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Mutiert Wolfratshausen zum „Las Vegas im Landkreis“?

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Von: Carl-Christian Eick

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Museum Wolfratshausen
„Museum Wolfratshausen“: Dieser Schriftzug sollte zweizeilig am Eingang zum städtischen Gebäude am Untermarkt 10 angebracht werden. Doch die Werbeanlagensatzung der Kommune erlaubt nur einen einzeiligen Schriftzug. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Der Bauausschuss pocht auf Einhaltung der städtischen Werbeanlagensatzung. Andernfalls mutiere Wolfratshausen zum „Las Vegas im Landkreis“.

Wolfratshausen – Werbung ist für Gewerbetreibende wichtig, doch die Reklameschilder an den Häuserfassaden in der historischen Altstadt müssen den Festsetzungen der Stadt entsprechen. Erlaube die Kommune eine Ausnahme, wäre das der berühmte Präzedenzfall, warnte Vize-Bürgermeister Günther Eibl (CSU) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats. Eine mögliche Folge: Wolfratshausen mutiere „zum Las Vegas im Landkreis“, so Eibl.

Mutiert die Stadt Wolfratshausen zum „Las Vegas im Landkreis“?

Auslöser der Diskussion war der Antrag der Untermarkt 7-11 GmbH, von der Werbeanlagensatzung der Kommune abweichen zu dürfen. Fürs neue Wohn- und Geschäftshaus in der Altstadt hat die Projektgesellschaft bekanntlich die Drogeriemarktkette Müller als sogenannten Ankermieter gewonnen. Nun möchte Müller an der östlichen Fassadenseite (Marktstraße) sein Logo mit Schriftzug anbringen, zudem „hinterleuchtete Motivfensterbeklebungen“ an den Fenstern im ersten Stock des neuen Gebäudes. Punkt eins entspricht der städtischen Satzung, die Fensterbeklebungen sowie darüber hinaus beantragte selbstleuchtende „Stechschilder“ nicht.

Energiesparen: Leuchtreklame löst Bedenken bei CSU-Rätin aus

„Leuchtreklame“ wolle er in der Altstadt nicht, erklärte Richard Kugler (Wolfratshauser Liste). Als Alternative schlug er dem Antragsteller vor, „ein Logo auf die Fassade zu malen und es zu beleuchten“. Renate Tilke (CSU) meldete in Zeiten, „in denen Energiesparen angesagt ist“, grundsätzliche Bedenken gegen beleuchtete Werbeschilder an. Für Josef Praller, Fraktionschef der Bürgervereinigung, führt kein Weg an der im Juni 2004 beschlossenen Werbeanlagensatzung der Stadt vorbei. Derselben Meinung war Rathauschef Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung). Wohl wissend, dass es sich „um einen wichtigen Gewerbebetrieb handelt“.

Aus diesem Grund war Fritz Schnaller (SPD) bereit, dem Antrag zuzustimmen. „Wir haben eine Satzung, das ist wahr“, sagte Schnaller. „Doch wir wollen, dass der Betrieb in Wolfratshausen bleibt.“ Er sei „die Marktstraße einmal rauf und runter gegangen“. Dabei habe er festgestellt, dass es zwar auf dem Papier eine Werbeanlagensatzung geben würde, „doch die Realität ist eine andere“, bilanzierte Schnaller nach seinem Stadtspaziergang. Rudi Seibt (Grüne) sah’s pragmatisch. Bei der beschlossenen Aufwertung der Altstadt sollte nicht zuletzt „auch an die Außenwerbung“ der Geschäfte gedacht werden. Strom fressende Werbeschilder „kann man nachts ausschalten“, meinte Seibt. „Ansonsten ist Reklame nicht schädlich.“ Das Gros des Fachausschusses war sich einig. Gegen die Stimmen von Schnaller und Seibt lehnte das Gremium den Antrag auf isolierte Befreiung von der Werbeanlagensatzung ab.

Was für Gewerbetreibende gilt, muss auch für die Kommune gelten

Was für die Projektgesellschaft Untermarkt 7-11 beziehungsweise die Drogeriemarktkette Müller gilt, das gilt auch für die Stadt selbst. Die Dienstleistungs GmbH der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (StäWo), ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Kommune, hatte ebenfalls beantragt, dass in Sachen Werbeanlagensatzung eine Ausnahme gemacht wird. Denn: Der nach langer und kontroverser Diskussion vom Kulturausschuss beschlossene Name „Museum Wolfratshausen“ fürs ehemalige Heimatmuseum am Untermarkt 10 sollte zweizeilig über der Eingangstür der städtischen Immobilie prangen. Aber: Erlaubt ist nur ein einzeiliger Schriftzug – und allein Fritz Schnaller war bereit, ein Auge zuzudrücken.

Wolfratshausen: Erneute Debatte über den Namen fürs neue Museum?

„Wir können hier keine Ausnahme machen“, betonte CSU-Rätin Tilke. Ihr Parteifreund Eibl pflichtete ihr bei. Andernfalls „würden wir die Stadt bevorteilen“, so der Zweite Bürgermeister. Josef Praller schlug vor, auf den Namenszusatz „Wolfratshausen“ zu verzichten, denn dass man in der Wolfratshauser Altstadt nicht „vor dem Museum Münsing oder dem Museum Eurasburg steht, wird wohl jeder wissen“. Auch Tilke und Seibt regten an, die Debatte über den Namen noch einmal zu führen. „Stadtmuseum“ wäre für Seibt eine Kompromisslösung.

So oder so fiel der Antrag, entgegen der Werbeanlagensatzung einen zweizeiligen Schriftzug am Museum Wolfratshausen anzubringen, mit 1:9 Stimmen durch. Das neu konzipierte Museum, das teilte kürzlich Stadtmanager Dr. Stefan Werner unserer Zeitung mit, soll im Februar 2023 öffnen.

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