Wolfratshausens Bürgermeister Klaus Heilinglechner beim Pressegespräch.
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„Bis jetzt mit zwei blauen Augen davongekommen“: Bürgermeister Klaus Heilinglechner berichtete am Montag in einem Pressegespräch über die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für Wolfratshausen.

Wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie

Kassensturz in Wolfratshausen: Was wird aus der Surfwelle und Co.?

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Stadtkämmerer Peter Schöfmann hat den Wolfratshauser Stadtrat informiert: Mindestens 2,3 Millionen Euro Steuereinnahmen werden aufgrund der Corona-Pandemie heuer fehlen. Alle geplanten Projekte müssen auf den Prüfstand.

  • Wolfratshauser Stadträte zogen sich hinter verschlossene Türen zurück
  • Nun steht fest, welche wirtschaftlichen Folgen die Corona-Pandemie hat
  • Alle geplanten Projekte ab 100.000 Euro werden hinterfragt

Wolfratshausen – Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind für die Flößerstadt nicht so schwerwiegend wie bislang befürchtet. „Doch das ist nur eine Momentaufnahme“, betonte Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) am Montag in einem Pressegespräch im Rathaus. Die weitere Entwicklung bis Ende des Jahres und darüber hinaus lasse sich nicht abschätzen.

Wie berichtet hatte sich Heilinglechner mit den Amtsleitern sowie dem Stadtrat in zweitägige Klausur begeben. In der Loisachhalle informierte Stadtkämmerer Peter Schöfmann über den Stand der Dinge: Der Einkommensteueranteil, den die Kommune vom Bund überwiesen bekommt, fällt heuer mindestens acht Prozent geringer aus als Ende 2019 prognostiziert – das heißt, es werden rund 1,3 Millionen Euro weniger. Zudem gibt’s zehn Prozent (etwa eine Million Euro) weniger Gewerbesteuer. Schöfmann schließt jedoch nicht aus, dass das Gewerbesteueraufkommen um bis zu 25 Prozent abnimmt.

Bund stellt bayerischen Kommunen 2,4 Milliarden zur Verfügung

„Bis jetzt sind wir mit zwei blauen Augen davongekommen“, bilanzierte der Bürgermeister. Nicht zu vergessen: Der Bund stellt den bayerischen Kommunen insgesamt 2,4 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Gewerbesteuerverluste – zumindest einen Teil davon – kompensieren zu können. Doch noch ist das Coronavirus in der Welt, ob der Bund den Städten und Gemeinden auch in den „Folgejahren“ finanziell unter die Arme greifen könne, stehe in den Sternen.

Unter die Lupe nahmen die Stadträte in der Klausur den Investitionsplan, konkret alle Projekte ab einer Größenordnung von 100 000 Euro. Ob Surfwelle, Rathauscafé-Sanierung, Aufwertung der Altstadt und neues Feuerwehrhaus: „Gestrichen wurde nichts“, berichtete der Rathauschef. „Aber wir fahren weiter auf Sicht, alles andere wäre fahrlässig“, die Stadt bleibe auf striktem Sparkurs. Im Oktober solle entschieden werden, welches Vorhaben zeitnah umgesetzt beziehungsweise welches Projekt „geschoben“ wird.

Auf der To-do-List bleibt die Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg. Laut Kostenschätzung müssen für das aus mehreren Einzelmodulen bestehende „Mega-Projekt“ (Heilinglechner) 60 Millionen Euro bereitgestellt werden. In der Klausur sei man übereingekommen, dass die Verwaltung mit den Planern Einsparpotenziale sucht, sprich auf das eine oder andere Modul (dazu zählen unter anderem ein Interimsgebäude, ein Lehrschwimmbecken und eine Tiefgarage) verzichtet werden kann/muss. 2021 solle mit den Arbeiten begonnen werden, so Heilinglechner, er geht von einer Bauzeit von „acht bis neun Jahren“ aus. Dementsprechend werden die Arbeiten in Teilbeträgen bezahlt, die Investitionen können über mehrere Haushaltsjahre verteilt werden. Fest stehe: Zwei Mittelschulstandorte „sind auf Dauer nicht haltbar“, konstatierte Heilinglechner. Das habe Schulamtsdirektorin Petra Burkhardt, die am Freitag an der Klausur in der Loisachhalle teilnahm, bestätigt.

Trotz Mindereinnahmen: Steuer- und Gebührenerhöhungen seien kein Thema, beteuerte der Bürgermeister. „Es gibt auch keine Kürzungen bei zugesagten Vereinsbezuschussungen.“ Perspektivisch könne er keine weiteren Aussagen treffen, „denn keiner weiß heute, wie sich die Lage weiter entwickelt.“ Als Beispiel nannte der Bürgermeister die Einkommensteuer: „Die Steuererklärung wird vom Arbeitnehmer in der Regel ein, zwei Jahre später beim Finanzamt eingereicht.“ Erst dann machen sich Kurzarbeitszeiten in Euro und Cent für die Stadt bemerkbar. cce

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