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„Mein Herz ist evangelisch“: Reinhard Michel ist der neue Mesner

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Von: Sabine Hermsdorf-Hiss

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Die gute Seele der Kirche: Reinhard Michel.
Die gute Seele der Kirche: Reinhard Michel. © Hermsdorf-Hiss

Nach dem Tod des langjährigen Mesners Manfred Hellmuth im Juli vergangenen Jahres hat die evangelische Pfarrei St. Michael in Wolfratshausen in dem 47-Jährigen Reinhard Michel nun einen Nachfolger gefunden.

Wolfratshausen – Pünktlich zum Antritt an seinem neuen Arbeitsplatz war erst einmal eine Art Umschmücken angesagt. Genauer, der Austausch des Paraments, also des Tuchs, das über dem Altar in der evangelischen Kirche St. Michael ausgebreitet wird. In Reinhard Michels Fall von Grün auf Violett, dann, zu Weihnachten, auf Weiß, im Anschluss wieder auf Grün. Michel muss es wissen: Er ist seit 1. Dezember der neue Mesner des Gotteshauses an der Bahnhofsstraße.

„Jede Zeit hat ihre liturgische Farbe“, erklärt der 47-Jährige, rückt die Kerzen zurecht, und bringt ein paar Beispiele. „Weiß, die Farbe des Lichts, wird zu Ostern und in der Weihnachtszeit verwendet, Rot an Pfingsten, Grün wird an den normalen Tagen ausgelegt.“

Zu seinem Beruf fand Michel über Umwege. „Ich wollte nach dem Abitur entweder Gärtner oder Fotograf werden“, erinnert er sich. Die Leidenschaft für die Kamera setzte sich gegen den grünen Daumen durch. „Ich vermute wegen der hübschen Mädchen.“ Der 47-Jährige lacht herzlich.

Doch über die Jahre veränderten sich das Berufsbild und die Anforderungen immer mehr. „Die Digitalisierung hielt Einzug, ebenso die Globalisierung. Letzteres hatte für mich eine betriebsbedingte Kündigung zur Folge.“ Michel, verheiratet und Vater eines achtjährigen Sohnes, zuckt mit den Schultern. „Da stand ich nun, und musste sehen, wie es weitergeht.“

Fast zwei Jahre mit Unterbrechungen war der Münchner, der in Kürze auch in die Loisachstadt zieht, arbeitslos. „Dann traf ich einen Freund wieder, der erzählte, dass er nun Mesner sei – und da dachte ich mir: warum eigentlich nicht?“ Einen Bürojob, in dem er acht Stunden pro Tag am Schreibtisch sitzt, wollte Michel ohnehin nicht machen. „Ich wollte etwas schaffen und in Kontakt mit Menschen sein.“

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Seine erste Stelle als Mesner trat der 47-Jährige – selbst Protestant – ausgerechnet in einer katholischen Kirche in München-Blumenau an. Ein paar Monate später wechselte er in ein konfessionsgleiches Gotteshaus nach Holzkirchen. Doch wirklich glücklich war er nicht. „Man ist Mesner und Hausmeister zugleich – allerdings überwog die Arbeit für die verschiedenen Gottesdienstvorbereitungen. Mir kam die handwerkliche Tätigkeit zu kurz.“ Michel zog die Konsequenz: „Wenn ich etwas mache, will ich auch mit all meiner Kraft dazu stehen.“ Und: Immer wieder hatte er zudem den Eindruck, dass es die Kirche lieber gesehen hätte, wenn er zum katholischen Glauben konvertiert wäre. „Das wäre dann aber nicht mehr ich gewesen. Mein Herz ist evangelisch.“

Da fiel ihm eine Stellenausschreibung von der Wolfratshauser Kirche St. Michael in die Hände. „Ich dachte nur noch: Das ist es.“ Michel bewarb sich, wurde genommen – und fühlte sich umgehend willkommen. „So, als ob man einfach hierher gehört.“ Seinem Chef, Pfarrer Florian Gruber, gegenüber empfindet er große Hochachtung: „Er predigt nicht nur, er lebt danach. Er ist ein Pfarrer, der Kontakt zu den Menschen sucht, der ansprechbar ist.“

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Nach über einem Monat im neuen Job, stellt Michel fest: „Der Unterschied, einen katholischen oder einen evangelischem Gottesdienst vorzubereiten, ist immens.“ An seiner früheren Arbeitsstelle begann es mit dem Legen von noch nicht konsekrierten (in den Dienst Gottes gestellten) Hostien in die dafür vorgesehene Schale bis hin zum Bereitstellen liturgischer Geräte wie Monstranz und Kelch. „Die evangelische Kirche ist hier eher zurückhaltend.“

Auch die handwerkliche Arbeit kommt in Wolfratshausen nicht zu kurz. „Vom Fensterputzen in der Kirche über das Laubrechen in den Außenanlagen bis hin zu Reparaturarbeiten ist alles dabei.“ Michel lacht bei der Erinnerung an seinen ersten Arbeitstag. „Ich habe im Anschluss daran meine Mutter besucht“, erzählt er. „Sie meinte nur, ,so, wie du jetzt strahlst – das muss das Richtige für dich sein´.“

sh

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