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Mit der Tram nach Geretsried? Bürgermeister haben dazu klare Meinung

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Von: Dominik Stallein

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Ernüchternde Zahlen
           Ministerium bremsen die S-Bahn nach Geretsried
            . Montage: sh
Endstation Geretsried? Die Euphorie ist derzeit gebremst - und es gibt schon Überlegungen, welche Alternativen zur Bahn-Verlängerung sinnvoll wären. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Eine Straßen- statt einer S-Bahn nach Geretsried: Diese Idee präsentierte Alfred Fraas jüngst. Von der S7+ erhofft er sich viele Vorteile. Die sind umstritten.

Wolfratshausen – Er hat es wieder getan: Alfred Fraas, ehemaliger Wolfratshauser Stadtrat, stellte eine Idee vor: Statt der S-Bahn-Verlängerung, die nach wie vor auf sich warten lässt, möchte der 70-Jährige die Stadt Geretsried und die Gemeinde Königsdorf wie berichtet auf einem anderen Weg an den Wolfratshauser S-Bahnhof anschließen. Sein Plan: eine Straßenbahn, die mehrere Wohngebiete anfährt, und zum großen Teil auf dem Industriegleis verkehrt. Diese Vision hat er per Mail an die Bürgermeister der drei Kommunen geschickt. Die reagieren auf Fraas’ Idee – allerdings anders als der Wolfratshauser es sich wünschte.

Mit der Tram nach Geretsried? Bürgermeister haben dazu klare Meinung

„Die Idee ist auf der einen Seite interessant“, meint Rainer Kopnicky, „andererseits wirft sie viele Fragen auf.“ Der Königsdorfer Rathauschef stellt klar, dass sich seine Gemeinde an den Kosten nicht beteiligen kann – „aufgrund unserer finanziellen Situation“. Fraas hatte vorgerechnet, dass die „S7+“, so taufte er die Idee, mit rund 30 Millionen Euro „schon fast bezahlt“ werden könnte – also mit exakt jenem Betrag, den die Städte Wolfratshausen und Geretsried sowie der Landkreis für eine Tieferlegung des S-Bahnhofs in Wolfratshausen beisteuern müssten. Diese Maßnahme ist Teil der Gleisverlängerung.

S7-Verlängerung: Eine Alternative wird nicht gesucht

Wolfratshausens Vize-Bürgermeister Günther Eibl, der aktuell den urlaubenden Rathauschef Klaus Heilinglechner vertritt, erklärt, dass diese Finanzmittel zwar im langfristigen Investitionsplan der Flößerstadt eingetragen sind – aber derzeit nicht zur schnellen Verfügung stehen. Grundsätzlich stellt Eibl fest, dass sich die Bahnverlängerung derzeit im Planfeststellungsverfahren befindet. „Ein Baustopp wäre mir nicht bekannt“, konstatiert der Zweite Bürgermeister. Soll heißen: Das Projekt geht weiter. „Aufgrund der Situation stellt sich die Frage nach Alternativen eigentlich nicht.“

Michael Müller (Geretsried): „Ziel bleibt die Verbesserung des ÖPNV“

Das sieht Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller ähnlich. Er pocht seit Jahren auf eine schleunige Umsetzung des Infrastrukturprojekts. Das schrieb er in einer ausführlichen Antwort an den Wolfratshauser Fraas. Darin heißt es wörtlich: „Ziel bleibt die Verbesserung des ÖPNV in unserer Stadt, aber auch zu unseren Nachbargemeinden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen durch die Anbindung der wachstumsstarken Stadt Geretsried – mit seinen 26 000 Einwohnern – an das Münchner S-Bahn-Netz und den Bahnknoten München.“ Bei einer Straßenbahn sieht er jedoch mehrere Knackpunkte.

Deutsche Bahn bliebe außen vor - das wäre für Kommunen eine Herausforderung

„Einfacher, schneller und ohne umzusteigen sollen die Menschen hier bei uns von dieser Verlängerung der S7 profitieren.“ Außerdem würde eine – ohne die Beteiligung der Deutschen Bahn geplante und gebaute – „S7+“ bedeuten, dass die drei Kommunen Betreiber der Tram wären. „Bei einer Stadtbahn bräuchten die Städte einen eigenen Betriebshof, einen Betreiber und das notwendige Fachpersonal.“ Müllers Königsdorfer Amtskollege Rainer Kopnicky erteilt einer Beteiligung seiner Gemeinde an diesem Projekt eine eindeutige Absage: „Königsdorf ist aus meiner Sicht zu klein, um das stemmen zu können.“

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Michael Müller stellt erneut klar: „Für mich bleibt auch weiterhin die Umsetzung der S-Bahnverlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried das politische Ziel.“ Er möchte dafür „den politischen Druck auf die Entscheidungsträger im Freistaat beim Bund und bei der Bahn erhöhen“.

Landtagspolitiker mit klarer Botschaft: Die Bahn nach Geretsried muss kommen

In dasselbe Horn stieß kürzlich der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber. Der CSU-Politiker aus Bad Heilbrunn polterte nach der Ankündigung, dass der geplante Baubeginn im Jahr 2024 geplatzt ist: „Ich werde keine Ruhe geben und so aufdringlich werden, bis wir endlich das haben, was alle Menschen in der Region wollen, nämlich dass die erste S-Bahn nach Geretsried rollt.“ Landrat Josef Niedermaier stellte nach der Hiobsbotschaft aus dem Ministerium fest: „Zur S-Bahn-Verlängerung gibt es in meinen Augen für die Mobilität in unserer Region keine Alternative.“

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