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Virtuose Raffinesse: Nabil Shehata (li.) spielte ein Kontrabass-Konzert. Ihn begleitete das Philharmonische Orchester Isartal unter Leitung von Christoph Adt.

"Klassik pur!" in der Loisachhalle

Mehr als nur tiefe Töne

Wolfratshausen – Klassik pur! im Isartal präsentiert „Solo für Kontrabass“ mit Nabil Shehata in der Loisachhalle.

Tiefe Töne kann er, der Kontrabass. Normalerweise steuert er sie bescheiden zum Klang eines Sinfonieorchesters bei. Dass das größte aller Streichinstrumente auch als Soloinstrument taugt und viel mehr kann als „nur“ tiefe Töne, bewies Nabil Shehata am Samstagabend in der Loisachhalle. In dem Kontrabasskonzert des russisch-amerikanischen Komponisten Serge Koussevitzky demonstrierte er die unglaubliche Klangfülle und Klangkraft seines Instruments.

Ein Werk, das der international vielfach preisgekrönte Solist häufig auf seinen Konzertreisen spielt, denn das Original-Repertoire für Kontrabass hält sich in engen Grenzen. Koussevitzky, ebenfalls ein Virtuose auf dem Kontrabass, hatte sich selbst jahrelang mit Arrangements begnügen müssen, die ursprünglich für andere Instrumente geschrieben waren. Anfang des 20. Jahrhunderts machte er sich dann ans Komponieren – eigentlich nur für den Eigengebrauch. Heraus kam ein klassisch-dreisätziges Werk, das sich in Klang und Motiven an seinen Vorbildern Tschaikowski und Dvorák orientiert. Erst nach seinem Tod 1951 wurde es veröffentlicht und bereichert seither das Repertoire vieler Solo-Kontrabassisten.

Shehata interpretierte es mit technischer Brillanz und virtuoser Raffinesse. Im gefühlvollen Dialog mit dem Philharmonischen Orchester Isartal unter Leitung von Christoph Adt brachte er die Ausdruckskraft seines Instruments bestens zur Geltung. Von samtiger Wehmut getragen, von energischer Verve getrieben – die russische Seele des Stücks schien durch die Loisachhalle zu schweben: hervorgelockt durch einen in Kuweit geborenen und in Deutschland aufgewachsenen Sohn eines Ägypters und einer Deutschen.

Der sympathische Künstler und sein Instrument bezauberten das Wolfratshauser Publikum. Nach der furiosen Schlusspassage am oberen Ende des verfügbaren Tonumfangs wollte der Applaus nicht enden. Viermal wurde Shehata zurück auf die Bühne der Loisachhalle geholt, bis er sich mit dem letzten Satz einer Suite des österreichischen Komponisten Hans Fryba – ebenfalls ein bekannter Kontrabass-Virtuose – endgültig verabschiedete.

Eingerahmt wurde Shehatas „Solo für Kontrabass“ durch die „Linzer Sinfonie“ von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schuberts „Tragische“, aufgeführt durch das Philharmonische Orchester Isartal. Höhepunkt des Abends war jedoch eindeutig das Kontrabasskonzert, das das tiefste Instrument der Streicherfamilie aus seinem ungerechtfertigten Schattendasein herausholte. Solo hatten es die meisten Zuhörer bisher noch nicht erlebt. Die Reaktionen: „Wunderschön“ und „Ein tolles Konzert“. Das war beim Hinausgehen mehr als einmal zu hören.

Clara Wildenrath

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