Der Schulreferent des Wolfratshauser Stadtrats, Fritz Meixner.
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Der Schulreferent des Stadtrats: Mit zwei Schwestern und einem Bruder wuchs Fritz Meixner (hier vor der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg) auf einem Bauernhof in dem 250-Einwohner-Dorf Altenbanz in Oberfranken auf. Der 51 Jahre alte Geschäftsführer des Kinder- und Jugendfördervereins Wolfratshausen sitzt seit 2014 für die SPD im Stadtrat und ist Sprecher der SPD/FDP-Fraktion.

Interview mit Schulreferent Fritz Meixner

„Mega-Projekt“: Das sagt Wolfratshausens Schulreferent zum Millionen-Vorhaben am Hammerschmiedweg

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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  • Die Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg in Wolfratshausen wird generalsaniert und erweitert.
  • Aktuelle Kostenschätzung: 60 Millionen Euro - zu viel für die Kommune.
  • Schulreferent Fritz Meixner erklärt im Interview mit unserer Zeitung, wie es nun weitergeht.

Wolfratshausen – Seit 2014 ist Fritz Meixner (51) Stadtrat und spricht für die SPD-Fraktion, der seit der neuen Amtsperiode auch ein Vertreter der FDP angehört. Vor zwei Jahren wählte das Gremium den Geschäftsführer des Kinder- und Jugendfördervereins Wolfratshausen zum Schulreferenten des Stadtrats. Im Gespräch mit unserer Zeitung bricht Meixner eine Lanze für die Mittelschulen, erklärt, wie es mit der beschlossenen Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg weitergeht und sagt, zu welchem fatalen Signal „es nie kommen darf“.

Herr Meixner, was macht der Schulreferent in den großen Ferien?

Er schaltet mal für ein, zwei Wochen komplett ab und schöpft neue Kraft. Denn das Thema Schule ist ein wirklich großes Thema für die Stadt Wolfratshausen.

Was macht den Schulstandort Wolfratshausen besonders – oder ist es ein Schulstandort wie viele andere auch?

In den kommenden Jahren werden geburtenstarke Jahrgänge eingeschult

Die Besonderheit ist, dass wir mehrere große Komplexe, die miteinander verwoben sind, berücksichtigen, das heißt, im Auge haben müssen: Die Ganztagsbetreuung, zwei sanierungsbedürftige Gebäude, die Fusion zweier Mittelschulen und die Entwicklung der Schülerzahlen. Fakt ist: Wir haben starke Geburtenjahrgänge, die in den kommenden Jahren eingeschult werden. Wir brauchen im Grundschulbereich mehr Platz.

Diese Entwicklung ist doch bekannt, die kann die Kommune doch nicht überraschen.

Richtig. Wir befassen uns schon lange mit dem Thema und haben bereits 2015 entsprechende Beschlüsse gefasst. Wir werden von den Schülerzahlen also nicht überrascht.

Die Konsequenzen?

Der Stand ist, dass wir in Wolfratshausen mit Weidach eine vierzügige Grundschule haben, das heißt, in jedem Jahrgang vier Klassen. Wir haben drei Klassen am Hammerschmiedweg und eine in Weidach. Perspektivisch ist eine dauerhafte Fünfzügigkeit zu erwarten. Vier Klassen am Hammerschmiedweg und eine in Weidach – falls der Standort Weidach erhalten bleibt.

Wie wahrscheinlich beziehungsweise unwahrscheinlich ist das?

Zur Beantwortung dieser Frage darf man nicht nur die Entwicklung der Schülerzahlen betrachten, sondern muss auch zwei städtische Gebäude unter die Lupe nehmen: Die alte Madlschule am Hammerschmiedweg und das Grundschulgebäude in Weidach. Wenn sich die Stadt auf den Weg macht, die Zukunft der Schule zu planen, die unsere Kinder die nächsten Jahrzehnte besuchen, dann ist es alleine unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten legitim, den Standort Weidach zu hinterfragen. Es ist eine Option, diesen Standort aufzulösen und die vier Klassen an den Hammerschmiedweg zu holen. Dort ist bekanntlich ein Grundschulneubau geplant – in dem könnten vier zusätzliche Klassenzimmer berücksichtigt werden. Die Alternative wäre die Sanierung der Weidacher Schule. Ich gebe aber zu bedenken: Es ist ein sehr altes Gebäude, die Generalsanierung müsste im Bestand erfolgen, und für die Bauzeit müsste wohl eine Interimslösung geschaffen werden.

Ich würde sagen: Dass wir in Weidach und an der Madlschule am Hammerschmiedweg einen Sanierungsstau haben, ist bekannt.“ 

Fritz Meixner, Schulreferent des Wolfratshauser Stadtrats

Das klingt nach einem zentralen Grundschulstandort am Hammerschmiedweg.

Diese Entscheidung hat der Stadtrat zu treffen.

Wie hoch ist der Zeitdruck bei dieser Entscheidung?

Hoch. Ich bringe in diesem Zusammenhang mal das Stichwort Klimanotstand ins Spiel. Wir wissen aus den Energieberichten – ich sag’s mal salopp –, dass wir in Weidach zum Fenster raus heizen.

Ist beim Gebäudeunterhalt in den vergangenen Jahren etwas versäumt worden?

Ich würde sagen: Dass wir in Weidach und an der Madlschule am Hammerschmiedweg einen Sanierungsstau haben, ist bekannt. Aber noch ein Wort zum Entscheidungsdruck: Der ergibt sich auch aus der Ganztagsbetreuung. Hier gibt’s gnadenlose Fakten, das heißt, die Inanspruchnahme von Betreuungsleistungen nach der Schule steigt kontinuierlich. Zum Schuljahr 2020/21 bekommen wir neue Spitzenwerte. Wir lagen immer bei etwa 65 Prozent Inanspruchnahme, in Wolfratshausen-Weidach erreichen wir im neuen Schuljahr 77 und in Waldram 80 Prozent bei den neuen Erstklässlern.

Welche Betreuungsangebote gibt es aktuell in Wolfratshausen?

Da ist zum einen der Kinderhort und zum anderen die Mittagsbetreuung. Man muss aber wissen: Die Bundesregierung will 2025 einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Schulkinder einführen. Die Weichen werden schon gestellt, der Bund will bereits jetzt den Städten und Gemeinden zwei bis drei Milliarden Euro für den Ausbau der Ganztagsbetreuung zur Verfügung stellen.

Da ruft der Schulreferent des Wolfratshauser Stadtrats bereits heute laut „Hier!“, um an einen Teil des Geldes zu kommen?

(lacht) Na klar. Es wäre ja höchst fahrlässig, wenn wir auf der einen Seite schon wissen, wie hoch der Bedarf in Wolfratshausen aktuell ist, dass die Schülerzahlen in den nächsten Jahren steigen werden, das heißt, mehr Platz für die Kinderbetreuung am Nachmittag gebraucht wird – und würden auf der anderen Seite das Thema Fördermöglichkeiten links liegen lassen.

Für die Ganztagsbetreuung müssen Konzepte entwickelt werden

Gibt es Flächen, die für den Ausbau der Ganztagsbetreuung genutzt werden können?

Nein, die gibt es im Moment nicht. Sie müssten geschaffen werden. Ich möchte an dieser Stelle jedoch darauf hinweisen: Die Stadt Wolfratshausen ist in puncto Schulkinderbetreuung seit Jahren hervorragend aufgestellt. Allerdings haben wir die Mittagsbetreuung an der Hammerschmiedschule derzeit an zwei provisorischen Standorten ausgelagert. 70 Kinder werden in der Containeranlage an der Königsdorfer Straße betreut. Die Container stehen auf Privatgrund, der Mietvertrag ist bis 2023 befristet – so viel noch zum angesprochenen Entscheidungsdruck. Zudem werden 27, 30 Mädchen und Buben im Jugendhaus La Vida betreut. Das heißt unterm Strich: 100 Kinder aus der Mittagsbetreuung sind in Provisorien untergebracht. Und die Unterbringung in der Containeranlage ist eine sehr teure Übergangslösung.

Die Alternative?

Konzepte entwickeln und das Raumangebot schaffen, in dem Ganztagsbetreuung kindgerecht, langfristig und nachhaltig stattfinden kann. Wir müssen einen Grundschulstandort für die Ganztagsangebote entwicklungsfähig gestalten. Das hat uns auch das Schulamt als Hausaufgabe mit auf den Weg gegeben.

Den Ort gibt’s wo?

Den müssen wir im Zuge der Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg – mit Mensa – schaffen.

Aktuell beläuft sich die Kostenschätzung für die Sanierung und die Erweiterung auf 60 Millionen Euro.

So ist es. Aufgrund dieser Summe steht bekanntlich alles noch einmal zur Disposition. Aber wir werden nicht umhinkommen, sehr zeitnah – und so ist es auch von Bürgermeister Klaus Heilinglechner geplant – definitive Entscheidungen zu treffen. Grundsätzlich sieht der Schulentwicklungsplan vor, dass die zwei Grundschulstandorte, Wolfratshausen und Waldram, erhalten bleiben. Die zweite Prämisse: Zwei Mittelschulstandorte wird es auf Dauer nicht mehr geben können, wir müssen die beiden Mittelschulen fusionieren.

Warum das?

Das ist ein sehr komplexes Thema. Vereinfacht formuliert: Wir haben für zwei Mittelschulstandorte im Kontext der Zuteilung von Lehrerstunden zu wenige Schüler, das Stichwort heißt Übertrittsquote. Leider hat die Mittelschule generell keinen guten Ruf, wobei ich ausdrücklich betone, dass an unseren beiden Mittelschulen hervorragende Arbeit geleistet wird. Aber in der Klausur des Stadtrats in der Loisachhalle hat uns Schulamtsdirektorin Petra Burkhardt zum wiederholten Mal klipp und klar erklärt, dass an der Fusion der Mittelschulstandorte in Wolfratshausen kein Weg vorbei führt. Übrigens: Auch die beiden Schulrektoren, Frank Schwesig und Josef Märkl, nahmen an der Klausur teil.

Schon im Februar stellte der Stadtrat fest: 60 Millionen Euro für ein modernes Schulzentrum am Hammerschmiedweg sind finanziell nicht darstellbar.

Richtig. Aber ich gehe davon aus, dass wir keine 60 Millionen Euro brauchen. Ich würde mir bei der Diskussion mehr Differenzierung wünschen. Und man muss kurz zurückschauen: Wie wurden aus zunächst 30 Millionen schließlich 60 Millionen Euro? Antwort: Der Stadtrat hat nach der ersten Kostenschätzung die Einkaufsliste erweitert. Diese Einkaufsliste war genau genommen eine Prüfliste. Wir haben den ursprünglichen Plan um rund 16 000 Kubikmeter bebaubaren Raum erweitert. Konkret: Wir haben noch den Bau einer Tiefgarage und einen Neubau an der Stelle der bestehenden Aula am Hammerschmiedweg ins Auge gefasst. Wir reden also über eine Volumenmehrung – die noch nicht beschlossen ist! –, die mit knapp zehn Millionen Euro zu Buche schlagen würde. Dazu 5,7 Millionen Euro für eine Containerlösung während der Bauzeit. Inzwischen wissen wir, dass die Bauabfolge funktioniert, ohne dass Schüler/Lehrer in Interims-Container ausweichen müssen. Zu der Kostenmehrung haben zudem der gestiegene Baupreisindex – fast zwei Millionen Euro seit der ersten Schätzung – sowie vertiefte Baugrunduntersuchungen geführt. Und: In der aktuellen Kostenschätzung ist eine Sicherheitsreserve von fünf Millionen Euro berücksichtigt. Zählt man das alles zusammen, werden aus 30 rund 60 Millionen Euro.

Gibt es eine Billigvariante, eine Notlösung?

Ergo muss das Projekt abgespeckt werden.

Das Vollprogramm ist für die Kommune nicht finanzierbar, das steht fest. Wir müssen alles noch einmal unter die Lupe nehmen.

Das heißt, es gibt eine Billigvariante, eine Notlösung ...

... auf keinen Fall! Das sehe ich überhaupt nicht so. Mit Blick auf die Fusion der Mittelschulen, die Ganztagsbetreuung und die Anforderungen an eine moderne, kleinräumige Grundschule mit einem nachhaltigen pädagogischen Konzept werden wir genau das bekommen, was wir brauchen. Auch wenn wir Abstriche machen müssen.

Die müssen wo gemacht werden?

Das wird der Stadtrat entscheiden müssen. Aber ich stelle mal die Frage in den Raum: Brauchen wir eine Tiefgarage? Die Module, die wir rausnehmen können, sind in der Klausurtagung in der Loisachhalle klar benannt und jeweils mit Kosten hinterlegt worden. Aber: Je länger wir Entscheidungen aufschieben, desto teurer wird das Vorhaben. Im besten Fall bekennen wir noch in diesem Jahr Farbe, sodass wir zum Schuljahr 2021/22 loslegen können. Es ist mir aber auch wichtig zu sagen: Wir haben keine Luxus-Schule geplant.

Kann die Kommune in puncto Generalsanierung und Erweiterung mit Fördergeldern rechnen?

Ja, der Freistaat sitzt mit im Boot. Die Förderung funktioniert vereinfacht gesagt vor dem Hintergrund von Raumprogrammen – wir liegen im Bereich einer fünfzügigen Grundschule. Da sagt der Freistaat: Wenn ihr in einer bestimmten Flächenbandbreite baut, ist das Projekt förderfähig. Und so, wie unsere Schule geplant ist, entspricht sie exakt der Vorgabe in puncto Flächenbandbreite. Summa summarum reden wir am Hammerschmiedweg perspektivisch über 36 Klassenräume für Grund- und Mittelschüler.

Machen wir’s konkret: Was wird, was darf das „Mega-Projekt“, wie es Bürgermeister Heilinglechner nennt, kosten?

An Zuschüssen für Vereine soll nicht gespart werden

Vorab: Es ist eine der umfangreichsten und teuersten Pflichtaufgaben, die die Stadt seit vielen Jahren zu bewältigen hat. Es ist auf jeden Fall eine große Herausforderung. Ich denke, dass wir eine zukunftsorientierte Schule unter 50 Millionen Euro realisieren können. Mit entsprechender staatlicher Förderung schaffen wir es vielleicht, dass am Ende eine Drei vor der Gesamtsumme steht. Und wenn wir diese Summe über mehrere Haushaltsjahre verteilen, sollten wir das Vorhaben, das ja eine Investition in die nächsten Jahrzehnte ist, schultern können.

Müssen ansonsten andere Projekte dem Rotstift zu Opfer fallen?

Wo soll die Stadt denn sparen? Bei den kleineren Beträgen wie den Vereinszuschüssen? Das Vereinsleben macht unsere Stadt doch attraktiv und lebenswert. Da möchte ich als Schulreferent – und ich glaube, ich spreche da für alle Stadtratskollegen – auf keinen Fall Einsparungen vornehmen. Die Corona-Krise hat uns doch vor Augen geführt, wie eine Stadt ausschaut, wenn das Vereinsleben zum Erliegen kommt. Jetzt, nachdem das gesellschaftliche Leben langsam zurückkehrt, zu sagen, wir kürzen Zuschüsse fürs ehrenamtliche Engagement, wäre ein fatales Signal, das nie kommen darf.

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