr arm. Die medizinische Versorgung der meisten Menschen beschränkt sich auf einfache Sanitätszentren, die höchstens Basishilfe wie Wundbehandlung, Verbandswechsel und ähnliches leisten. Und selbst das ist für viele unerschwinglich.

Dort setzt „Laafi Bala“ an. Die Studenten-Organisation, deren Präsident Widmann mittlerweile ist, sammelt das ganze Jahr über mittels Benefiz-Aktionen Geld. „Wir überweisen monatlich etwa 200 Euro nach Burkina Faso. Damit bezahlen wir drei einheimische Sanitäter, den Sprit und Ersatzteile für einen alten Krankenwagen.“ Dessen beste Tage sind allerdings schon gezählt. „Das Auto müssen wir bald austauschen. Das ist das nächste Projekt.“ Die Hilfe beschränkt sich allerdings nicht nur aufs Finanzielle. Jedes Jahr macht sich eine etwa sechsköpfige Abordnung der Studenten auf nach Burkina Faso. Den Flug zahlen die Studenten selbst. Ihre Erfahrungen dort vermachen sie der nächsten Studentengeneration für den folgenden Besuch.

Widmann war heuer von Mitte Mai bis zum 9. Juni in Afrika. „Wir haben mitgearbeitet, die Sanitäter unterstützt.“ Das habe sich über die Versorgung von Brandwunden, dem Legen von Kompressen bis hin zu notwendigen Hygienemaßnahmen erstreckt. „Wenn du dort jemanden einen weißen Verband anlegst, ist der am nächsten Tag nämlich schwarz und von Fliegen übersät.“

Getunnelt: Gespielt wird barfuß oder in Flip-Flops.

Entwicklungshilfe leistete Lukas Widmann obendrein in Sachen Fußball – bei seiner Vorgeschichte quasi ein Muss. Er bat die Freunde beim BCF um nicht mehr benötigtes Equipment. Die Farcheter kooperierten toll, versorgten ihren Ex-Kicker mit Bällen, Fußballschuhen und Trikots, auf denen ein längst nicht mehr aktueller BCF-Sponsor prangte. Mit diesen Geschenken war der 22-Jährige auf den Straßen Ouagadougous, der 1,2-Millionen-Metropole Burkina Fasos, der König.
 
„Die Jungs dort spielen barfuß oder in Flip-Flops in Staub und Dreck. Fußballschuhe sind gerade für die Kinder eine Sensation.“ Abends auf den Plätzen der Stadt ist Widmann „oft eingeladen worden, mit den Älteren zu kicken“. Deren häufigste, absolut ernst gemeinte Frage sei gewesen: „Ich will in Europa Profi werden. Kannst Du mir helfen?“ Die meisten Menschen, sagt Lukas Widmann, „glauben wirklich, bei uns wächst alles auf den Bäumen“.

Info

Wer für Lukas Widmanns Organisation „Laafi Bala“spenden möchte, findet Informationen dazu im Internet unter www.betterplace.org/de/organisations/28631-laafi-bala. Widmann ist telefonisch unter der (französischen) Mobilnummer 0 03 36 33 02 91 20 zu erreichen.

peb

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