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Unternehmer mit Auszeichnung: Jean-Marc von Keller (re.) und Sebastian Frey (li.), Geschäftsführer des Wolfratshauser Sportartikel-Produzenten und -vertriebs MTS. In der Mitte: Marketing-Mann Paul Schlott. 

Firmenporträt

MTS: Ein Sportartikel-Riese aus Wolfratshausen

  • vonPeter Borchers
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Der Name MTS sagt vermutlich vielen nicht viel. Doch das Wolfratshauser Unternehmen ist in der Sportartikel-Branche in einigen  Bereichen Marktführer.

Wolfratshausen – Der Eisberg trifft es als Metapher ziemlich gut: Riesengroß ist er in der Regel, doch zu sehen ist von ihm über dem Meeresspiegel meist nur ein sehr kleiner Teil. Ähnlich verhält es sich mit einem Wolfratshauser Unternehmen. Wenige kennen MTS. In der Sportartikel-Branche ist die am Hans-Urmiller-Ring ansässige Firma aber ein Gigant. Das Portfolio des inhabergeführten Unternehmens beinhaltet die Racketsport-Marken Donic-Schildkröt, Talbot-Torro und Unsquashable,die Marke Schildkröt für die Produktbereiche Funsport, Fitness und Funwheel (Rollsport) sowie die Rucksack-Marke Wheel-Bee. Die Geschäfte führen Jean-Marc von Keller als Gesellschafter und Sebastian Frey.

Die Anfänge des Unternehmens lesen sich spannend wie ein Wirtschaftsroman: Von Kellers Vater kaufte 1984 den Sportbereich der damals finanziell ins Trudeln geratenen Mannheimer Traditionsfirma Schildkröt, seit 1896 Entwickler und Hersteller von Puppen und Tischtennisbällen. Die Unternehmenszweige von Schildkröt teilten sich fortan in die Sektoren Puppen, Spielwaren und Sport auf. Der Vater habe die Produktion alsbald vom Badischen nach China verlagert, erinnert sich Filius Jean-Marc. Denn das Zelluloid, jenes Material, aus dem man die Tischtennisbälle in Deutschland fertigte, „wurde damals teurer eingekauft als später die fertigen Bälle aus China“.

1989 stieg von Keller junior in die Firma ein. Der Papa schickte ihn nach China, um dort eine firmeneigene Fabrik aufzubauen. Zweieinhalb Jahre blieb er – und erlebte „unglaubliche Zustände“. Er schlief auf Holzbrettern, der Strom fiel immer wieder aus. „Man muss sagen, dass Jean-Marcs Familie zu einer Zeit nach China ging, als das noch lange nicht gang und gäbe war“, ergänzt von Kellers Kompagnon Frey, der vor 16 Jahren dazustieß. Zupass kam der Firma, dass von Kellers Vater in zweiter Ehe mit einer Hongkong-Chinesin verheiratet war. Positiver Nebeneffekt der doppelten China-Connection: der Junior spricht „auch heute noch fließend Kantonesisch“.

1992 gründeten die von Kellers die MTS Sportartikel Vertriebs GmbH mit Sitz in Hamburg. Die Buchstaben stehen für die drei damals vertriebenen Marken Major (Tennisschläger, inzwischen abgegeben), Talbot-Torro und Schildkröt. Über die Zwischenstation Gelting landete MTS in Wolfratshausen, dem Firmensitz mit aktuell rund 25 Mitarbeitern. Weitere Standorte sind Hongkong (Büro, Einkauf, Produktentwicklung, außereuropäischer Vertrieb), China (Fabrik/Tischtennis) und Bremen. In der Hansestadt steht das Lager eines kooperierenden Dienstleisters – was für Frey „sinnvoll ist, weil die Schiffe ja von Norden reinkommen“. Und „ehrlicherweise ist das Lohnniveau in Bremen auch ein anderes als im südlichen Münchner Umland“.

Über die Jahre wuchs das Unternehmen. Von Keller und Frey nahmen zu den Ur-Marken 2007 eine Funsport-Artikelserie hinzu. Dieser „Mischbereich zwischen Spiel und Sport“, sagt von Keller, „macht uns auch für den Spielwarenmarkt interessant.“ Für Sebastian Frey ist dies „eine logische Weiterführung von Schildkröt, das ja seine Ursprünge ebenfalls im Puppenbereich hat“.

2012 erweiterte MTS sein Angebot um das Label Schildkröt Fitness. Als Partner gewann man neben Extrem-Skifahrer Bene Mayr eine Sportgröße aus dem Landkreis: Für die grün-schwarzen Fitnessgeräte für den Hausgebrauch wirbt die ehemalige Dietramszeller Biathlon-Ikone Uschi Disl. Jüngstes Pferd im Markenstall ist der Rollsport mit Scootern und Skateboards. Das soll es aber noch nicht gewesen sein. Frey sieht Schildkröt aufgrund der Markenbekanntheit als „einen immer noch ungeschliffenen Rohdiamanten, aus dem man noch ein bisserl was machen kann“. Die beiden Geschäftsführer denken da an neue Produkte „aus diesem Grenzbereich zwischen Sport und Spiel“.

In der Branche ist MTS mittlerweile ein großer Player. Der Jahresumsatz liegt bei zwölf Millionen Euro. Kürzlich kürte das Fachmagazin SAZ die Firma in der Kategorie Fitness-, Fun- und Actionsport zum besten Lieferanten Deutschlands. 2400 Sporthändler hatten ihre Stimme abgegeben. Die Wolfratshauser ließen damit Giganten wie Puma und Under Armour hinter sich.

MTS gehören „im Tischtennis-Freizeitbereich zwei Drittel des Marktes in Deutschland“, zitiert Frey die Sportfachhandel-Verbundgruppe Intersport. Auch auf den Sektoren Badminton und Funsport ist man laut dem 43-Jährigen „ganz klar Marktführer“ – und in den besetzten Nischen „einer der wichtigsten Lieferanten in Zentraleuropa, im Tischtennis-Bereich sogar darüber hinaus“.

Grund genug für MTS, in der Öffentlichkeit präsenter zu werden. In der Rolle des „versteckten Heros“ (von Keller) lebe es sich zwar im Grunde ganz gut. Aber auch im Hinblick auf die Akquise von Arbeitskräften sei es nun mal an der Zeit, sich deutlicher zu positionieren. Nicht nur die Spitze des Eisbergs soll gesehen werden.

peb

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