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Angela Merkel tritt nochmal als Kanzlerkandidatin bei der Bundetagswahl an.

Keine Überraschung, aber wenig Freude

Merkel-Kandidatur: So reagiert die CSU im Landkreis

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Bad Tölz-Wolfratshausen –Keine Überraschung, aber wenig Freude: Die CSU im Landkreis reagiert verhalten auf die Nachricht, dass Angela Merkel nochmal als Bundeskanzlerin reagiert.

Wenn der Name Angela Merkel fällt, ist eine kontroverse Diskussion garantiert – gleich ob am Stammtisch, am Arbeitsplatz oder in den CSU-Ortsverbänden. Dort gehen die Meinungen weit auseinander, ob es eine gute Entscheidung ist, dass Merkel das vierte Mal als Bundeskanzlerin kandidiert.

Wirklich überrascht von ihrer Kandidatur wurde kein Ortsverbands-Vorsitzender im Landkreis. „Sie ziert sich jedes Mal“, sagt Susanne Thomas, Vorsitzende der Wolfratshauser CSU. „Für ihre Verhältnisse ist sie mit der Kandidatur dieses Mal richtig früh dran.“ Auch dem Münsinger CSU-Chef Martin Ehrenhuber war Merkels Entscheidung klar. Seiner Ansicht nach hätte die Kanzlerin längst Signale ausgesendet, wenn sie nicht mehr kandidiert hätte.

Doch damit endet schon die Einigkeit bei den CSU-Anhängern. Wenn es um die Beurteilung von Merkels Arbeit geht, gehen die Einschätzungen weit auseinander. Harsche Kritik übt Michael Neubauer, stellvertretender Vorsitzender des Eglinger Ortsvereins, der anstelle der verhinderten Theresia Bauer spricht. Bei der Energiewende habe Merkel „ohne Augenmaß“ gehandelt, ihre Griechenland-Politik sei „fahrlässig“ und ihre Flüchtlingspolitik verstoße gegen Recht und Gesetz. Für nicht akzeptabel hält der Deininger auch Merkels Schweigen zur Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank.

Zu einem komplett anderen Ergebnis kommt Geretsrieds CSU-Ortsvorsitzender Ewald Kailberth in seiner Analyse. „Zu 90 Prozent hat sie einen sehr guten Job gemacht.“ In der Wirtschafts- und Griechenland-Krise habe die Kanzlerin sehr viel geleistet: „Wären da Banken hopps gegangen, wäre alles viel schlechter gelaufen.“ Merkel sei in schwierigen Zeiten ein Fels in der Brandung.

Bei der Frage, ob es gut ist, dass Merkel wieder kandidiert, gehen die Meinungen ebenso weit auseinander. „Ich sehe das mehr als kritisch“, sagt Michael Neubauer. Martin Ehrenhuber, Chef des Münsinger Ortsverbands, pflichtet ihm bei: „Ich hätte mir einen neuen Kandidaten gewünscht, der frischen Wind reinbringt.“ Die Mitglieder ihres Ortsverbands sähen die Kandidatur „nicht so positiv“, bestätigt Susanne Thomas. Für die bayerischen Abgeordneten werde die Arbeit nicht einfach, „denn sie müssen sich jetzt rechtfertigen. Wie es mit den Flüchtlingen vonstattengeht, beurteilen wir ganz anders als die Leute im Norden."

Dagegen sagt Albert Berghofer, Vorsitzender der Eurasburger CSU: „Dass sie wieder kandidiert, ist auf alle Fälle die richtige Entscheidung.“ Merkel sei in Europa sehr anerkannt. Ewald Kailberth findet: „Auch wenn ich kein Merkel-Fan bin: Alle anderen Entscheidungen wären schlimmer gewesen.“ Vor allem hätte es ein anderer Kandidat in der vergleichweisen kurzen Zeit bis zur Bundestagswahl nicht mehr geschafft, sich zu profilieren.

Dies sieht auch Michael Häsch von der Dietramszeller CSU so. „Ich schrei’ nicht Juhu, aber Merkels Kandidatur ist eine vernünftige Lösung.“ Vor allem ihre Erfahrung spreche für sie, gerade im Umgang mit den USA, Russland und dem Nahen Osten. Andererseits werde es für sie schwierig, die Spaltung der Gesellschaft zu kitten.

Wie soll sich die CSU nun verhalten? „Ich erwarte bedingungslose Unterstützung“, sagt Albert Berghofer. Ewald Kailberth gibt zu bedenken: „Es geht bei dieser Wahl nicht nur um die Bundeskanzlerin, sondern um Parteien. Ich möchte mithelfen, dass die CSU-Leute so gut wie möglich abschneiden.“

Einen ganz anderen Weg empfiehlt Martin Ehrenhuber: „Die CSU darf sich auf keinen Fall Merkel und der CDU unterordnen. Die CSU muss ohne Rücksicht klar Profil zeigen.“ Hinter Merkel stehe er, wenn sie stärker auf die Forderungen der Christsozialen eingeht. Zu einer ähnlichen Empfehlung kommt Michael Neubauer: „Die CSU muss sich thematisch abgrenzen. Unter diesen Voraussetzungen bleibt uns aber nichts anderes übrig, als sie zu unterstützen“, sagt Neubauer.

pr

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