Ein neues Jahr bringt viele gute Vorsätze mit sich. 

gott und die welt 

Michaela Kleemann über Vorsätze

Ein neues Jahr bringt viele gute Vorsätze mit sich. Darüber macht sich Diakonin Michaela Kleemann diesmal in unserer Serie „Gott und die Welt“ Gedanken.

Michaela Kleemann Evangelische Diakonin in Geretsried und Wolfratshausen

Geretsried/ Wolfratshausen - Mit den Vorsätzen für das neue Jahr ist das immer so eine Sache. Hoch motiviert fängt man in den ersten Tagen des Jahres an, seine Vorhaben in die Tat umzusetzen. Doch jetzt, keine drei Wochen später, sieht das bei vielen schon wieder ganz anders aus. Die Anmeldung für das Fitness-Studio ist vielleicht in der Ablage gelandet, die Laufschuhe sind wieder ganz hinten im Schrank verschwunden, und die geplante Zeit für die Familie ist doch an den Umständen des Alltags gescheitert. „Ich nehm’ mir gar nichts mehr vor, dann geht’s wenigstens auch nicht schief“, hat mir letztens jemand gesagt. Das ist sicher die einfachste Lösung: Wer nichts vorhat, kann auch nicht scheitern.

Ich habe mir zwei Dinge für 2018 vorgenommen: Zum einen werde ich, wie schon im letzten Jahr, vier Großstädte besuchen. Berlin und Brüssel stehen gedanklich schon fest, bei den anderen bin ich noch ganz offen. Der andere Vorsatz ist da schon ein bisschen komplexer und auch gar nicht so leicht in Worte zu fassen: Ich möchte im Alltag schöne Momente verschenken.

Die Idee dazu bekam ich im Urlaub in Palästina Anfang Dezember 2017. In Jerusalem wollten wir eine Adventsandacht in der evangelischen Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg besuchen. Also ab zum Busbahnhof, richtigen Bus finden, Abfahrt erfragen. „In zehn Minuten“, also die richtige Zeit, um einen Kaffee zu organisieren – der Busfahrer ist informiert. Leider finden wir keinen Kaffeeverkäufer und kehren ohne Kaffee zum Bus zurück, den wir auf keinen Fall verpassen wollen. Der Fahrer fragt uns, was aus unserem Kaffee wurde – und nach unserer Geschichte fordert er uns zum Sitzen auf. Er zückt sein Handy, ruft irgendwo an, vergeblich. Dann steht der Fahrer auf, läuft einmal durch den Bus, kommt mit einem etwa zwölfjährigen Jungen zurück, den er aus dem Bus schickt. Nach nur wenigen Minuten kommt der Junge zurück und hat zwei Becher hervorragenden Kaffee dabei, die er uns auch gleich in die Hand drückt. Wir haben uns total gefreut und fragten den Busfahrer, wie viel der Kaffee denn kosten würde, und er meinte, dass er uns gerne einladen möchte, denn Kaffee sei in Palästina ein Grundnahrungsmittel. Diese Begegnung mit dem Busfahrer war für mich der allerbeste Moment in meinem ganzen Urlaub. Das Gefühl, das er in mir ausgelöst hat – einfach unbeschreiblich!

Und genau das möchte ich teilen und weitergeben. Ich bin mir bewusst, dass solche Momente nicht täglich möglich sind, dass viele Umstände hinderlich sein können. Aber wenn sich ein Moment ergibt, in dem ich jemandem so ein tolles Erlebnis schenken kann, möchte ich zugreifen können. Nicht immer nur darüber nachdenken und reden, wie man anderen Menschen etwas Gutes tun kann, sondern einfach mal machen! Ich hoffe, ich kann meinen Vorsatz durch das ganze Jahr immer mal wieder im Kleinen und im Großen einhalten. Und vielleicht sind gerade SIE mein Gegenüber.

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