Leerstand statt schöner Wohnen: Seit knapp einer Woche ist das Einrichtungshaus Mahler im Wolfratshauser Gewerbegebiet geschlossen. Foto: Hans Lippert

Mit dem Firmengiganten ist nicht gut Kirschen essen

Möbel-Mahler-Nachfolger XXXLutz will Sortiment erweitern

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Wolfratshausen - Der Möbelgigant XXXLutz plant in Wolfratshausen offenbar die Ausweitung des bisherigen Sortiments. Bei Gewerkschaften ist XXXLutz derweil nur wenig beliebt.

Die Parkplätze sind verwaist, die riesigen Schaufenster zeigen nurmehr Tristesse: Seit knapp einer Woche steht das ehemalige Einrichtungshaus Möbel Mahler in der Loisachstadt leer. Die Immobilie mit rund 40 000 Quadratmetern Gesamtfläche hat wie berichtet der Möbelgigant XXX Lutz über eine zu der österreichischen Firmengruppe gehörenden Gesellschaft erworben.

Was das Unternehmen plant, will XXX Lutz frühestens in einigen Wochen bekannt geben. Doch wer verbirgt sich eigentlich hinter den Großbuchstaben und dem roten Stuhl, der als Erkennungszeichen dient? Thomas Salinger, Sprecher von XXX Lutz, hat kürzlich dem österreichischen Online-Portal „nachrichten.at“ einige Daten und Fakten über die Firmengruppe, deren Geschicke von Wels in Oberösterreich aus gesteuert werden, verraten.

Demnach ist der bei deutschen Gewerkschaften unbeliebte Branchenprimus auf Wachstumskurs. Der Jahresumsatz beträgt aktuell rund 3,9 Milliarden Euro. Auf die Frage, wie er das Umsatzergebnis betrachte, ließ sich Saliger ein „wie immer zufrieden“ entlocken. In jüngster Zeit übernahm XXX Lutz in Deutschland mehrere Standorte von bisherigen Wettbewerbern: unter anderem Möbel Sonneborn im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid und in Iserlohn, Möbel Zimmermann in Freudenberg (Nordrhein-Westfalen), Möbel Pallen in Aachen (Nordrhein-Westfalen) – und nicht zu vergessen die zwei Möbel-Mahler-Häuser in Bopfingen (Baden-Württemberg) und Wolfratshausen. Unterm Strich betreibt XXX Lutz laut „nachrichten.at“ derzeit 237 Einrichtungshäuser in Österreich, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Schweden, Ungarn, Slowenien und Kroatien. 20 weitere sollen zeitnah dazukommen. In Ungarn werden die ehemaligen „Baumax“-Standorte als „Mömax“-Filialen wiedereröffnet. In Österreich sind weitere so genannte „Möbelix“-Filialen in Planung. Das sind Möbeldiscounter, die mit günstigsten Preisen für Einrichtungsgegenstände, Heimtextilien und Online-Schnäppchen werben. Branchenkenner schließen nicht aus, dass XXX Lutz in Wolfratshausen eine „Möbelix“-Dependance öffnen will. Für dieses Gerücht spricht, dass das Unternehmen bei der Stadt laut Bürgermeister Klaus Heilinglechner darauf drängt, dass die im Gewerbegebiet geltende Sortimentsbeschränkung aufgeweicht wird.

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Für Gewerkschaftler ist der rote Stuhl nicht selten ein rotes Tuch. In Mannheim haben rund 100 im XXX Lutz-Zentrallager beschäftigte Angestellte laut Medienberichten Knall auf Fall vor wenigen Tagen ihre Kündigung bekommen. Sie seien „wie ausrangierte Möbelstücke weggeworfen“ worden, schimpft Katrin Altpeter (SPD), Arbeitsministerin in Baden-Württemberg. Viele der zum Teil langjährigen Mitarbeiter hätten nur ein lapidares Schreiben erhalten: „Hiermit werden Sie ab dem 1. Februar 2016 bis auf weiteres widerruflich von der Verpflichtung der Arbeitsleistung freigestellt.“ Verdi-Gewerkschaftssekretär Stephan Weis-Will wettert, dass die Arbeitnehmer „wie Verbrecher vom Hof gejagt“ worden seien. Arbeitsministerin Altpeter hält den Österreichern „frühkapitalistische Herrschaftsmanieren“ vor. Die umstrittene Vorgehensweise des Möbelriesen ist nicht neu. Auch bei der Schließung des Standortes an der Münchner Theresienwiese machte XXX Lutz wie berichtet Negativ-Schlagzeilen im Umgang mit den Mitarbeitern.

Ein Konzernsprecher hält dagegen: Am Standort in Mannheim hätten unhaltbare Zustände geherrscht, am Lager hätte es regelmäßig Staus gegeben, Liefertermine seien nicht eingehalten worden. Verdi-Mann Weis-Will lässt das nicht gelten: „Sollen Staplerfahrer und Verwaltungsangestellte die Verantwortung für strategische Entscheidungen übernehmen?“

Wolfratshausens Bürgermeister ist gewarnt, dass mit den Welsern in puncto Verhandlungen nicht gut Kirschen essen ist. Die Vorstöße aus Österreich, dass die Sortimentsbeschränkung im Gewerbegebiet doch bitte fallen sollte, hat Heilinglechner mit dem Satz kommentiert: Die Kommune müsse aufpassen, „dass XXX Lutz uns nicht über den Tisch zieht“.

Dass XXX-Lutz-Sprecher Julian Viering in einem Zeitungsinterview angekündigt hat, dass mit einem „längeren Abstimmungsverfahren mit der Kommune“ zu rechnen sei, weil die Sortimente in der Flößerstadt „in jedem Fall andere sein werden als nur Möbel“, lässt auch die Stadträte aufhorchen. Quer durch alle Fraktionen lautet der Tenor derzeit: Der Schutz der Wolfratshauser Innenstadt hat Priorität, die Sortimentsbeschränkung leichtfertig über Bord werfen werde man nicht. Doch noch sei eine politische Debatte verfrüht.

CSU-Fraktionschef Günther Eibl ist mit Rathauschef Heilinglechner einer Meinung: Noch habe XXX Lutz die Katze nicht aus dem Sack gelassen – „insofern reden wir über ungelegte Eier“.

cce

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