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Enttäuscht: Der Bürgerladen am Untermarkt war ein Wahlversprechen von Bürgermeister Klaus Heilinglechner.

„Schluss mit gegenseitigen   Schuldzuweisungen“

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Wolfratshausen: Klaus Heilinglechner ist nach dem gescheiterten Bürgerentscheid zum Bürgerladen enttäuscht. Der Wolfratshauser Bürgermeister fordert: "Schluss mit gegenseitigen Schuldzuweisungen".

Klaus Heilinglechner ist enttäuscht. „Ich hätte das Projekt gerne umgesetzt“, sagt der Wolfratshauser Bürgermeister am Morgen nach dem gescheiterten Bürgerentscheid zum Bürgerladen. „Aber ich hänge mich deswegen jetzt nicht auf.“ Der Rathauschef redet nicht um den heißen Brei herum: Nur knapp 27 Prozent Wahlbeteiligung – „das ist ein schlechtes Ergebnis“.

Mutmaßlich „ist bei der Kommunikation ’was durcheinandergeraten“, die Komplexität des Themas könnte viele Wähler davon abgehalten haben, ihre Stimme abzugeben. Die Gegenoffensive von 16 Stadträten „hat das Thema Bürgerladen zusätzlich kompliziert erscheinen lassen“, urteilt Heilinglechner. Zudem war der Bürgerentscheid am Sonntag nicht wie beim Entscheid über die S-Bahn-Schranke und übers neue Stadtarchiv mit einer Landtags- beziehungsweise Europawahl verknüpft. Andernfalls wäre die Wahlbeteiligung voraussichtlich höher gewesen. Heilinglechner hatte wie berichtet vorgeschlagen, über den Bürgerladen am Christkindlmarktsonntag abstimmen zu lassen. Der Stadtrat votierte stattdessen mehrheitlich für den Nikolaustag.

„Aber das ist alles Schnee von gestern“, stellt der Bürgermeister fest. Nun habe er die Aufgabe, den Ratsbeschluss vom 7. Juli umzusetzen. Demnach wird das städtische Gebäude am Untermarkt 10 in Erbpacht an einen Investor vergeben. Der muss die denkmalgeschützte Immobilie sanieren und kann die Räume anschließend vermieten. Das städtische Heimatmuseum, so der Tenor der Kommunalpolitiker, soll auf jeden Fall im Haus verbleiben. Der von der CSU-Fraktion formulierte Beschluss, der bislang auf juristisch sehr wackligen Beinen stand, ist mittlerweile rechtsverbindlich. Da der Stadtrat die Entscheidung in einer Sondersitzung im Herbst nicht aufhob, „gilt der Juli-Beschluss“, konstatiert Heilinglechner. Dies habe ihm die Rechtsaufsicht des Landratsamtes bestätigt. Der Rathauschef geht davon aus, dass der Untermarkt 10 im Februar auf der Tagesordnung des Bauausschusses stehen wird. Denn noch seien für das Erbpachtkonzept keine Rahmenbedingungen erarbeitet worden.

Und wie geht’s weiter mit dem Bürgerladen-Projekt? „Der Ball liegt bei den 16 Stadträten“, die gegen den Standort Untermarkt 10 sind, antwortet der Bürgermeister. Die Gruppe „hat ja plakatiert“, dass es einen Alternativstandort geben würde, an dem das Vorhaben der Ehrenamtlichen zeitnah umgesetzt werden könnte. Um welchen Standort es sich handelt, „weiß ich nicht“.

Heilinglechner plädiert dafür, die in den vergangenen Wochen aufgerissenen Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern zu schließen: „Es muss Schluss sein mit gegenseitigen Schuldzuweisungen.“ Es wäre wünschenswert, wenn es ihm, dem Stadtrat und der Initiative um ihren Sprecher Ernst Gröbmair gemeinsam doch noch gelingen würde, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Die Bürgerladen-Mitstreiter hätten „x-Arbeitsstunden investiert, sind dem Stadtrat immer wieder entgegen gekommen, und jetzt stehen sie als die Gelackmeierten da“.

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