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Münzen in Tütchen: Bürger erinnern sich an die Umstellung auf den Euro

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Von: Peter Borchers

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Aus dem Schließfach holte Bänker Stefan Holzheu aus Ambach sein Starterkit fürs Foto.
Aus dem Schließfach holte Bänker Stefan Holzheu aus Ambach sein Starterkit fürs Foto. © Hans Lippert

Zum 1. Januar 2002 wurden die Euro-Starterkits herausgegeben. In einem Tütchen befanden sich 10,23 Euro. Viele Deutsche sicherten sich damals eines dieser Münzen-Sets.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Den Euro gibt es eigentlich seit 1999. Damals löste die neue EU-Währung hierzulande die ehrwürdige Deutsche Mark für Buchungszwecke ab. Spannend wurde es für Otto Barbezahler erst drei Jahre später: Ab dem 1. Januar 2002 klimperten harte Euro- und Centmünzen in den Portemonnaies – ganz im Sinne des europäischen Einheitsgedankens. Zum Auftakt gaben die meisten EU-Länder sogenannte, allerdings recht unterschiedlich ausfallende Starterkits an ihre Bürger heraus. Wer in Deutschland 20 Mark auf den Tresen seiner Bank legte, erhielt im Gegenzug ein Plastiktütchen mit Euro-Münzen jeder Art und Größe im Wert von 10,23 Euro. Der Umrechnungskurs: 1 Euro entsprach 1,95583 D-Mark. Zahlengenies errechnen nun rasch, dass der Gegenwert des Tütchens eigentlich exakt bei 20,01 Mark lag. Der eine Pfennig? Den schenkte uns der Staat.

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Die meisten Starterkits gingen bald im Zahlungsverkehr auf. Einige allerdings verschwanden in Safes, Schmuckkassetten oder in Schubladen – als Erinnerung oder mit der damit verbundenen Hoffnung, in ferner Zukunft mal einen Reibach zu machen. Nun, dieser Wunsch wird sich für die Besitzer eines deutschen Kits nicht erfüllen. Wer jedoch ein unversehrtes Tütchen der Vatikan-Bank oder eines monegassischen Geldinstituts sein Eigen nennt, hat bessere Karten: Jene von diesen Zwergstaaten herausgegebenen Münzpäckchen werden auf Sammlermärkten heute für ein paar Hundert Euro gehandelt. Generell gilt: Je kleiner der Mitgliedstaat und je kleiner die Auflage der Starterkits, desto größer ist die Chance auf eine gute Wertsteigerung.

Schöne Erinnerung: Peter Pirchmoser aus Greiling mit seinen ersten Euros.
Schöne Erinnerung: Peter Pirchmoser aus Greiling mit seinen ersten Euros. © Hias Krinner

Für Stefan Holzheu „lag es nahe“, sich ein Kit zu besorgen. Er hatte gerade seine Ausbildung bei einer Bank abgeschlossen. Als Mann vom Fach konnte sich der Ambacher ausmalen, dass dieses Tütchen niemals großen Wert erlangen wird, „ich habe es mir einfach als Erinnerungsstück gekauft“. Und als solches besitzt es durchaus Wert für Holzheu: Er hat es in einem Schließfach deponiert, „im Originalzustand selbstverständlich“. An die Umstellung erinnert sich der heute 41-Jährige übrigens sehr gut: „Ich war damals beim Zivildienst. Zur Bargeldumstellung sind wir Bänker angefragt worden, ob wir zu Jahreswechsel in die Bank zurückkehren und aushelfen.“ Was er damals auch tat. Dass der Euro zum später oft zitierten Teuro wurde, glaubt Holzheu übrigens nicht, auch wenn es schwierig sei, dies genau zu beurteilen. „Da wir nicht wissen, wie es sich mit der D-Mark entwickelt hätte, fehlt der Vergleich. Die Inflation gab’s damals aber schon. Auch mit der Mark wäre vieles teurer geworden.“

Peter Pirchmoser war zum Zeitpunkt der Währungsumstellung 14 Jahre alt und kaufte sich drei Kits. Eins habe er geöffnet und sofort hergenommen, erzählte der Greilinger, die anderen aber hob er auf. „Ich dachte mir damals, dass die in 50 Jahren, wenn ich in Pension gehe, vielleicht mal etwas wert sind.“ So wie Pirchmoser sie damals von der Bank bekommen hatte, liegen sie immer noch bei ihm zu Hause. Auch wenn die Kits nie sehr wertvoll werden dürften, seien sie „eine schöne Erinnerung“ an ein doch bedeutsames Ereignis.

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Bettina Koch besorgte sich die Starterkits aus einer Art Gruppendynamik heraus. „Damals hat das doch jeder gemacht, also habe ich mir auch eins gekauft, um ein paar Euro in der Tasche zu haben.“ Geöffnet hat die gebürtige Fränkin das Päckchen aber tatsächlich nie, „weil man dann ja relativ schnell Geld von der Bank abheben konnte.“ Die Tütchen mit den Münzen lägen nun bei ihr daheim in Gaißach im Schrank, sagt die 45-Jährige, „vielleicht gebe ich sie mal meinen Kindern“.

Feinkosthändler Volker Reeh holte sich um die 15 Starterkits aus einem geschäftlichen Grund: „Der Handel hatte damals die Funktion des Geldwechsels, und es gab zunächst ja nur Hartgeld.“ Erst zwei, drei Tage vor der Umstellung habe man Geldrollen bekommen.“ Wir haben dann D-Mark eingenommen und mussten das Wechselgeld in Euro herausgeben.“ Die Zeit sei spannend gewesen, erinnert sich der Geretsrieder. „Wir mussten die Kassen umstellen, haben kurzfristig von der Bank Euro gekauft und die D-Mark wieder hingetragen.“ Ein Starterkit besitzt Reeh selbst noch. Für seine Kinder, 1988 und 1990 auf die Welt gekommen, hat Reeh ebenfalls jeweils „ein Packerl aufgehoben“. Seinen Sprösslingen geschenkt hat er übrigens auch eine Serie von D-Mark-Scheinen von 5 bis 100. „Die sind in einem Bilderrahmen verewigt und hängen wahrscheinlich auf dem Klo“, sagt er und lacht.

Geldverteiler: Als Feinkosthändler brachte Volker Reeh die neuen Münzen unters Volk.
Geldverteiler: Als Feinkosthändler brachte Volker Reeh die neuen Münzen unters Volk. © Hans Lippert

Monika Botzenmayers Beweggrund, sich die ersten Euros im Tütchen zuzulegen war „meine kleine Sammelleidenschaft“. Die Eurasburgerin würde sich nicht als ernsthafte Numismatikerin bezeichnen, hat sich damals jedoch ebenfalls die „Goldmark“, eine Gedenkprägung, gesichert. Und zur Abteilung Währungsumstellung gehört das Starterkit „einfach dazu“. Die 62-Jährige rechnet übrigens „heute noch von Euro in Mark um“, und sie findet, „dass der Handel die Umstellung damals schon auch ausgenutzt hat, um die Preise zu erhöhen. Als Hausfrau habe ich mein ganzes Leben lang immer gerechnet.“ Der Schweinsbraten im Gasthaus habe erst 9,80 Mark gekostet, nicht viel später 9,80 Euro. Das sei Tatsache.

Für einen passionierten Numismatiker hatte die Währungsumstellung ihren ganz eigenen Reiz. Andreas Chlebisz sammelt seit seiner Kindheit Münzen, ein Bekannter der Familie hatte den gebürtigen Oberschlesier an dieses Hobby herangeführt. „Mit einfachen Münzen hat es angefangen“, erinnert sich der 60-Jährige, der in Bad Tölz lebt. Heute sind „Sonderprägungen, Länder- und Umlaufmünzen“ Chlebisz’ Spezialgebiet. Zu den hübschesten Talern zählt er Euro- und Centstücke, die aus seinem Geburtsland kommen. „Einige polnische Silbermünzen sind wirklich sehr, sehr schön.“ Für den 60-Jährigen war es trotzdem „Ehrensache“, sich vier oder fünf Starterkits zuzulegen. „Ich wollte wissen, wie sich diese neuen Münzen in der Hand anfühlen.“ Zwei intakte Tütchen besitzt er noch, darunter eines mit 33 Münzen von der österreichischen Nationalbank zum damaligen Gegenwert von 200 Schilling, umgerechnet 14,54 Euro. Das wird auf diversen Versteigerungsplattformen immerhin für mittlerweile rund zehn Euro mehr gehandelt. Aber ein Teuro-Starterset ist aus der Austria-Version leider auch noch nicht geworden.

peb

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