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Wie geht’s weiter? Ingrid und Fritz Schnaller schauen sich am Wahlabend das Ergebnis ganz genau an. „Jetzt müssen alle viel miteinander reden“, sagte der Vize-Bürgermeister am Tag danach. Für beide Seiten müsse eine vernünftige Lösung her – für den Bürgerladen und für das städtische Gebäude am Untermarkt 10.

Nach dem Bürgerentscheid

Am liebsten alles wieder auf Null stellen

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Wolfratshausen - In zwei Dingen sind sich Gegner wie Befürworter des Bürgerladens am Untermarkt 10 nach dem Bürgerentscheid einig. Erst wird Weihnachten gefeiert, dann das neue Jahr begrüßt. Und dann? Wollen die Stadträte an Plan B feilen. Die Bürgerladen-Gruppe wartet unterdessen auf neue Immobilienangebote. Die sind aber nicht in Sicht.

Geht es nach dem Willen der 16 Stadträte, die in den vergangenen Wochen für ein „Nein“ beim Bürgerentscheid geworben haben, wird alles wieder auf Null gestellt. „Vielleicht wäre es am besten, alle Beschlüsse zum Untermarkt 10 aufzuheben und ganz von vorne anzufangen“, sagt Günther Eibl. „Dann bekommen alle einen klaren Kopf, und man kann sich überlegen, wie es weitergeht.“ Unterstützung erhält der CSU-Fraktionschef von Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD). „Es schmerzt uns alle, dass so viel Aufwand betrieben und Zeit investiert wurde.“ Aufgabe sei es jetzt, die richtigen Lehren zu ziehen, miteinander zu reden und für beide Seiten eine vernünftige Lösung zu finden. „Für den Untermarkt 10 eine sinnvolle Nutzung und für die Bürgerladen-Gruppe eine tragbare Alternative.“

Eibl und Schnaller zufolge bringt es nichts, an dem Beschluss vom 7. Juli festzuhalten, demzufolge das Gebäude in Erbbaurecht an einen Investor vergeben wird, der dieses saniert und dann zum ortsüblichen Preis vermieten kann. Nur diesen Beschluss aufzuheben, sei allerdings auch nicht sinnvoll, erläutert Eibl: „Dann gilt der Beschluss vom Februar, der besagt, dass die Stadt die Immobilie für 460 000 Euro selbst saniert.“ Allein wegen der längst überholten Kosten wäre dieser Beschluss hinfällig. Man würde sich damit zu sehr einengen, so der Tenor.

In welcher Konstellation die Stadträte miteinander reden werden, sei noch offen. „Sinnvoll wäre es sicher, wenn nicht nur die 16 dabei sind, sondern alle“, sagt Eibl. Das Gesprächsangebot richtet sich auch an die Verlierer des Bürgerentscheids, also die Initiative um ihren Sprecher Ernst Gröbmair und an Bürgermeister Klaus Heilinglechner. Schnaller zufolge müsste man – die Bereitschaft bei der Bürgerladen-Gruppe vorausgesetzt, ihr Konzept zu überdenken – noch einmal die Alternativen von Tschibo- bis Reiser-Laden durchgehen. Der Vize-Bürgermeister könnte sich vorstellen, auch den Foto Speedy am Obermarkt 16, der bald schließen wird, sowie das Geschäft daneben erneut unter die Lupe zu nehmen. Zusammen wären die beiden Läden mehr als 170 Quadratmeter groß. Die Bürgerladen-Gruppe braucht mindestens 160 Quadratmeter Verkaufsfläche – und hat bereits anklingen lassen, dass die räumliche Trennung durch eine Passage einen zu hohen personellen und damit finanziellen Aufwand bedeuten würde.

Für den Untermarkt 10 gibt es Eibl zufolge nur eine Option: „Wir sollten den Weg des ehemaligen Bürgermeisters Helmut Forsters gehen, des Vorgängers von Klaus Heilinglechner.“ Forster hatte vorgeschlagen, dass die Stadt das Gebäude selbst saniert, dem Heimatmuseum die Räume mietfrei überlässt und im Erdgeschoss das Bürgerbüro, eine Tourist-Info und einen Souvenirshop einrichtet. Durch den Verkauf von Eintrittskarten, Postkarten, Info-Broschüren und Andenken könnten Einnahmen für den Unterhalt generiert werden. Auch die Partnerstädte und die Patenschaft für das Flottendienstboot Oste könnten so besser präsentiert werden. „Viele Exponate des Museums können wegen der Raumnot nicht gezeigt werden“, wirbt Forster, Wirtschaftsreferent des Stadtrats, für seine Idee. „Und in der Innenstadt haben wir jeden Tag viele Besucher von auswärts, denen wir zu wenig bieten.“

Geht es nach Gröbmair, macht die Bürgerladen-Gruppe auf jeden Fall weiter. „Gerade erst hat der 500. Interessent bei uns Anteile gezeichnet, das sagt einiges aus.“ Er will einem Treffen der Gruppe am Wochenende allerdings nicht vorgreifen. Erst danach wisse man, wie die Bereitschaft sei, weiter Zeit und Energie in das Projekt zu investieren. Im Moment, betont Gröbmair, sehe er keine Immobilie in guter Lage, die die Kriterien für den Bürgerladen erfüllen würde. „Das muss aber nichts heißen. Wenn die Stadträte zeitnah einen Vorschlag machen, vielleicht sogar für den Untermarkt 10, könnten wir ins Gespräch kommen.“

Dass das Gebäude nach all den Verwicklungen noch für einen Bürgerladen in Frage kommt, kann sich Schnaller nicht vorstellen. „Reden kann man natürlich über alles, auch darüber“, so der SPD-Rat. Aber für diesen Standort sehe er in puncto Bürgerladen „große Probleme“.

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