Ein Schlagring als Deko oder Waffe? Diese Frage musste vor dem Amtsgericht geklärt werden. SymbolFoto: Jantz/Archiv
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Ein Schlagring als Deko oder Waffe? Diese Frage musste vor dem Amtsgericht geklärt werden.

Amtsgericht Wolfratshausen

Schlagring als Motorrad-Deko: Verfahren gegen Biker eingestellt

  • vonRudi Stallein
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Um einen Schlagring ging es kürzlich am Wolfratshauser Amtsgericht. Er diente zwar als Deko an einem Motorrad, konnte aber auch als Waffe benutzt werden.

Wolfratshausen – Ein Schlagring, mit dem er die Satteltasche seiner Suzuki 1800 verziert hatte, bescherte einem 66-jährigen Motorradfahrer aus Puchheim ein Verfahren am Wolfratshauser Amtsgericht. Dort musste sich der Mann wegen des unerlaubten Besitzes sowie des Mitführens einer verbotenen Waffe verantworten.

Vor acht Jahren habe er den Schlagring als Weihnachtsgeschenk vom Sohn seiner Freundin bekommen und an die Motorradtasche montiert. Von hinten mit zwei Doppelmuttern fixiert und obendrein angeschweißt. Seither sei er oft kontrolliert worden. „Aber nie gab es Probleme“, beteuerte der leidenschaftliche Motorradfahrer vor Gericht. „Es war nur Dekoration.“

Das änderte sich, als sich eine Polizeistreife am 13. September des vergangenen Jahres seine Maschine auf der Staatsstraße 2065 im Gemeindegebiet von Münsing genauer ansah. „Für Deko gibt es keine Sonderregelung“, zitierte eine Polizeibeamtin als Zeugin vor Gericht aus der Mitteilung des Landeskriminalamts, das den Schlagring auch in dieser Anbringung als Waffe einstufte.

Ein guter Rat des Richters am Schluss

„So wie er angebracht war, hätte er nie als Waffe eingesetzt werden können“, hielt der Verteidiger dagegen. Sein Mandant hat den Schlagring inzwischen auf polizeiliche Anordnung hin abmontieren müssen, was nur mittels einer Flex möglich war. „Ich finde, das schreit nach einer Einstellung“, forderte der Rechtsanwalt, nachdem er aus den Erklärungen des Gerichts herausgehört hatte, dass der gewünschte Freispruch wohl nicht zustande kommen würde.

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Schließlich wurde das Verfahren mit dem Einverständnis aller Beteiligten gegen die Zahlung von 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung eingestellt. „Und in Zukunft überlegen sie sich genauer, was für eine Dekoration Sie am Motorrad anbringen“, gab Richter Helmut Berger dem Puchheimer mit auf den Heimweg. Der gleichen Meinung war auch der Verteidiger. Er empfahl seinem Mandanten: „Malen Sie lieber eine nackte Frau auf den Tank.“

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