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Eine 3,50 Meter hohe Mauer (roter Bereich) soll die Bewohner des auf dem Grundstück Sauerlacher Straße 15 geplanten Mehrgenerationenhauses vor Verkehrslärm schützen. 

Mehrheit für den Mauerbau

Mehrgenerationenhaus: Bauausschuss erlaubt 3,50 Meter hohen Lärmschutz

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An einer fast vier Meter hohen Mauer um das geplante Mehrgenerationenhaus schieden sich im Wolfratshauser Bauausschuss die Geister. Die Mitglieder einigten sich auf einen Kompromiss.

Wolfratshausen Die Maro-Genossenschaft hat das Areal an der Sauerlacher Straße 15, auf dem das denkmalgeschützte ehemalige Krankenhaus steht, in Erbpacht von der Stadt übernommen (wir berichteten). Die Genossenschaft will das alte Klinikgebäude sanieren – und auf dem Grundstück ein Mehrfamilienhaus mit 22 Wohnungen sowie einer Tiefgarage errichten. Das Ganze trägt den Titel Mehrgenerationenprojekt. Die Dimension des Vorhabens löste in der Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend eine kontroverse Diskussion aus – vor allem an einer geplanten fast vier Meter hohen Lärmschutzwand schieden sich die Geister.

Das Gros der Ausschussmitglieder war bereit, einige Kröten zu schlucken. Dazu zählte unter anderem das vom Bauherrn beantragte zusätzliche Vollgeschoss im westlichen Bereich des Grundstücks sowie die Überschreitung der Baugrenze in Richtung Hammerschmiedweg um 1,50 Meter auf einer Länge von gut elf Metern. Die Abweichungen seien „markant“, stellte Dr. Hans Schmidt (Grüne) fest. „Doch wir brauchen Sozialwohnungen“, brach er eine Lanze für den Investor.

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Richard Kugler (parteifrei für die CSU) lehnte den Bauantrag dagegen rigoros ab: Das geplante Mehrfamilienhaus sei „überzogen, brutal massiv“ und zudem gebe es zu wenig Parkplätze. „Ich lehne das Bauvorhaben komplett ab.“ Nein sagten auch Kuglers Fraktionskollegen Günther Eibl und Claudia-Drexl-Weile zu dem Antrag. Durch eine Zustimmung würden in ihren Augen Präzedenzfälle geschaffen, dies komme für die Christsozialen nicht in Frage.

„Mit Staunen“ habe er zur Kenntnis genommen, dass von der nördöstlichen bis zur südöstlichen Ecke des Areals eine 3,85 Meter hohe Mauer gebaut werden soll, sagte Fritz Schnaller (SPD). Wenngleich die Mauer laut Bauamtsleiterin Susanne Leonhard durch „Sitznischen“ aufgelockert wird, fand der Vize-Bürgermeister nur wenig Gefallen an der Lärmschutzmaßnahme. Mit Blick auf andere beantragte Abweichungen vom rechtsverbindlichen Bebauungsplan könne er über seinen Schatten springen, so Schnaller – „aber nicht über die geplante Mauer“. Der Sprecher der Bürgervereinigung Wolfratshausen (BVW), Josef Praller, haderte mit der Höhe des Schutzwalls. Die Bebauung des Grundstücks habe in seinen Augen stadtbildprägenden Charakter – einer fast vier Meter hohen Mauer werde er nicht zustimmen.

Dr. Ulrike Krischke (BVW) sah keinen Grund, die Mauer abzulehnen. Sie verwies auf den Lärmaktionsplan der Kommune. Den Bewohnern des Mehrgenerationenhauses den Krach von Pkw, Lkw und Bussen zuzumuten, „nur weil’s unserem Auge nicht gefällig ist“, sei nicht nachvollziehbar. Den Verkehrsteilnehmern, die an Mauern vorbeifahren, „bietet sich vielleicht zehn Sekunden ein unschönes Bild – aber der, der dort wohnt, ist dem Lärm immer ausgesetzt“. Diese Menschen „verdienen unseren Schutz“, betonte Krischke mit Nachdruck.

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„Zugegeben: Die Mauer ist strittig“, sagte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW). Doch er könne ihr „durchaus etwas abgewinnen“. Der Architekt der Maro „wird sich etwas dabei gedacht haben“, meinte der Rathauschef mit Hinweis auf den „hohen Verkehrslärm“ im Bereich Sauerlacher Straße/Am Floßkanal. „Ich habe mit der Mauer kein Problem“, stellte Heilinglechner fest. Der Lärmschutzwall garantiere den Bewohnern des Maro-Objekts „mehr Lebensqualität“.

Unterm Strich einigte sich der Bauausschuss mit 7:3 Stimmen auf einen Kompromissvorschlag von Gerlinde Berchtold (SPD). Die Genossenschaft darf eine maximal 3,50 Meter hohe Mauer errichten. Sie zieht sich vom ehemaligen Krankenhaus um die Kurve an die Straße Am Floßkanal und endet zirka zwei Autolängen hinter der Ampel. Insgesamt wird die Mauer laut Leonhard rund 25 Meter lang. Nach ihren Worten belegen alte Fotos, das die Grundstücksgrenze einstmals „mit einer ähnlichen Mauer bebaut war“.

(cce)

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