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Schlüpft mit der Einsatzjacke in eine andere Rolle: Jasna Gehrke vom Kriseninterventionsdienst des Roten Kreuzes.

Kriseninterventionsdienst

Mitfühlen, aber nicht mitleiden

Bad Tölz-Wolfratshausen - Sie betreuen Zeugen von Unfällen, Überlebende eines Unglücks oder Menschen, die gerade den Mann oder die Ehefrau verloren haben: die Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes (KID). Eine von ihnen ist Jasna Gehrke.

Alarmiert werden die KID-Mitarbeiter von der Leitstelle Oberland. „Wir rufen zurück und erhalten die Adresse, wo wir hin müssen und erfahren, was passiert ist“, sagt Jasna Gehrke. Seit dreieinhalb Jahren ist die 50-Jährige ehrenamtliche Mitarbeiterin beim Kriseninterventionsdienst Bad Tölz-Wolfratshausen des Bayerischen Roten Kreuzes. Am häufigsten werden beim sogenannten „Tod im häuslichen Bereich“ KID-Mitarbeiter angefordert. „Beispielsweise, wenn die Ehefrau aufwacht und ihr Mann liegt tot neben ihr.“ Doch auch zu Unfällen oder Suiziden werden die Ehrenamtlichen gerufen, arbeiten mit Polizei und Rettungsdienst eng zusammen.

Nimmt einen das Erlebte nicht selbst mit? „Wir haben gelernt, mitzufühlen, aber nicht mitzuleiden“, versucht die 50-Jährige zu erklären, wie sie mit den Belastungen umgeht. Und sollte ein Einsatz doch einmal Spuren hinterlassen, steht den Helfern psychologische Hilfe zur Verfügung. Aber: „Sobald man die Einsatzjacke anzieht, ist es so, als ob man in eine andere Rolle schlüpft. Zudem kennen wir die Leute nicht.“ Ein Punkt, der nicht unerheblich ist. „So können sich die Trauernden verhalten, wie sie es für richtig finden. Wir wiederum geben ihnen dabei einen geschützten Rahmen, nichts dringt nach außen, und sie müssen sich nicht für ein Verhalten entschuldigen oder sich darüber Gedanken machen.“

Die einen weinen und schreien, andere ziehen sich in sich selbst zurück. Gehrke versucht den zu Betreuenden nach deren Bedürfnissen zur Seite zu stehen, stellt behutsam Fragen, gibt Hinweise, was als nächstes erledigt werden muss – auch in bürokratischer Hinsicht. „Aber man muss auch mal ein Schweigen aushalten können.“ Die KID-Mitarbeiter animieren den Trauernden dazu, Verwandte oder Freunde anzurufen. „Zusammen warten wir, bis jemand kommt.“

Gehrke lässt, wenn ihre Unterstützung nicht mehr gebraucht wird, Infoblätter da, um den Betroffenen und sein Umfeld zu sensibilisieren. „Alpträume, das Gefühl der Sinnlosigkeit oder Schreckhaftigkeit sollten über die Wochen verschwinden. Wenn nicht, sollte man sich in Behandlung begeben.“

Die 50-Jährige ist über ihren Mann und ihren 19-jährigen Sohn zum KID gekommen. „Beide sind bei der Feuerwehr. Da habe ich mir gedacht, warum soll ich nicht auch ein Ehrenamt ausüben?“ Durch eine Zeitungsannonce stieß die Bad Heilbrunnerin auf das KID-Team. Ein Vorgespräch mit dem Fachdienstleiter und ein erstes Schulungswochenende folgten. „Anschließend konnte man sich entscheiden, ob man weitermachen wollte.“ Gehrke wollte. Fünf Wochenendkurse später unterzog sie sich der Prüfung. Noch während der Ausbildung können sich die zukünftigen Kriseninterventionsteam-Mitarbeiter als Hospitanten bei einem erfahrenen Kollegen eintragen und mit zu den Einsätzen fahren, um so Erfahrung zu sammeln.

Jasna Gehrke möchte das Engagement nicht mehr missen. „Ob der oder die Verstorbene die über 90 Jahre alte Mutter oder ein Kind war, ist nicht relevant“, betont sie. „Es zählt nur, dass ein Mensch nicht mehr lebt und ein anderer unsere Hilfe braucht – und ich da war und sie ihm geben konnte.“

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