Loisach bei Hochwasser nahe Beuerberg
+
Land unter: Isar und Loisach traten – wie hier in Beuerberg – nach dem Starkregen über die Ufer.

Insgesamt 18 Feuerwehreinsätze

Hochwasser: Nord-Landkreis kommt mit blauem Auge davon

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
    schließen

Der starke Dauerregen am Montag und Dienstag ließ Bäche und Flüsse in der Region zwischenzeitlich kräftig anschwellen. Doch mittlerweile sinkt der Pegel der Loisach an der Messstelle Beuerberg wieder.

  • - Dauerregen am Montag und Dienstag
  • - Feuerwehren müssen mehrfach ausrücken
  • - Lage bleibt aber insgesamt entspannt

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Flößerstadt „ist bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen“, bilanzierte Wolfratshausens Rathauschef Klaus Heilinglechner am Dienstagnachmittag im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Regenrückhaltebecken, das die Kommune vor gut zwei Jahren oberhalb des Bergwalds anlegen ließ (wir berichteten), habe sich erneut als „perfekt“ bewährt.

Nachdem der Pegel der Loisach gegen 12 Uhr auf mehr als fünf Meter angeschwollen war, ergriff die Kommune nach Heilinglechners Worten allerdings Vorsichtsmaßnahmen. Die Fußgänger- und Radfahrerunterquerungen an der Johannisbrücke sowie am Paradiesweg in der Nähe des AWO-Demenzzentrums wurden gesperrt. Darüber hinaus befüllte die Feuerwehr Sandsäcke, um für den Fall des Falles gerüstet zu sein.

Baum verkeilt sich am Kastenmühlwehr

Einen „halsbrecherischen Einsatz“, so Heilinglechner, mussten die Mitarbeiter des Bauhofs am Kastenmühlwehr bewältigen. Dort hatte sich ein sehr großer Baum verkeilt. Mit vereinten Kräften gelang es, das Treibgut durchs Wehr zu ziehen. „Der Biber bereitet uns zunehmend Probleme“, stellte der Bürgermeister in diesem Kontext fest. Der Nager, der in Europa zu den streng geschützen Tieren zählt, „macht sich genüsslich an den Bäumen am Uferbereich zu schaffen“. Steigt das Wasser von Isar und Loisach, reißen die Fluten die ihrer Standfestigkeit beraubten Stämme mit – die in der Folge die Wehre verstopfen.

„Wir behalten die Hochwasserentwicklung im Auge“, kündigte Heilinglechner an. Er vertraue auf die Wetterfrösche, die ein Ende der Regenfälle für den späten Dienstagabend vorhersagten.

Noch haben wir alles im Griff

Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl

„Um 7.30 Uhr stieg der Loisachpegel an der Messstelle in Beuerberg über die Meldestufe drei“, das heißt über fünf Meter, berichtete Eurasburgs Bürgermeister Moritz Sappl. Um 14.30 Uhr waren es bereits 5,29 Meter. Er rechne damit, dass in der Spitze maximal 5,40 Meter Wasserhöhe erreicht werden, potenziell gefährdete Anrainer seien informiert worden. „Noch haben wir alles im Griff“, sagte der Rathauschef.

Nicht zuletzt, da der Boden kein Wasser mehr aufnehmen könne, „beobachten wir die Lage allerdings sehr genau“. Zum Vergleich: Beim Jahrhundert-Pfingsthochwasser 1999 stieg der Pegel der Loisach in Beuerberg auf 5,71 Meter – ein bis dato historischer Höchstwert.

Rasch vor Ort: Die Geretsrieder Feuerwehr rückte am späten Dienstagnachmittag zum Lidl-Markt an der Jeschkenstraße aus. Das steigende Grundwasser hatte die Tiefgarage des Discounters überflutet. Grundwasser darf nicht abgepumpt werden, um die Statik des Gebäudes nicht zu gefährden.

Anders als der Süden sei der Norden des Landkreises von schwerwiegenden Auswirkungen des Dauerregens verschont geblieben, berichtete Stefan Kießkalt, Pressesprecher der Feuerwehren im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen, auf Nachfrage. In der Gemeinde Münsing musste die Wehr nach seinen Worten fünf Keller auspumpen, in den Ortsteilen Ammerland und Holzhausen verloren einige Bäume im völlig durchgeweichten Untergrund den Halt und stürzten um.

In Eurasburg drohte bereits am Montagabend Hangwasser ein Gebäude zu überfluten. Gut zwei Stunden arbeitete die Feuerwehr laut Kießkalt – und konnte den Notfall abwenden. „Darüber hinaus gab’s am Dienstag noch einige kleinere Alarmierungen in Ascholding, Wolfratshausen und Weidach“ sowie im Dietramszeller Ortsteil Hechenberg. Dort konnte die Feuerwehr verhindern, dass ein Hauskeller voll Wasser lief.

Auch die Stadt Geretsried kam glimpflich davon: „Es drohte die Überflutung einer Tiefgarage“, berichtete Kießkalt, doch vor Ort habe sich das Geschehen als „nicht so dramatisch entpuppt“. Gegen 16.30 Uhr mussten die Einsatzkräfte noch einmal auf den Plan treten: Das steigende Grundwasser hatte die Tiefgarage des Lidl-Marktes an der Jeschkenstraße überflutet.

Ascholdinger Sägewerk meldet „Land unter“

Wasser hat keine Balken, das mussten in den zurückliegenden Stunden auch viele Autofahrer feststellen. Unter anderem wurde die Staatsstraße 2370 bei Lengenwies (Gemeinde Eurasburg) überflutet, dasselbe galt für die Geretsrieder Jeschkenstraße sowie den Königsdorfer Weg in Richtung Süden und den Isarradweg. Unpassierbar ist seit Dienstagvormittag zudem die Staatsstraße 2037 zwischen Penzberg und Beuerberg, konkret im Bereich der Ortsausfahrt Maxkron bis auf Höhe von Quarzbichl. Die Sperrung wird nach Angaben der Stadt Penzberg voraussichtlich bis Mittwoch dauern. Die Umleitung erfolgt weiträumig über die B 11 und Königsdorf. In Ascholding meldete das Sägewerk Harrer „Land unter“, der Pegelstand der Isar betrug an der Messstelle Puppling gegen 16 Uhr 3,59 Meter.

„Wir müssen jetzt den Loisachpegel genau im Auge behalten“, erklärte Feuerwehrsprecher Kießkalt am späten Nachmittag. Denn ab einer Wasserhöhe von 5,30 Metern bestehe Gefahr für die Kläranlage der Gemeinde. Kurz vor Redaktionsschluss betrug der Pegelstand 5,37 Meter, Tendenz bis Mitternacht fallend.

Kießkalt pendelte am Dienstag zwischen den Einsatzorten im Süden und Norden des Landkreises hin und her: „Man muss wirklich sagen, dass der Regen im Süden sehr viel stärker war.“ Die Konsequenz aus seiner Sicht: 18 Feuerwehreinsätze im Norden, 40 südlich der Gemeinde Königsdorf.

Die Hochwasserlage im südlichen Landkreis.

cce

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kommentare