Eine Frau und Männer gehen über eine Brücke.
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Wolfratshausens Ex-Bürgermeister Helmut Forster (re.) und sein Nachfolger Klaus Heilinglechner (Mi.) gehen mittlerweile getrennte politische Wege.

Heilinglechner: „Erkenne den Sinn nicht“

Mehr Kompetenzen für Wirtschaftsreferent: Rathauschef hadert mit Entscheidung

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Der Wolfratshauser Stadtrat hat die Kompetenzen des Wirtschaftsreferenten Helmut Forster erweitert. Bürgermeister Klaus Heilinglechner stimmte gegen den Beschlussvorschlag.

  • Im Kommunalwahlkampf kam‘s zum Bruch zwischen Bürgermeister Heilinglechner und seinem Vorgänger Forster.
  • Nun hat der Stadtrat die Kompetenzen des Wirtschaftsreferenten Forster erweitert.
  • Rathauschef Heilinglechner kann den Sinn dieser Entscheidung nicht erkennen.

Wolfratshausen – Das Verhältnis zwischen Bürgermeister Klaus Heilinglechner und seinem Amtsvorgänger ist seit dem Kommunalwahlkampf unterkühlt, um es vorsichtig zu formulieren. Forster selbst sagt, das Tischtuch sei zerschnitten, Heilinglechner begründet das Zerwürfnis mit „unüberbrückbaren Differenzen“. Nun hat der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit die Kompetenzen des Wirtschaftsreferenten Forster erweitert – der Rathauschef stimmte gegen den Beschlussvorschlag.

Heilinglechner gilt als politischer Ziehsohn seines Amtsvorgängers, beide engagierten sich viele Jahre gemeinsam in der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW). Doch im Herbst vergangenen Jahres verkündete Forster, 1995 Gründungsmitglied der BVW, im Gespräch mit unserer Zeitung einen Paukenschlag: Er werde der BVW den Rücken kehren und gemeinsam mit anderen Stadträten eine neue lokalpolitische Kraft aus der Taufe heben. Das Kind bekam den Namen Liste Wolfratshausen, Forster zog im Mai 2020 erneut in den Stadtrat ein – und wurde vom Gremium einstimmig als Wirtschaftsreferent bestätigt.

Bei der Kommunalwahl kam‘s zum Bruch

Kurz vor der Bürgermeister-Stichwahl (Heilinglechner versus Günther Eibl/CSU) Ende März beteiligte sich Forster auch an einer Anzeigenkampagne: Wegen der mutmaßlich schweren Zeiten, die auf die Corona-Krise folgen würden, „brauchen wir einen Bürgermeister, der sowohl die wirtschaftliche als auch die soziale Kompetenz hat und sich fachmännisch beraten lässt, wie diese schwierige Situation für unsere Stadt und ihre Bürger möglichst gut gelöst werden kann“. Das sei nicht Heilinglechner, sondern Eibl. Die Stichwahl entschied der Amtsinhaber mit 1015 Wählerstimmen Vorsprung auf Eibl für sich.

Er und sein Mentor seien „inhaltlich auseinandergedriftet“, meint Heilinglechner rückblickend. Das Tischtuch sei zerschnitten, gibt Forster zu – „das will ich nicht leugnen“, bestätigt Heilinglechner. Vielleicht habe sich sein ehemaliger politischer Weggefährte die Amtsführung seines Nachfolgers „etwas anders vorgestellt“.

Stadtrat bestätigt Wirtschaftsreferent im Amt

Der Stadtrat wiederum scheint äußerst zufrieden mit der Arbeit des Wirtschaftsreferenten Forster zu sein. Einstimmig bestätigte das Gremium den 72-Jährigen in diesem Amt – nach der Sommerpause räumte das Gremium Forster mit großer Mehrheit noch weiterreichende Kompetenzen als bislang ein. Wörtlich heißt es in der aktualisierten Referentenordnung: „Der Betreuungsbereich des Wirtschaftsreferenten umfasst (...) die Beratung beim Kauf von Liegenschaften, bei der Bewertung von Vorkaufsrechten sowie bei der Vermarktung, Belastung und Bewertung aller städtischen Liegenschaften.“

Rathauschef spricht von „Anpassung“

Heilinglechner mag nicht von einer Erweiterung der Kompetenzen sprechen. Der 53-Jährige nennt es „Anpassung“. Der Wirtschaftsreferent könne künftig an allen internen Gesprächsrunden, die sich ums Thema städtische Liegenschaften drehen, teilnehmen. Bis dato habe sich die Verwaltung um Grundstücksver- und ankäufe sowie um die Bewertung von kommunalen Liegenschaften gekümmert. Wenn erforderlich, unter Hinzuziehung „eines externen Gutachters“. Dies sei „seit Jahrzehnten“ gängige Praxis gewesen. Diese Aufgabe nun „zwingend“ in der Referentenordnung zu verankern, „darin erkenne ich den Sinn nicht“. Sein Nein habe „definitiv nichts mit unserem persönlichen Verhältnis zu tun“, betont der Bürgermeister. Forster war vor seiner Wahl zum Rathauschef im Jahr 2008 Leiter der Immobilienabteilung der Sparkasse – „verfügt also über ein sehr hohes Maß an Fachkompetenz“, so Heilinglechner. Aber wenn der nächste Wirtschaftsreferent des Stadtrates kein Immobilienexperte ist – „ändern wir die Referentenordnung dann wieder?“

Der Wirtschaftsreferent des Stadtrats sei ähnlich wie der Wirtschaftsförderer, Stadtmanager Dr. Stefan Werner, „ein Bindeglied zwischen Wirtschaftsunternehmen und der Verwaltung“, konstatiert Heilinglechner. Entscheidungen treffe ausnahmslos der Stadtrat. Und: „Der Wirtschaftsreferent ist selbstverständlich zur Verschwiegenheit verpflichtet.“ (cce)

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