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Adventliche Stimmung macht sich breit: Die muslimische Familie Lass lebt in der Wolfratshauser Obdachlosenunterkunft. An Weihnachten organisieren sie ein Fest für alle Bewohner. Foto: Sabine Hermsdorf-Hiss

„Den Menschen Gutes tun“

Muslimische Familie organisiert Weihnachtsfeier in Obdachlosenheim

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Eine muslimische Familie wohnt im Wolfratshauser Obdachlosenheim. Am 25. Dezember organisiert sie für die anderen Bewohner eine Weihnachtsfeier. 

Wolfratshausen – An den Wänden hängen glänzende Girlanden mit bunten Kugeln und Lametta. Auf dem Esstisch liegt eine weiße, bestickte Tischdecke mit glitzernden roten und grünen Glocken. Darauf steht eine Schale mit Obst und eine mit Lebkuchen. Eine rote Kerze taucht das Zimmer in warmes Licht. Alles in dem knapp 20 Quadratmeter großen Zimmer in der Wolfratshauser Obdachlosenunterkunft zeigt, dass bald Weihnachten ist.

„Seit dem ersten Advent haben wir so geschmückt“, sagt Feyza Lass (39). Der richtige Name der Familie darf aus familiären Gründen nicht in der Zeitung stehen. Sie schaut lächelnd auf ihren zweijährigen Buben, der vom Hochstuhl aus fasziniert die flackernde Kerzenflamme beobachtet. Das Außergewöhnliche: Vater, Mutter und Söhnchen Lass sind keine Christen, sondern Muslime.

„Wir glauben auch an Christus“

„Natürlich feiern wir Weihnachten“, sagt Abdi Lass, der mit seiner Frau seit zweieinhalb Jahren im Obdachlosenheim lebt. Er erklärt: „Wir glauben auch an Christus. Er war ein Prophet wie Mohammed.“ Als streng religiös bezeichnet sich der 54-Jährige mit tunesischen und französischen Wurzeln nicht. „Aber ich respektiere den muslimischen Glauben sehr – genauso wie alle anderen Religionen.“

Nicht nur, weil Lass nun seit 25 Jahren in Deutschland lebt, spielen für ihn die Festtage im Dezember eine wichtige Rolle. Weihnachten feiert er schon, seit er denken kann. „Es ist eine Zeit für die Familie“, sagt er und streicht seinem Sohn über die braunen Locken. Neben Verzeihung und Versöhnung stehe noch etwas anderes im Mittelpunkt: „den Menschen Gutes zu tun“.

Daher haben sich Lass und seine Frau etwas für die Bewohner des Obdachlosenheims überlegt. „Am 25. Dezember feiern wir alle zusammen im Aufenthaltsraum Weihnachten.“ Die Bewohner basteln bereits fleißig Dekoration für Wände und Tische. Lass hat Ente und Gans bestellt, die er selbst zubereiten wird. Weil es in der kleinen Wohnung der Familie nur zwei Herdplatten gibt, überlässt ihm Betreuerin Ines Lobenstein den Herd in ihrer Büro-Küche. Dafür ist Lass dankbar. „Denn eine Gans gehört unbedingt dazu.“

Auf einen Christbaum müssen sie verzichten

Doch nicht nur das Festmahl ist typisch deutsch. „Weil wir in Deutschland leben, gibt es in unserer Familie auch die deutschen Weihnachtsbräuche“, sagt Lass. Auf einen Christbaum müssen sie zwar verzichten: In dem Raum, der gleichzeitig Flur, Küche, Ess- und Wohnzimmer ist, gibt es keinen Platz. Doch für seine Frau und ihn sei es selbstverständlich, dem Heiligen Nikolaus einen Besuch abzustatten und auf den Christkindlmarkt zu gehen. „So stimmen wir uns auf das Fest ein.“ Mit dem Bischof hat sich sein Sohn, den die Eltern liebevoll „Susu“ nennen, zwar noch nicht angefreundet. „Aber vom Schnee ist er ganz begeistert“, erzählt seine Mutter. „Wir haben schon einen Schneemann, eine Schneefrau und sogar einen Schneehund gebaut.“ Der Kleine im grünen Fußball-Shirt quietscht und lacht.

Der Bub ist das einzige Kind, das in der Obdachlosenunterkunft lebt. Nicht zuletzt wegen ihm bemühen sich seine Eltern, das Fest so schön wie möglich zu gestalten. Nur das Geschenk auf seinem Wunschzettel können sie ihm nicht machen: „Susu wünscht sich den FC Bayern – das ist ein bisschen schwierig“, sagt Lass und grinst. „Aber wir werden schon etwas finden.“

Dass diese Worte auch für ihren Weihnachtswunsch gelten, hoffen Lass und seine Frau inständig. „Wir möchten endlich eine eigene Wohnung finden“, sagt Lass leise. Dann hebt er seine Stimme wieder. „Aber wir versuchen, das Leben zu genießen.“ Auch darum feiert er mit seiner Familie Weihnachten.

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